Das kam wohl nicht ganz überraschend. Denn schon vier Wochen vor der Mitte September angekündigten Mehrheitsübernahme von Looser Holding durch AFG Arbonia-Forster-Holding fing der Looser-Kurs an zu klettern und legte um ein Drittel zu. Die Bekanntgabe des Deals vor zwei Wochen brachte dann einen weiteren schnellen Schub intraday – an nur einem Tag – um weitere 25 Prozent.

Immerhin ist AFG bereit, 53 Prozent der Looser-Aktien von den Familienaktionären und dem Management zu kaufen. Bei der genannten Prämie des Angebots auf den Schlusskurs vom 14. September von 79 Franken von 38,8 Prozent errechnet sich daraus immerhin ein theoretischer Looser-Kurs von 109,65 Franken.  

Europäischer Player

Unter dem neuen Namen Arbonia AG wollen beide fusionierten Firmen ein führender europäischer Gebäudezulieferer werden.

Immerhin sind Looser und AFG schon jetzt im Bauzulieferbereich, insbesondere im Türengeschäft, aktiv und zählen sich nach dem Zusammenschluss in Zentraleuropa zu den Markführern in den Bereichen Fenster und Türen sowie wasserbasierte Wärmeübertragung. 

Mehr Gewinn und Synergien

Durch den Deal entsteht aus dem Stand ein neuer Milliarden-Konzern mit einem geplanten Jahresumsatz in 2018 von rund 1,4 Milliarden Franken. Mittelfristig ist mit weiteren Steigerungen zu rechnen. Die neue grössere Arbonia AG hat nämlich gute Chancen auf zusätzliches Ertragspotential durch einen gemeinsamen Marktzugang in Deutschland und der Schweiz sowie das Auftreten als Komplettanbieter im Türengeschäft. 

Auch die Gewinnseite verspricht Besserung. Durch Synergien etwa in Form von Kostensenkungen oder im Einkauf soll sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ab 2018 jährlich um rund zehn Millionen Franken verbessern und das EBITDA soll so in zwei Jahren bei mindestens 150 Millionen Franken liegen. Ab 2020 werden dann weitere EBITDA-Steigerungen von zusätzlich nochmals mindestens 5 Millionen Franken im Jahr erwartet. Im vergangenen Jahr lag diese Ergebnisgrösse der beiden Firmen zusammengenommen nur bei 91 Millionen Franken. 

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Die Bewertungsperspektiven der neuen Arbonia AG 

Anleger fragen sich nun: Kann ich an dem Deal verdienen? Für die Looser-Übernahme will AFG auf einer ausserordentlichen Generalversammlung am 1. November die Zustimmung der Aktionäre für die Schaffung von genehmigten Kapital im Umfang von 20,9 Millionen Aktien. Das heisst: Zeitnah dürfte sich die Zahl der AFG-Aktien – und damit auch der künftigen Arbiona AG – von derzeit rund 45 auf 65 Millionen Stück erhöhen. 

Da lohnt es nachzurechnen: Bei einem angestrebten EBITDA von zumindest 150 Millionen Franken in 2018 könnte das operative Ergebnis bei Arbonia AG vor Zinsen und Steuern bei etwa 80 bis 100  Millionen Franken liegen. Abzüglich eines negativen Finanzergebnisses von geschätzt etwa 25 Millionen Franken wäre ein Gewinn vor Steuern von rund 55 bis 75 Millionen Franken vorstellbar. Eine Steuerquote von 20 Prozent unterstellt, könnte der Gewinn in 2018 dann bei etwa 45 bis 60 Millionen Franken landen. Je Aktie wären das geschätzt etwa 0,70 bis knapp um 1,0 Franken.

Mögliche Steigerung um zehn Prozent

Beim aktuellen AFG-Kurs von rund 15 Franken scheinen KGVs in zwei Jahren in einer möglichen Bandbreite zwischen etwa 15 und 20 nicht hoch, aber auch nicht rekordverdächtig tief. In den Jahren danach allerdings ist dann aber wegen der erwarteten Synergien auf der Kosten- und Ertragsseite mit günstigeren KGV-Werten zu rechnen. Looser-Anleger setzen auf steigende Kurse bis zum Squeeze-out. Während AFG eher mit einem Anlagehorizont ab etwa zwei Jahren ein Kauf sein könnte, bietet die Looser-Aktie schon auf kürzere Sicht Phantasie.

Denn nach Abschluss des Deals – das ist für den 14. Dezember vorgesehen – sollen die Looser-Aktien von der Börse genommen und ein Squeeze-out eingeleitet werden. Da die Aktie im Moment noch unter dem Mitte September genannten theoretischen Angebotspreis von 109,65 Franken notiert, könnte der Kurs des Bauzulieferers in den nächsten Monaten weiter steigen.

Rekordverdächtig hohe Kursgewinne sind zwar auch da nicht zu erwarten, aber auf kurze Sicht scheinen Steigerungen um etwa zehn Prozent möglich.