«Sell in May and go away – but remember, to come back in September» – so lautet eine alte Börsenweisheit. Sie besagt: Anleger sollen im Mai ihre Aktien verkaufen und in die Sommerpause gehen, aber nicht vergessen, im September wieder einzusteigen. Hintergrund dieser Empfehlung ist die Annahme, dass Aktien in den Sommermonaten schlechter laufen, etwa, weil sehr viele Marktteilnehmer in den Ferien sind.

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Mitte April hatte stocksDIGITAL bereits dargelegt, dass der Ausstieg im Mai nicht unbedingt sinnvoll ist. In 17 der 26 Jahre seit 1988, seit dem Bestehen des SMI, gab es im Mai Kurssteigerungen. Und auch in diesem Jahr war es so: Der SMI kletterte im Mai um 2,3 Prozent. Entsprechend hat sich die Bilanz seit 1988 auf 18:27 verbessert. Zwei Drittel aller Maimonate brachten in diesem Zeitraum Kursgewinn. Das ist besonders vor dem Hintergrund erstaunlich, dass im Mai viele Firmen Dividenden auszahlen. Da der SMI ein Kursindex ist, in dem die Ausschüttungen nicht berücksichtigt werden, sind die Gewinne dadurch sogar noch höher.

Oktober – statistisch klar ein Gewinnermonat

Nun aber zurück zum Rat: «… but remember, to come back in September». Oktober ist ein berüchtigter Crashmonat. Es gab den Oktober-Crash 1929, der die Weltwirtschaftskrise einleitete und den Oktober-Crash 1987, bei dem der Dow Jones an einem Tag um 500 Punkte – entsprechend rund 23 Prozent – nach unten knallte. Auch der Oktober der Jahre 1989 und 1997 ist vielen Börsianern im Gedächtnis.

Soll man also jetzt oder im Oktober trotz dieser Horrorerinnerungen einsteigen? Wie sieht die Statistik aus? Auch hier, wie beim Mai, lautet die Antwort glasklar: Dabeisein ist alles. Denn auch der Oktober verläuft an der Börse historisch betrachtet in der überwiegenden Zahl der Jahre positiv. In den letzten 20 Jahren verzeichnete der SMI im Oktober in 15 Jahren Gewinn. Das waren 75 Prozent. Im Dow Jones gab es seit 1993 in 13 Jahren ein Plus – entsprechend einem Anteil von 65 Prozent.

«The trend is your friend» – setzen Sie auf den Trend

Generell scheint etwas dran zu sein an der Aussage: «but remember, to come back in September». Denn beispielsweise in den letzten zehn Jahren brachte der Einstieg in den SMI im Oktober in sieben Jahren Kursgewinne – und das trotz der Horrorjahre 2008 und 2011. Das ist eine Trefferquote von 70 Prozent.

Aber eigentlich ist es von der Logik her auch grundsätzlich nicht sehr sinnvoll, sich als Börsianer in einem Monat von Aktien komplett zu trennen. Abgesehen von der alten Weisheit «hin und her macht Taschen leer», wonach Traden nichts als hohe Gebühren verursacht, spricht von den Grundüberlegungen her noch etwas anderes für ein Dauerinvestment: Und zwar das Sprichtwort «the trend is your friend». Denn der Trend an den Börsen geht langfristig nach oben. Und zwar wegen des Wachstums der Volkswirtschaft. Langfristig betrachtet, sorgen neue Technologien, technischer Fortschritt, Produktverbesserungen oder Effizienzprogramme für einen Trend, der nach oben zeigt. Gleiche Bewertung vorausgesetzt, müssen die Kurse steigen.

Die zuverlässigsten Titel für das Schlussquartal

Vor diesem Hintergrund ist die Angst vor dem Oktober-Crash wenig sinnvoll, vielmehr ist eher der Einstieg am Aktienmarkt ratsam. Neben dem SMI als Spiegelbild der Schweizer Standardwerte mit seiner positiven Oktoberbilanz sind auch Einzelwerte interessant. Konkret entwickelten sich folgende Titel in den letzten zehn Jahren zwischen Oktober und Jahresende besonders häufig positiv:     

ABB, Adecco, Richemont und Zurich: Jeweils zu 70 Prozent eine positive Bilanz in den letzten drei Monaten der Jahre seit 2004. Adecco schaffte in den letzten fünf Jahren sogar eine hundertprozentige Plusquote.

Swiss Re und Syngenta: Die beiden SMI-Mitglieder brachten es in den letzten zehn Jahren sogar auf eine Gewinnquote von 80 Prozent im Schlussquartal. Swiss Re schaffte in den letzten fünf Jahren ebenfalls in jedem Jahr in den letzten drei Monaten ein Kursplus: 100 Prozent Erfolgsquote.