Sonderlich entspannt wirkte Thomas Jordan nicht, als er am 15. Januar vor die Medien trat. Mehr als eine Dreiviertelstunde lang erläuterte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) das überraschende Ende des Euro-Mindestkurses sowie die Ausweitung der Negativzinsen. Am kommenden Donnerstag, 19. März, besteht erneut die Möglichkeit, sich einen Eindruck vom Gemütszustand des obersten Währungshüters der Schweiz zu machen. Dann gibt die SNB ihre erste geldpolitische Lagebeurteilung des Jahres ab. Um 10:00 Uhr beginnt die sich daran anschliessende Medienkonferenz, welche die SNB im Internet live überträgt.

Es ist praktisch ausgeschlossen, dass es zu einem ähnlichen Paukenschlag kommen wird wie vor zwei Monaten. Mit der Entkoppelung des Frankens vom Euro löste die Nationalbank ja nicht nur am Schweizer Aktienmarkt zwischenzeitlich den freien Fall aus. Auch der Franken erlebte eine Aufwertungswelle kaum bekannten Ausmasses. Mittlerweile haben sich diese Wogen aber geglättet. Der SMI notiert bei deutlich mehr als 9000 Punkten und hat die im Januar erlittenen Verluste fast vollständig aufgeholt. Zwar fehlt dem Devisengespann EUR/CHF noch ein gutes Stück zur Marke von 1.20 Franken – dem früheren Mindestkurs, gleichwohl machte auch die Einheitswährung in den vergangenen Wochen Boden gut. Mit 1.065 Franken notiert der Euro um mehr als 6 Prozent über dem Schlusskurs vom 15. Januar.

Der Euro könnte weiter steigen

War es das also? So lautet vor der geldpolitischen Lagebeurteilung die zentrale Frage. Zuletzt kamen Gerüchte auf, wonach die SNB über eine erneute Anhebung des Negativzinses nachdenkt. Demnach könnte sie den Satz auf minus 1,50 Prozent verdoppeln. Ursina Kubli, Währungsstrategin bei J. Safra Sarasin, schenkt den Mutmassungen keinen Glauben: «Wir erwarten nicht, dass die SNB in der kommenden Woche weitere Massnahmen ergreifen wird.» Sie verweist auf die jüngste Erholung des Euros gegenüber dem Franken. Nach Ansicht von Kubli dürfte die SNB ihre Politik auch in Zukunft stark vom Wechselkurs abhängig machen. «Nur, wenn sich der Franken wieder aufwertet, werden weitere Massnahmen in Erwägung gezogen», erklärt die Expertin. Momentan geht sie davon aus, dass der Euro seine Aufholjagd fortsetzen wird. J. Safra Sarasin taxiert das Kursziel für das Währungsgespann EUR/CHF per Ende Jahr auf 1.10 Franken.

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Die fundamental hohe Bewertung der heimischen Valuta dürfte auch die SNB in den Mittelpunkt ihrer Lagebeurteilung stellen. Interessant sein wird zudem, ob sich Thomas Jordan zu den jüngsten Beschlüssen der Europäischen Zentralbank äussern wird. Bekanntlich hat die EZB vor wenigen Tagen ein Anleihenkaufprogramm gestartet. Monat für Monat wird sie dabei 60 Milliarden Euro in den Markt pumpen. Ursina Kubli bringt das Risiko dieser Liquiditätsflut für die SNB-Politik auf den Punkt: «Zweifel an der Wirksamkeit dürften die Nachfrage nach Franken erneut stärken.» Noch scheinen die Märkte jedoch vom Erfolg überzeugt zu sein. Zumal die EZB gerade ihre Konjunkturprognose nach oben angepasst hat.

Heisse Euro-Wetten für risikofreudige Anleger

Wie dem auch sei: Wer damit rechnet, dass es Thomas Jordan gelingen wird, den Euro am 19. März stärker respektive den Franken schwächer zu reden, kann sich mit strukturierten Produkten kurzfristig positionieren. Beispielsweise nimmt der Long Mini-Future (ISIN CH0267738802) mit einem Hebel von aktuell knapp zwölf an einer Aufwärtsbewegung von EUR/CHF teil. Mit 0.9931 Franken liegt der Stop-Loss um 6,8 Prozent unter dem aktuellen Devisenkurs. Achtung: Sollte der Euro einen weiteren Schwächeanfall erleiden, drohen überproportionale Verluste. Sobald der Basiswert auf oder unter die genannte Stopp-Marke abtaucht, verfällt das Open-End-Papier vorzeitig. Die Bank Vontobel würde den Produktinhabern in diesem Fall nur noch einen kleinen Restwert ausbezahlen.

Noch deutlich heissere Devisenwetten hat der deutsche Zertifikatemarkt zu bieten. Unter anderem handelt die Commerzbank an den Derivate-Börsenplätzen in Stuttgart und Frankfurt mit Inline-Optionsscheinen auf das Duo EUR/CHF. Diese sind auf eine stabile Entwicklung ausgerichtet. Solange sich die Einheitswährung innerhalb eines vorab fixierten Korridors bewegt, zahlt die Emittentin am Laufzeitende den Höchstbetrag von zehn Euro aus. Kommt es hingegen zu einer Schwellenverletzung, gehen Anleger leer aus. Bei 1.105 Franken liegt die obere Barriere eines neuen Inline-Optionsscheins (ISIN DE000CR97TQ7). Nach unten ist der Bewegungsspielraum des Euros auf die Marke von 1.03 Franken abgesteckt. Aktuell steht der Briefkurs des Derivats bei 7,83 Euro. Insofern ist per Ende April eine Rendite von mehr als einem Viertel möglich, solange der Basiswert keine der beiden Schwellen touchiert. Wie gesagt: Dieser Chance steht das Risiko eines Totalverlusts gegenüber.

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Spekulation auf einen starken Dollar

Eine interessante Trading-Konstellation bietet sich im Vorfeld der SNB-Sitzung beim Devisenpaar USD/CHF. Erstmals seit dem 15. Januar ist der Dollar in Relation zum Franken über die Paritätsgrenze geklettert. Diese Marke hat nicht nur aus psychologischer Sicht eine hohe Bedeutung. Gleichzeitig verläuft im Bereich von einem Franken ein markanter charttechnischer Widerstand. Vor dem SNB-Paukenschlag war der Greenback bereits drauf und dran, diese Hürde erstmals seit Ende 2010 nachhaltig zu überschreiten. Gelingt der nächste Anlauf, könnte sich die Aufwärtsdynamik der US-Währung weiter verstärken. Das fundamentale Bild spricht ohnehin für den Dollar. Nachdem die US-Regierung gerade einen starken Arbeitsmarktbericht vorgelegt hat, ist die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung weiter gestiegen.

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So mancher Trader griff in den vergangenen Tagen offenbar bereits zu einem Call-Warrant (ISIN CH0238741505) der ZKB. Das Papier zählte an der SIX zu den umsatzstärksten, der auf dem Währungs-Duo USD/CHF basierenden Hebelpapiere. Da der Strike bei 0.96 Franken liegt, notiert das in zwölf Monaten fällige Derivat bereits ein Stück weit im Geld. Das Papier hat einen Hebel von rund 16. Auch hier müssen Anleger mit hohen Verlusten rechnen, falls das Kalkül eines steigenden Dollarkurses nicht aufgeht.