VW übernimmt MAN, VW (ISIN: DE0007664039) übernimmt Scania. Nachdem Volkswagen nun mit knapp 90 Prozent auch noch die absolute Mehrheit am schwedischen Lastwagenhersteller übernommen hat, macht das DAX-Mitglied auf dem Weg zum dominanten LKW - und Nutzfahrzeughersteller einen weiteren wichtigen Schritt. Nun können nämlich endlich ohne die bisher lästigen Minderheitsaktionäre bei Scania die vollen Synergien im Kampf gegen den globalen Platzhirschen Daimler erschlossen werden.

Bisher lag Daimler, weltweit mit einem Marktanteil im LKW-Segment von rund 10 Prozent, deutlich vor MAN mit etwa 4 Prozent. Zusammen mit Scania schliesst die VW-Lastwagen-Allianz nun mit 6 Prozent deutlich an den Truck-Hersteller aus Stuttgart auf. Obendrein stärkt die Übernahme auch generell die Nutzfahrzeugsparte von VW, in der beispielsweise auch leichte Transporter im Konzern aus Niedersachsen produziert werden.

VW – Umsatzverdopplung innert fünf Jahren

Dabei meldet der Autospezialist aus Wolfsburg bei Nutzfahrzeugen aktuell für die ersten vier Monate im 2014 ohnehin einen Anstieg der Auslieferungen in Europa um 7,2 Prozent auf 104'900 Fahrzeuge.

Obendrein ist VW auch viel mehr als LKW und Transporter – gewöhnlich verbinden Konsumenten mit dem Haus eher Automarken: VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche, Bentley, Lamborghini – all diese Fahrzeugtypen zählen zum VW-Konzern. Mit seiner Übernahmestrategie und den Erfolgen, insbesondere der Premiummarken in den letzten Jahren, steigerte der Konzern seinen Umsatz seit 2009 um 87,3 Prozent auf 197,0 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Und 2014 gibt es weitere Zuwächse. Schon im ersten Quartal kletterten die VW-Umsätze um 2,7 Prozent.

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VW – ein starker Value-Wert

Trotz der zahlreichen starken Marken und der erfolgreichen Umsetzung der Expansionsstrategie ist VW günstig bewertet. Die Aktie bekommen Anleger zum 8er-KGV, und das bei einem Kurs/Buchwert-Verhältnis um 1,0. Kein Wunder, dass das Researchhaus Obermatt aus Zürich die Aktie nach Value-Kriterien in einem aktuellen Ranking mit der maximalen Punktezahl von 100 ganz an die Spitze der EuroStoxx-50-Titel stellt.

Erst mit 93 Punkten folgt Munich Re (ISIN: DE0008430026). Dabei notiert die Aktie des Rückversicherers ebenfalls nur im Bereich des Eigenkapitals und bei einstelligem KGV, bringt es aber mit rund 5 Prozent auf eine doppelt so hohe Dividendenrendite wie VW.

Munich Re – bei Sicherheit ganz vorn im Euro Stoxx

Geht es allerdings um das kombinierte Ranking der 50 grössten Unternehmen im Euroraum, dann hat Munich Re doch die Nase vorn. Denn unter Sicherheitsaspekten – also hinsichtlich Verschuldung und Liquidität – belegt der Versicherungskonzern aus München im Obermatt-Ranking sogar Platz eins unter den 50 Euro-Standardwerten. 

Charttechnisch aber, weisen beide Titel Ähnlichkeiten auf, notieren sie doch jeweils an der unteren Begrenzungslinie ihres Aufwärtstrends. Während sich die Aufwärtsbewegung bei Munich Re hier jedoch auf einen kürzeren Zeitraum bezieht, ist der Aufwärtstrend bei den VW-Vorzügen schon lehrbuchmässig. Der Trend zeigt nun schon seit fünf Jahren ungebrochen steil nach oben. Von der unteren Begrenzungslinie des Trends konnte die Aktie des DAX-Mitglieds in den letzten Jahren schon mehrfach nach oben drehen und dabei um schnelle 10 bis 20 Prozent zulegen.

Scania – da bestehen weitere Kurschancen

Auch mit Scania (ISIN: SE0000308272) können Anleger möglicherweise noch Geld verdienen. Zwar ist die Aktie des LKW-Bauers seit Februar wegen der Übernahme durch VW bereits um rund 50 Prozent gestiegen, doch VW benötigt wohl noch ein paar wenige weitere Aktien um sein Ziel – 90 Prozent Stimmenanteil – erreichen zu können. Danach dürfte Scania von der Börse verschwinden. Anleger können hier möglicherweise mit einem Abfindungsangebot über dem aktuellen Kurs rechnen und selbst auf dem inzwischen doch schon recht hohen Niveau mit 22er-KGV noch Gewinne einfahren.

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