«Bei Kanonendonner kaufen, bei Harfenklängen verkaufen.» Diese alte Börsenweisheit war für die Redaktion von stocksDIGITAL Mitte September der Grund, die Aktie von VW zu empfehlen. Wenige Tage zuvor war der Autobauer aus Wolfsburg bei Hannover wegen aufgedeckter Abgasmanipulationen bei seinen Dieselfahrzeugen in den USA massiv unter Druck geraten und hatte in rund zehn Tagen 40 Prozent an Wert verloren.

Damals war alles rund um den DAX-Konzern Horror, und manche Pessimisten sahen Schadenersatzklagen, auch von 100 Milliarden Dollar, aus den USA, auf die Niedersachsen zurollen, und damit verbunden konnten sie sich sogar die Pleite des Unternehmens vorstellen.

VW – Aufatmen nach möglicher Abgaseinigung …

Nun ist vor wenigen Tagen das grosse Aufatmen gekommen – zumindest vorerst. Das VW-Management hat sich offensichtlich mit den US-Behörden auf Eckpunkte zur Beilegung der Abgasprobleme geeinigt. Dazu zählt vor allem eine Wiedergutmachungssumme für jeden Besitzer von manipulierten Dieselfahrzeugen in den USA von 5000 Dollar, die möglicherweise ausbezahlt wird. Bei geschätzt etwa 600'000 betroffenen Fahrzeugen wären das in der Summe etwa 3,0 Milliarden Dollar.

Zwar ist das viel Geld, doch weit weniger, als in den schlimmsten Alpträumen mancher VW-Aktionäre befürchtet worden ist. Und mögliche Wiedergutmachungsbeträge für VW-Diesel-Fahrer in anderen Teilen der Welt – insbesondere etwa in Deutschland – sind von solchen horrenden Summen ohnehin weit entfernt. Dort gelten in der Regel generell völlig andere, viel geringere, Schadenersatzansprüche. Derzeit kursieren insgesamt aber dennoch Schätzungen über Abgas-Folge-Zahlungen von VW im Bereich von 20 Milliarden Euro.

… und 30 Prozent Kursgewinn

Und das ist genau der Punkt und erneut eine Bestätigung für erfahrene Börsianer. Denn Unsicherheit wird am Aktienmarkt mit fallenden Kursen bestraft, liegen dann die Daten aber mehr oder weniger greifbar auf dem Tisch, ziehen die Kurse oft bei der wieder zurückerlangten Sicherheit deutlich an.

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Kein Wunder also, dass die VW-Aktie seit den ersten Anzeichen für die Einigung in den USA Anfang der Woche in wenigen Tagen schon 15 Prozent gewinnen konnte. Wer im September nach der Empfehlung in stocksDIGITAL eingestiegen ist, verbucht damit bereits ein Plus von bis zu rund 30 Prozent.

Mitsubishi Motors – die nächste VW

VW könnte damit vorerst als Spekulationsobjekt nach dem Motto «bei Kanonendonner kaufen, bei Harfenklängen verkaufen» gelaufen sein. Auf der Suche nach einem neuen Skandal werden Börsianer aber sofort bei Mitsubishi Motors fündig. Denn vor wenigen Tagen hat der japanische Autobauer ebenfalls von Manipulationen gesprochen. Dort ging es um stark aufgepumpte Autoreifen, die den Testern geringe Verbrauchswerte beim Kraftstoff vorgaukeln.

Wie gross die Kreise tatsächlich werden, die dieser Skandal noch ziehen wird, ist jetzt noch völlig unklar. Aber kaum war der Betrug bekannt, rauschte die Aktie des Konzerns aus Tokio in den Keller. Das Minus an zwei Handelstagen: 35 Prozent. Nach dem Motto «bei Kanonendonner kaufen» steigen risikofreudige Anleger jetzt also bei Mitsubishi ein.

Günstige Bewertung auf Basis 2015

Auf den ersten Blick ist die Homepage des Autobauers abschreckend – ausser natürlich für Börsianer, die japanische Schriftzeichen entschlüsseln können. Immerhin findet sich dort jedoch auch ein kleiner Hinweis «IR», und hier werden Anleger dann fündig. Und zumindest auf der Basis von 2015 sieht es bei Mitsubishi nicht schlecht aus. Nach dem Kursrutsch bekommen Anleger die Aktie derzeit mit einem Discount zum Buchwert von 20 Prozent, und das KGV auf der Basis von 2015 liegt im 5er-Bereich.

Wie es dort jetzt aber nach dem Auffliegen der Manipulation weitergehen wird, ist noch schwierig zu sagen – die Unsicherheit ist hoch. Doch wie im Fall VW könnte es nach einem Kurssturz um mehr als ein Drittel auch genug sein. Kommen in den nächsten Monaten Beruhigungspillen, könnte es auch sein, dass die Aktie ganz schnell – ähnlich wie VW – wieder zweistellig zulegen wird.