Welchen Unterschied ein Quartal ausmachen kann: Während die Anleger zu Beginn des ersten Quartals 2014 in Hochstimmung zu sein schienen, hat sich der Wind zu Beginn des zweiten Quartals deutlich gedreht. Was ist geschehen? Im gesamten ersten Quartal 2014 erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung, obwohl diese Entwicklung wegen des harten Winters in den USA und wegen der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten eher nicht klar ersichtlich war.

Grosse Sorgen bereiteten jedoch die Krise in der Ukraine (und die anschliessende Krise auf der Halbinsel Krim) sowie die Veränderung der geldpolitischen Haltung in China. Während die Auswirkungen des Krisenherds in Zentraleuropa anscheinend abflauen, wird die veränderte chinesische Politik im Jahresverlauf weiterhin ein wichtiges Thema für die Anleger bleiben.

Abkühlung in China

Angesichts der Schwierigkeiten andernorts war der chinesische Renminbi während der Währungskrise der Schwellenländer bis Februar 2014 der ruhende Pol. Die Investoren bauten in der Folge grosse Positionen in der chinesischen Währung auf – zu einem guten Teil auch auf Kredit. Um diesen Auswüchsen entgegenzutreten, wandten sich die chinesischen Währungshüter vom Kurs der reinen Stabilität ab. Spekulative Carry-Trade-Positionen in chinesischen Renminbi sind daher um einiges riskanter geworden.

Anzeige

Gleichzeitig erschütterte der allererste Zahlungsausfall einer inländischen chinesischen Unternehmensanleihe das Vertrauen der Anleger. Wir bewerten dies als eine weitere Korrektur im langfristigen Prozess der Entwicklung des Renminbi zu einer globalen Reservewährung. Der Preis dafür ist ein gedämpfteres Wachstum, das jedoch immer noch bei rund 7 Prozent liegt.

Zentralbanken sind etwas weniger grosszügig

Aufgrund der geopolitischen Risiken, der Sorgen um das chinesische Wachstum und fehlender Inflationsanreize sind die Zentralbanken der Industrieländer hinsichtlich der Bereitstellung von Liquidität zwar weiterhin grosszügig, jedoch etwas weniger als in der Vergangenheit. Dies ist sowohl in den USA (wo die Anleihenkäufe zurückgefahren werden) und in Japan (das vor den Auswirkungen der Mehrwertsteueranhebung im April steht) als auch in Europa der Fall (wo weitere Zinssenkungen fürs Erste vom Tisch sind).

Dies bedeutet, dass riskante Anlagen nunmehr moderat gestützt werden dürften und dass mit ihnen im Vergleich zum letzten Jahr geringere Renditen erzielt werden. Obwohl sich die «sicheren Häfen» wie Gold und Qualitätsanleihen im ersten Quartal positiv entwickelt haben, sind wir der Ansicht, dass ihr Aufwärtspotenzial beschränkt ist. Aktien dürften in der nächsten Zeit die bevorzugte Anlageklasse bleiben. Vor allem im Sektor Gesundheitswesen bieten sich neue attraktive Gelegenheiten.

Thematische Ideen

In einer Welt, in der Wachstumssorgen bestehen bleiben und die Zentralbanken eine immer noch ziemlich lockere Geldpolitik pflegen – ohne jedoch übermässig stimulierend einzugreifen –, konzentrieren sich die Investoren am besten auf Anlagen mit längerfristigen Wachstumschancen. Natürlich kommt man hier um Schwellenländeranlagen schwer herum. Nur sind damit nicht zwingend die Index-Schwergewichte dieser Märkte zu bevorzugen. An dieser Stelle möchte ich auf einige Themen verweisen, die wir in der langen Frist als hervorragende Alternative zum reinen indexorientierten Investieren sehen:

Anzeige

·         Gesundheitswesen – Gelegenheiten bieten sich sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern, entweder über grosse Pharma- beziehungsweise über Biotechnologieunternehmen oder über eine Auswahl börsenkotierter Unternehmen aus Schwellenländern. ƒ

ƒ·         Tourismus in Asien − ein bedeutendes Thema, da die Passagierzahlen bis 2020 jährlich im zweistelligen Bereich steigen sollten. ƒƒ

·         Luxusgüter – angetrieben durch die chinesischen Verbraucher, die in den kommenden zehn Jahren 50 Prozent der Nachfrage ausmachen dürften. ƒƒ

·         Smartphones − die Marktpenetration in den Industrieländern ist hoch und steigt weiter, während sie in den Schwellenländern an Schwung gewinnt. ƒƒ

·         Virtuelles Wasser – die steigende Nachfrage dürfte bis 2030 zu einem Angebotsdefizit von 40 Prozent führen. ƒƒ

Anzeige

·         Energieboom – basierend auf einer Revolution in der Öl- und Gasförderung. In diesem Segment werden anstelle der grossen Konzerne eher kleinere Marktteilnehmer die Hauptprofiteure sein.

Christian Gattiker-Ericsson, CFA, CAIA, ist
Chefstratege und Leiter Research, Bank Julius Bär