Über einen Mangel an Unsicherheitsfaktoren können sich Anleger derzeit nicht beklagen. Die notorischen Wachstumssorgen in China sowie die Dauerdiskussion um den Zeitpunkt und das Ausmass der US-Zinswende sind nur zwei Themen, welche die breite Risikoaversion an den Börsen schüren. Etwas überraschend hatte diese unsichere Gemengelage bis dato keine Auswirkungen auf den Schweizer Franken. Denn er gilt ja seit langem als ein sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Doch anstatt im aktuellen Umfeld zu steigen, gab der Franken nach. Das Minus gegenüber dem Dollar in den letzten drei Monaten liegt bei 4,6 Prozent und gegenüber dem Euro sogar bei 4,8 Prozent.

«Neben der Brückenfinanzierung für Griechenland schwächten die wiederholten Interventionen der SNB im Juni und Juli sowie technische Gründe den Franken», erklärt Ursina Kubli, FX-Strategin bei J. Safra Sarasin, die jüngste Entwicklung. Die letztgenannte Triebfeder hat bereits wieder an Kraft eingebüsst. So ist das Währungspaar EUR/CHF nun an der Marke von 1.10 Franken abgeprallt. Am 11. September hatte der Euro diese psychologische Marke erstmals seit der Aufhebung des Mindestkurses wieder erreicht.

Anleihenkaufprogramm der EZB – Nachfrage nach Franken geht zurück

Gleichwohl bleibt sowohl der Anfang Monat vollzogene Ausbruch über die 200-Tage-Linie als auch ein kurzfristiger Aufwärtstrend intakt. Aus fundamentaler Sicht spielt die Europäische Zentralbank eine wichtige Rolle beim Wechselkurs. Sie könnte nach Ansicht von Kubli die Konjunktur auf dem Gebiet der Währungsunion mit ihrem Anleihenkaufprogramm weiter antreiben. Infolgedessen hält die Strategin eine Schwächung der Franken-Nachfrage für möglich. Alles in allem sieht J. Safra Sarasin das FX-Gespann EUR/CHF per Ende Jahr bei 1.10 Franken. Mit Blick auf das zweite Quartal 2016 hält die Privatbank einen Anstieg des Euros um weitere zwei Basispunkte für möglich.

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Für Anleger, die kurz- oder mittelfristig auf eine weitere Franken-Abwertung setzen möchten, hat der Markt für strukturierte Produkte eine Reihe von interessanten Instrumenten parat. Beispielsweise handelt die ZKB an der SIX einen Long Mini-Future (ISIN CH0261675869) auf das Duo EUR/CHF. Das Derivat partizipiert aktuell mit einem Hebel von 11,2 an steigenden Notierungen des Währungspaares. Gefahr ist in Verzug, sobald der Euro nach unten dreht und sich dem Stop-Loss bei 1.015 Franken annähert. Im Fall einer Schwellenverletzung würde der Open-End-Schein vorzeitig verfallen. Anleger müssten sich dann mit einem kleinen Restwert begnügen.

Inline-Optionsscheine auf den Euro – alles oder nichts

Ein alternatives, aber durchaus denkbares Szenario für den Euro-Franken-Kurs ist die Rückkehr in den im Frühling ausgebildeten Seitwärtstrend. Auf eine derartige Entwicklung sind Inline-Optionsscheine – auch Range-Optionsscheine genannt – ausgelegt. Allerdings müssen Anleger, die zu diesen besonders spekulativen Papieren greifen wollen, auf den deutschen  Zertifikatemarkt ausweichen. Inline-Optionsscheine sind mit zwei Kursschwellen, einer höheren und tieferen, ausgestattet.

Solange der Euro bis zum Verfall innerhalb des abgesteckten Kurs-Korridors bleibt, zahlen die Emittenten den Höchstbetrag aus. Touchiert der Basiswert hingegen eine der beiden Grenzen, gehen Halter dieses Derivats leer aus. Von 1.045 bis 1.12 Franken reicht der Spielraum einer von der Commerzbank lancierten Variante (ISIN DE000CN5B7R6). Bleiben diese Marken bis zum 18. November unversehrt, wirft der Schein in nur zwei Monaten eine Rendite von 62 Prozent ab.

US-Dollar – Anleger setzen auf einen Sprung über den Abwärtstrend

Eine interessante Konstellation zeigt sich auch beim FX-Duo USD/CHF. Der Greenback versucht gerade zum wiederholten Mal, aus einem Anfang Jahr gestarteten Abwärtstrend auszubrechen. Sollte dieses Unterfangen gelingen, könnte sich die Paritätsmarke als nächstes Ziel entpuppen. Bei genau einem Franken je US-Dollar liegt der Strike eines Call-Optionsscheines (ISIN CH0261905647) der UBS. Aktuell nimmt das im März 2016 fällige Derivat mit einem Hebel von mehr als 50 an steigenden Kursen beim Basiswert teil.

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Auch hier gilt: Findet der Franken zu seiner alten Stärke zurück, drohen hohe Verluste. Von zentraler Bedeutung für den Dollarkurs ist die US-Geldpolitik. Nur, wenn die Notenbank ihre Angst vor den globalen Unsicherheitsfaktoren ablegt und die erwartete Zinswende bald einläutet, dürfte der Greenback weiter zulegen. Auf eine Abwertung des Frankens sollten daher nur Anleger setzen, die ein positives Szenario für die Weltkonjunktur auf dem Zettel haben.