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Rüstung
Waffen und Öl: Der Trump-Boom verfestigt sich

Höhere Militärausgaben führen zu attraktiven Valoren bei Rüstungskonzernen. Keystone

Bei seiner ersten Auslandreise wurde Donald Trump seinem Ruf als Freund der Energie- und Waffenindustrie gerecht. Anleger ohne Skrupel können vor allem vom Aufschwung der Rüstungskonzerne profitieren.

Von Anna Friedrich
am 24.05.2017

«Trump means business» titelte die Tageszeitung Arab News anlässlich des Besuchs von US-Präsident Donald Trump. Und damit sollten die Journalisten Recht behalten: Allein in Saudi-Arabien war seine Reise Anlass für den Abschluss von 34 Abkommen in der Rüstungs-, Öl- und Luftfahrtindustrie. Die Verträge haben ein Auftragsvolumen von 350 Milliarden US-Dollar, davon fliessen allein 110 Milliarden in Rüstungsgüter.

Wer keine Skrupel kennt und keine Sorgen hat, Trump könne seinen Job schnell verlieren, kann davon als Investor profitieren: durch gezielte Geldanlage in Waffenkonzerne wie Lockheed Martin, Raytheon und General Dynamics. Das Geschäft mit Waffen hat bereits vor der Ära Trump an Fahrt aufgenommen. Von 2012 bis 2016 wurden so viele Waffen verkauft wie in keiner Fünfjahresperiode seit dem Jahr 1990. Waffen-Exporteur Nummer Eins sind die USA: In den Jahren 2012 bis 2016 stammte laut dem renommierten Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI ein Drittel aller Waffenexporte weltweit aus den USA. Dementsprechend gut geht es den US-Rüstungskonzernen.

Saftige Renditen bei Lockheed Martin

Unter Trump nimmt diese Entwicklung nun noch Fahrt auf. Die Kurse der Rüstungskonzerne erreichten nach Trumps Besuch in Riad Höchststände an der Börse. Schliesslich garantieren die Abkommen mit den Saudis Aufträge über viele Jahre hinweg. Die US-Waffenindustrie ist ein klarer Gewinner der Präsidentschaft Trump.

Exemplarisch für den Höhenflug der US-Rüstungsindustrie steht Lockheed Martin. Der Rüstungskonzern strich im Geschäftsjahr 2016, also noch vor der Ära Trump, bei einem Erlös von 47,2 Milliarden US-Dollareinen Gewinn von 5,3 Milliarden US-Dollar ein – ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von satten 47 Prozent. Nun nimmt das Geschäft dank der Verträge mit den Saudis und anderen Nationen noch einmal an Fahrt auf: Allein die saudische Regierung hat Luft- und Raketenabwehr, Kampfschiffe und Flugzeuge im Wert von 28 Milliarden US-Dollar bei Lockheed Martin geordert. Die Aktionäre dürfte es freuen: Bereits im Geschäftsjahr 2016 erhielten Aktionäre Dividenden in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar ausgeschüttet, die Dividendenrendite des Valors liegt aktuell bei 2,49 Prozent.

Verteidigung und Sicherheit wird Supertrend

Auch Schweizer verdienen an den Rüstungsdeals zwischen den USA und Saudi-Arabien mit: Mit Pilatus Aircraft und Ruag sowie der Mowag als Tochter der US-Riesen General Dynamics sind auch Eidgenossen an der Waffenproduktion beteiligt. Gerade den Geschäften von General Dynamics dürfte Trump neuen Schwung geben. Unter der Regierung Obama war es dem Rüstungskonzern noch untersagt gewesen, bestimmte Waffen an die Saudis zu liefern. Trump machte diesen Stopp rückgängig.

Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer von Credit Suisse, sieht den zunehmenden Fokus auf Verteidigung und Sicherheit als einen Supertrend in der langfristigen Geldanlage. «Während die geopolitischen Unsicherheiten und Spannungen zwischen den einflussreichsten Militärmächten zunehmen, ist eine anhaltende Verschiebung der Machtverhältnisse beobachten», heisst es in einer aktuellen Analyse der Credit Suisse. 

Attraktiv für Anleger ohne Skrupel

Auch Rüstungskonzernen aus Deutschland und Frankreich räumt der Report Wachstumschancen ein. Rund fünf Prozent der Verteidigungsausgaben der NATO entfallen auf die beiden Länder. Deutschland und Frankreich haben im Zuge der sogenannten NATO-Vorgaben zugesagt, ihren Verteidigungsetat zu steigern: Laut NATO-Beschluss sollen die Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2024 zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung bereitstellen.

Präsident Trump forderte bereits im Wahlkampf lautstark höhere Verteidigungsausgaben der Mitgliedsstaaten, da viele im Bündnis von dem selbstgesteckten Ziel bislang weit entfernt sind. In Deutschland liegt der Anteil laut Friedensforschungsinstitut SIPRI derzeit nur bei 1,2 Prozent. Steigende Wehretats dürften den Valoren der Rüstungskonzerne Auftrieb geben: «Höhere Ausgaben lassen die Gewinne der europäischen Rüstungsunternehmen wahrscheinlich steigen», heisst es bei der Credit Suisse.

Trump rüstet unterdessen auch Zuhause auf. In einem ersten Haushaltsentwurf hat der Präsident angekündigt, die eigenen Militärausgaben um zehn Prozent auf 574 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Dadurch wachsen die Chancen für Anleger, auch künftig mit Valoren von Rüstungskonzernen Geld zu verdienen. Wer keine moralischen Skrupel hat, für den könnten Fonds interessant sein, die stark in die US-Rüstungsindustrie investieren – zum Beispiel der S4A US LONG UI oder der U.S. Aerospace & Defense ETF.

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