Die Eurozone steht am Rand der Deflation – im Januar gab es diese Meldung, im Februar lief diese Nachricht über den Ticker, und auch jetzt, im März und im April, hört man die gleiche Aussage besorgter Ökonomen. Deflation bedeutet: Die Preise – und dann oft auch die Löhne – fallen, und das bei gleichzeitig schrumpfender Konjunktur. Für Schuldner ist das Gift. Denn, wenn Geld an Wert gewinnt – nämlich durch fallende Preise – und die Einkommen gleichzeitig nicht mehr steigen, dann nehmen die Schulden wertmässig zu.

Unabhängig davon: Bei schwacher Konjunktur und niedrigen Zinsen sollte eine Währung eigentlich schwach sein. Euroland ist am Rand der Rezession, die Zinsen sind niedrig und werden möglicherweise sogar noch zurückgehen. Nur: Seit einem Jahr steigt der Euro zum Dollar und steigt und steigt. Vor zwei Wochen hatte die europäische Einheitswährung gegenüber dem Greenback mit 1,39 den höchsten Stand seit Oktober 2011 erreicht.

Rezession, niedriger Zins – der Euro müsste fallen

Dazu kommt: Während Europa am Rande von Rezession und Deflation vor sich hingeistert, feiern die USA ein kräftiges Wachstum. 2013 lag dies in den Staaten bei 1,9 Prozent. 2014 wird noch besser werden. In der Eurozone werden es hingegen wohl nur Null-Komma-Prozent sein. Und dann ist da die US-Notenbank. Die seit Januar amtierende Fed-Chefin Janet Yellen drosselt seit vielen Wochen die ultralockere Geldpolitik des Instituts und wird wohl bald die Zinsen anheben. In Euroland hingegen hat Mario Draghi gestern die Zinsen nicht gesenkt, viele Experten fordern das jedoch angesichts der drohenden Deflationsrisiken.

Anzeige

Starke Konjunktur und steigende Zinsen in den USA versus schwache Konjunktur mit wahrscheinlicher oder möglicher weiterer Lockerung der Geldpolitik im Euroraum – der Euro müsste eigentlich im Vergleich zum Dollar fallen.

Charttechnisch kritische Situation beim Euro

Nachdem sich der Euro lange gegen das Fallen gestemmt hat, könnte das jetzt doch bald passieren.

Auslöser könnte eine kommende Zinssenkung oder eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik sein. Viel greifbarer ist derzeit aber die Charttechnik. Zwar konnte der Euro den starken Widerstand um 1,38 gegenüber dem Dollar Mitte März kurzzeitig überspringen, doch von diesem Hoch zieht sich die Devise nun merklich zurück. Die Marke von 1,38 ist bereits wieder unterschritten. Jetzt ist auch die untere Begrenzungslinie des kurzfristigen Aufwärtstrends nicht mehr weit entfernt, ebenso wie die 100- und 200-Tage-Linie. Diese verlaufen wie der Aufwärtstrend etwa zwischen 1,37 und 1,36. Wird die Marke nach unten durchbrochen, liefert das ein Signal zum Verkauf des Euro versus Dollar. Immerhin: Nachdem der Euro gestern ganz kurzfristig gegenüber dem Dollar weiter zulegen konnte, nachdem es nicht zur Zinssenkung der EZB gekommen war, brach die Notierung gegenüber dem Greenback wenig später deutlich ein. Das könnten erste Vorboten einer Schwäche sein.

Aus dem langfristigen Chart seit 2008 könnte abgeleitet werden, dass das Wechselkursverhältnis Euro–Dollar dann sogar aus der Seitwärtsrange wieder in einen Abwärtstrendkanal einlaufen könnte. Die obere Begrenzung des langfristigen Abwärtstrends verläuft ebenfalls bei etwa 1,36. Fällt die Hürde, scheinen schon bald wieder Kurse um 1,30 oder tiefer möglich zu sein.

Mit Puts vom fallenden Euro profitieren

Während damit das Wechselkursverhältnis Euro-Dollar hochspannend ist – mit wahrscheinlichem Kursrückschlag des Euro – läuft das Verhältnis Franken–Euro wegen des Mindestkurses der Schweizerischen Notenbank von 1,20 in gemächlichen Bahnen. Solange dieses Paradigma der Schweizer Währungshüter gilt, dürfte sich an diesem Verlauf auch so schnell nichts ändern.

Wer auf den Verfall des Euro setzen will, greift deshalb zum Put auf die Parität von Euro–Dollar. Das Zertifikat (ISIN: CH0200973656, Laufzeit endlos, Basispreis und Knock-out jeweils bei 1,4094) bietet die Chance auf Vervielfachung, falls der Euro auf 1,30 oder tiefer fällt. Dreht die Einheitswährung jedoch unerwartet nach oben, steigen Anleger bei einem Kurs über dem Jahreshoch von 1,393 aus.

Anzeige