Die Hoffnung stirbt zuletzt. Beim Blick auf die jahrelange Talfahrt der europäischen Bankenindustrie drängt sich dieser Gedanke immer wieder auf. Der Stoxx Banken Index mit 75 Finanzhäusern aus Europa notiert um 75 Prozent unter den Hochs aus 2007 und hat alleine in den letzten zwölf Monaten 40 Prozent an Wert verloren.

Und Anfang Woche hat es einen weiteren Kursrutsch von zwischenzeitlich bis zu rund 7 Prozent gegeben. Auslöser für die aktuelle Banken-Schwäche waren die Daten, die am Wochenende von der europäischen Bankenaufsicht EBA veröffentlicht worden sind. Die Behörde hat in den Wochen und Monaten zuvor im Rahmen eines neuen Stresstests 51 Geldhäuser aus 15 Ländern in Europa erneut unter die Lupe genommen. Die Institute stehen für rund 70 Prozent der Bilanzsumme im europäischen Bankensektor.

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Italien: Faule Kredite, aber Mindestanforderungen geschafft

Beim jüngsten Test, bei dem geprüft wurde, wie sich verschiedene Szenarien der konjunkturellen Entwicklung oder Änderungen des Zinsniveaus und der Immobilienpreise auf die Kapitalausstattung der Banken auswirken, mussten die Finanzhäuser keine Hürden nehmen und es ist zu keinen Sanktionen gekommen. Zu welchen Ergebnissen es kommen würde, hatte man ohnehin schon ahnen können. Als Klassenschwächste sitzen die Banken Italiens auf faulen Krediten – auf sogenannten «non performing loans» (NPLs) in der Höhe von 360 Milliarden Euro.

Und obwohl vier von fünf geprüften Instituten aus Bella Italia die Mindestanforderungen der EBA erfüllen konnten, hat es am Montag vor allem bei den Geldhäusern des südlichen Nachbarn kräftige Kursverluste gegeben. Am Montag zeigte etwa die Aktie von Unicredit ein Kursminus von knapp 10 Prozent, und sechs der zehn schwächsten Bankaktien im Branchenindex kommen aus Italien. Am Dienstag rutschten gleich vier Geldhäuser dieses Landes zwischen 10 und 16 Prozent nach unten.

Grösster Verlierer: Banca Monte dei Paschi

Top-Verlierer war die krisengeschüttelte Banca Monte dei Paschi. Bei einem Börsenwert von nur noch rund 800 Millionen Euro hat die Bank faule Kredite in der Höhe von 45 Milliarden Euro in den Büchern, und so wundert es nicht, dass der Kurs der Aktie in den letzten drei Monaten gedrittelt wurde.

Bei dieser Bank ist die Sanierungsmöglichkeit eben ungewiss, und Anleger nehmen den Titel deswegen aus ihren Depots. Zudem war das Ergebnis des Bankentests mehr als schlecht. Banca Monte dei Paschi war aber die einzige Bank in dieser Untersuchung, bei der es im negativen Szenario zu einem Abrutschen der Kernkapitalquote des Instituts in den negativen Bereich kommen würde.

Bankaktien: So billig wie seit Langem nicht

Während Anleger insgesamt von den Ergebnissen des Stresstests enttäuscht waren, sieht die Europäische Zentralbank in dieser Branche doch eine Verbesserung der Widerstandsfähigkeit. Wie viel der Stresstest tatsächlich wert ist, werden mögliche künftige Krisen zeigen. Dennoch könnte es sein, dass der Kurseinbruch des Sektors inzwischen übertrieben ist. Die 75 Mitglieder im Stoxx-Banken-Index sind jetzt so günstig wie zuletzt 2012 und 2011. Und auf ganz lange Sicht ist es mit den Titeln nur während der Finanzmarktkrise im 2009 noch etwas weiter nach unten gegangen. Nach dem Kursrutsch in diesem Jahr um 30 Prozent sehen risikofreudige Anleger eine gute Gelegenheit zum Einstieg.

Die Bewertung vieler Bankaktien ist trotz oft flauer Geschäfte selten tief, die Dividendenrendite bei Einzelwerten so hoch wie in den guten alten Zeiten vor der Finanzmarktkrise, und es besteht zudem charttechnische Phantasie. Risikofreudige Anleger richten ihre Blicke dabei ganz besonders auf Italiens Banken.

Intesa Sanpaolo – zu Unrecht in Sippenhaft genommen

Wer auf hohe Dividenden setzen will und nicht völlig risikoavers ist, nimmt die Aktie von Intesa Sanpaolo näher unter die Lupe. Bei dieser Bank aus Turin hat es schon für 2015 eine Dividende von 0,14 Euro je Aktie gegeben – Rendite 7,7 Prozent –, und für 2016 könnte die Zahlung sogar in den Bereich von 10 Prozent steigen. Immerhin verdient Intesa Sanpaolo Geld. Im ersten Halbjahr ist der Gewinn zwar um 15 Prozent gefallen, doch im zweiten Quartal lag der Rückgang nur bei 4 Prozent, und im Vergleich zu anderen grossen Instituten des Euroraums stehen die Turiner spitzenmässig da.

Die deutsche Commerzbank etwa verbuchte im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang um 40 Prozent und Deutsche Bank sogar von 80 Prozent. Und zur italienischen Konkurrenz zeigt sich bei den faulen Krediten ein meilenweiter Abstand. Während bei Intesa Sanpaolo faule Kredite nur einen Anteil von 4 Prozent am Kreditvolumen haben, liegt der Durchschnitt der Banken Italiens mit etwa 20 Prozent Anteil an NPLs fünfmal so hoch. Da ist es möglich, dass die Aktie des EuroStoxx-50-Mitglieds bei einem Kursrückgang um 50 Prozent in den letzten zwölf Monaten zu Unrecht in Sippenhaft genommen wurde.

Charttechnisch betrachtet notiert der Titel im Bereich der oberen Begrenzungslinie seines Abwärtstrends. Möglicherweise klappt schon bald der Sprung über diese Hürde. Spätestens im Vorfeld der Generalversammlung 2017 – diese ist für April zu erwarten – kann es sein, dass die Aktie angesichts der hohen Dividende wie schon in diesem Jahr vor dem Aktionärstreffen wieder deutlich nach oben klettern wird.

Unicredit – immer gute Chancen auf eine Erholungsrally

Hohe Dividenden bekommen auch die Aktionäre von Unicredit. Die Rendite für 2015 lag bei rund 7 Prozent, im aktuellen Jahr ist der Wert dieses Titels schon fast gedrittelt worden. Aber das Geldhaus aus Milano zeigt auch Schwächen. So ist die Kernkapitalquote im letzten Quartal um weitere 0,5 Prozentpunkte auf rund 10 Prozent gesunken, und der Bestand an NPLs ist mit etwa 50 Milliarden Euro fast doppelt so gross wie bei Intesa Sanpaolo mit rund 30 Milliarden Euro.

Inzwischen notiert Unicredit aber um rund 80 Prozent unter dem Buchwert. Spekulativ gesehen sind da aber immer wieder Erholungsrallys drin. Erst vor vier Wochen beispielsweise drehte die Notierung vom Rekordtief der letzten 20 Jahre bei 1,75 Euro nach oben ab und brachte in nur drei Wochen schnelle Gewinne von bis zu 30 Prozent.

Banca Monte dei Paschi: Auf eine erfolgreiche Restrukturierung setzen

Beim krisengeschüttelten Geldhaus aus Siena – gegründet 1472 und damit die älteste Bank der Welt – ist an Dividende nicht zu denken. Gab es 2010 noch einen Gewinn von rund 1,0 Milliarden Euro, so rauschte die Bank zwischen 2011 und 2014 Jahr für Jahr mit mittleren einstelligen Milliardenverlusten tief in die roten Zahlen. Immerhin: 2015 stand ein Gewinn von 388 Millionen Euro zu Buche. Und auch das erste Quartal 2016 brachte ein Ergebnis von 0,03 Euro je Aktie. Bei einem Eigenkapital der Gruppe von 9,5 Milliarden Euro weist ein KBV von weniger als 0,1 aber auf deutliche Probleme hin. Angesichts des enormen Discounts gegenüber dem Buchwert nehmen Börsianer da offensichtlich eine Pleite vorweg.

Möglicherweise wird die Bank aber nun doch aus der Krise herauskommen. Im Rahmen eines Rettungsplans könnte es sein, dass zum einen grosse Teile der faulen Kredite in eine Art Bad Bank ausgelagert werden, und eine Kapitalerhöhung um fünf Milliarden Euro soll Hilfe bringen. Anleger, die auf eine Sanierung wetten, brauchen einerseits zwar starke Nerven, andererseits winken, wie der Chart der letzten Wochen zeigt, bei einem positiven Newsflow auch schnell Kursgewinne von 30 Prozent und mehr.