Das war eine Überraschung. Wider Erwarten hatte die Organisation der erdölexportierenden Länder OPEC vor einer Woche in Wien die Drosslung der Ölförderung beschlossen. Ab Januar will das Ölkartell für einen Zeitraum von sechs Monaten die Förderung um 1,2 Millionen Barrel am Tag kürzen und dann täglich nur noch 32,5 Millionen Barrel fördern. Bezogen auf die OPEC-Produktion im Oktober von 33,8 Millionen Barrel wäre das sogar eine Senkung um 1,3 Millionen Barrel täglich. 

Auf eine Kürzung hatten sich die Mitgliedsländer zwar bereits im September geeinigt, diese aber nicht umgesetzt. Immerhin ist sich das Ölkartell mit seinen derzeit noch 14 Mitgliedsstaaten seit langem selten einig. So will etwa Iran nach dem Ende der Sanktionen eigentlich mehr fördern. Die nun beschlossene Förderkürzung ist damit auch die erste seit 2008 und geht zur Hälft auf das Konto Indonesiens, das ab Januar die Mitgliedschaft ruhen lassen will. 

Russland kappt die Förderung

Aber nicht nur die OPEC dreht den Ölhahn etwas zu, sondern auch Russland, das nicht Mitglied im Kartell ist. So will auch Moskau ab nächstem Jahr die Produktion um 0,3 Millionen Barrel am Tag zurückfahren. Nach der Einigung vor einer Woche schoss der Preis für Schwarzes Gold wie Öl aus einem Bohrturm nach oben und bringt auf Wochensicht ein Plus von rund 20 Prozent. Damit ist Öl nun doppelt so teuer, wie Mitte Januar.

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Der Aufschwung könnte sogar noch weiter gehen. Denn bereits am Samstag wollen sich Vertreter der OPEC mit weiteren Ölförderländern, die nicht Mitglied der Organisation sind, in Wien treffen. Zu diesen Ländern zählen beispielsweise Kasachstan und Mexiko, die beide ebenfalls auf riesigen Ölvorkommen sitzen und wie Mexiko zu den Top-10 der Förderländer zählen. Die Rechnung ist im Prinzip ja einfach: Eine Produktionskürzung der OPEC wie jetzt beschlossen um rund drei Prozent am Tag bringt einen Kurssprung bei Öl um 20 Prozent. Damit fliesst den Scheichs trotz geringerer Fördermenge nun mehr Geld in die Kasse als zuvor. 

Trotz Elektromobilität: Die Ölnachfrage soll noch lange steigen

Möglicherweise kommt es am Wochenende nun zu weiteren Kürzungserfolgen. Der Ölpreis stand in letzter Zeit aber nicht nur wegen der Überproduktion insbesondere durch das Fracking in den USA unter Druck. Viele Marktteilnehmer sehen nämlich bereits das generelle Aus für Öl bevorstehen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und auch der erwartete Boom bei Elektromobilität sollen ihrer Ansicht nach die Nachfrage nach Öl zunehmend abwürgen. 

Die Internationale Energieagentur IEA mit 29 Industriestaaten als Mitgliedern, darunter auch die Schweiz, ist da anderer Meinung. In ihrem Energie-Ausblick aus 2016 geht die Kooperationsplattform für Energietechnologien davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage bis 2040 weiter steigen wird. Der Grund: Für die Sektoren Transport, Luftfahrt und Industrie sehen die Experten der IEA keine wirklichen Alternativen zu Öl. 

2017 könnte es bei Öl einen Nachfrageüberhang über die Produktion geben

Der Nachfragetrend zeigt tatsächlich trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der ersten kleinen Zulassungserfolge von Elektroautos seit Jahren konstant nach oben. Lag die weltweite Ölnachfrage im ersten Quartal 2013 noch bei 90,8 Millionen Barrel am Tag, so sind es nun im vierten Quartal 2016 bereits 97,1 Millionen Barrel. Die IEA rechnet insgesamt mit einem Anstieg der täglichen Ölnachfrage in diesem Jahr um 1,2 Millionen Barrel und erwartet auch für das nächste Jahr ähnliche Zuwächse. 

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Zwar lag die Ölförderung weltweit im Oktober bei 97,8 Millionen Barrel und damit leicht über der Nachfrage. Doch im nächsten Jahr dürfte sich das Bild wegen der beschlossenen Förderkürzungen drehen. Zwar rechnet die IEA im nächsten Jahr mit einem Anstieg der Förderung der nicht OPEC-Länder um 0,5 Millionen Barrel täglich. Doch Russland und OPEC werfen eine Kürzung – zumindest im ersten Halbjahr – von zusammen 1,5 bis 1,6 Millionen Barrel am Tag in die Waagschale, und zusammen mit der erwarteten Steigerung der Ölnachfrage ergibt sich so rein rechnerisch ein Nachfrageüberhang über die Produktion von etwa 1,5 Millionen Barrel täglich. 

China zeigt enormen Öldurst

Und deshalb könnte der Ölpreis noch weiter klettern. Denn schon in 2016 konnte die Förderung laut IEA mit einem Plus von 0,8 Millionen Barrel täglich nicht mit dem Anstieg der Nachfrage mithalten. Preistreibend wirkt aktuell auch die Nachfrage aus China. So flossen im November mit rund 32,4 Millionen Tonnen 12,4 Prozent mehr Rohöl in das Reich der Mitte, als im Oktober.

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Zudem: Der Ölpreis hat durch den Schub vor einer Woche die wichtige 100- und 200-Tage-Linie übersprungen, notiert jetzt an der oberen Begrenzungslinie seines kurzfristigen Aufwärtstrends vom Juni und auch die psychologische Marke von 60 Dollar für das 159-Literfass ist nicht mehr weit. Mit einem Call setzen Anleger darauf, dass es am Samstag eine weitere Einigung über Produktionskürzungen mit wichtigen Nicht-OPEC-Mitgliedern gibt. 

Call auf Öl: Da ist eine schnelle Verdopplung drin

Sehr spekulativ orientierte Anleger greifen zu einem Call mit hohem 20er-Hebel (ISIN: CH0345415837, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 51,37 Dollar) und können ihren Einsatz schon bei Steigerungen beim Ölpreis auf 56 Dollar verdoppeln.

Wer weniger riskieren will, wählt einen Call mit tieferem Basispreis und Knock-out und somit auch einem geringeren Hebel (ISIN: CH0331695335, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 45,37 Dollar). Aber selbst beim dortigen 6er-Multiplikator sind bei Preissteigerungen von Öl auf 56 Dollar rund 20 Prozent verdient.

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