1. Home
  2. Invest
  3. Warum der starke Franken gut für Konzerne ist

Währungen
Warum der starke Franken gut für Konzerne ist

Euroschwäche: Eine schwache Währung wirkt sich negativ auf die Konkurrenzfähigkeit aus. Keystone

Auch wenn viele jammern, der starke Franken hat auch gute Seiten: Er zwingt die Unternehmen zu einer dauerhaften Fitnesskur. Nicht umsonst zählen Schweizer Konzerne zu den profitabelsten der Welt.

Von Jürgen Büttner
am 12.02.2015

Der Mindestkurs gegenüber dem Euro ist seit vier Wochen passé, der Franken hat seither mehr als 10 Prozent an Wert gewonnen. Wie es scheint, dient als neue Richtgrösse die Parität gegenüber dem Euro, ein Niveau, das der Wirtschaft überhaupt nicht behagt. Wegen des festen Frankens wurden bereits Konjunkturprognosen gesenkt, und Exporteure sowie der Tourismussektor klagen über Wettbewerbsnachteile.

Wie tief die Ängste sitzen, zeigt sich an der neuen Prognose des Konjunkturforschungsinstituts KOF, die nunmehr für das laufende Jahr sogar ein Schrumpfen der Schweizer Wirtschaft vorhersagt. Allerdings: Die aktuellen Befürchtungen könnten sich als übertrieben pessimistisch herausstellen. Volkswirt Patrick Franke von der hessischen Landesbank erinnert jedenfalls daran, dass auch die kräftige Aufwertung von 2010/2011 keine nennenswerten Spuren bei den Schweizer Ausfuhren in die EU oder bei den globalen Märkten hinterlassen hat.

Starker Franken: Keine grossen Folgen für den Konsum

Auch beim Konsum ist nach Einschätzung von Franke nicht unbedingt mit den ganz grossen Folgen zu rechnen. Die Aufwertung des Frankens lade ansonsten zwar zum Konsum von Importgütern ein, doch diese verdrängten wie etwa im Automobilbereich oft keine heimische Produktion. Zumal die Schweizer gerne nationale, wenn nicht sogar kantonale oder lokale Produkte kaufen würden, und auch für den Fremdenverkehr stellen die Schweizer selbst die wichtigste Gästegruppe dar.

Vor dem Hintergrund der entlastenden Wirkung des billigeren Öls und der sich bessernden Lage in der Eurozone passt Franke seine Wachstumsprognose für 2015 zunächst nur von 1,8 Prozent auf 1,3 Prozent an und für 2016 auch nur geringfügig von 1,8 Prozent auf 1,5 Prozent.

Auf- und Abwertung: Gewinnentwicklung zeigt sich nur in abgeschwächter Form

Es mag negative Effekte aus dem starken Franken geben. Citigroup hat in einer Studie untersucht, wie sich ab- und aufwertende Währungen auf Unternehmensgewinne und Eigenkapitalrenditen sowie auf den lokalen Aktienmarkt auswirken.

Beim Blick auf die erzielten Gewinne je Aktie zeigt sich bei Auswertung der mehr als 200 einbezogenen Phasen mit deutlich auf- oder abwertenden Währungen Folgendes: In den Abwertungsphasen ist die betroffene Währung im Median um 19 Prozent gefallen. Die Ergebnisse je Aktie sind mit Beginn der Abwertung bis sechs Monate nach dem Abwertungsschub in lokaler Währung um lediglich 8 Prozent vorangekommen. Auf Dollar-Basis hat sich sogar ein relatives Minus von 2 Prozent ergeben. Das heisst: Bei einer Abwertung profitieren die Gewinne nur unterproportional gegenüber dem Wechselkursverlust. Bei Aufwertungsschüben sind die Währungen hingegen im Median um 21 Prozent gestiegen. Auf lokaler Währungsbasis sind die Gewinne je Aktie im Vergleich zu den USA gleichzeitig um 5 Prozent gesunken, auf Dollar-Basis sind sie um 3 Prozent gestiegen. Citigroup folgert daraus: Die Gewinne je Aktie fallen normalerweise nicht so stark wie die Währung steigt.

Starke Währung bringt hohe Eigenkapitalrendite

Für dieses Phänomen hat das Strategie-Team der Citigroup einen Erklärungsansatz parat: Eine eher schwache Währung nimmt den Druck zu fortwährenden Verbesserungen von den Unternehmen, eine starke Währung hingegen erhöht diesen Druck. Die Sichtweise, wonach eine Währungsabwertung zu eher schwächeren Unternehmen führt, während eine Währungsaufwertung starke Unternehmen hervorbringt, werde gestützt durch historisch zu beobachtende Zusammenhänge von Wechselkursen und Profitabilität. Citigroup sagt: In Ländern mit einer starken Währung bewegt sich die Eigenkapitalrendite der Unternehmen auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Die Experten der Bank schlussfolgern, dass eine nachhaltig starke Währung die Unternehmen dazu bringt, die Wertschöpfungskette nach oben marschieren zu lassen und dass sie sie zu einer hohen Effizienz zwingt. Die Schweiz wird für diese These als Beispiel angeführt. Obwohl das Land in den vergangenen 25 Jahren eine der stärksten Währungen der Welt hatte, weise der lokale Aktienmarkt eine der höchsten Eigenkapitalrenditen auf. Die für 2015 auf 15 Prozent geschätzte Eigenkapitalrendite ist ähnlich hoch wie bei US-Unternehmen. In Europa wird dieser Wert nur von den Firmen in Dänemark übertroffen. Dort wird die Eigenkapitalrendite auf 16,7 Prozent taxiert.

Bewertungsabschlag an Schwachwährungsbörsen

Auch der jüngste Aufwertungsschub wird die Schweizer Unternehmen nach Einschätzung von Citigroup wieder dazu zwingen, noch effizienter zu werden. Die Banker sehen darin einen Grund, einen Aktienmarkt zu kaufen und nicht dafür, ihn zu verkaufen. In Japan falle es der Börse hingegen zusehends schwer, der fallenden Landeswährung mit entsprechenden Kursgewinnen zu folgen, obwohl dies den japanischen Exporten zu einem kurzfristigen Gewinnschub verhelfe. Doch langfristig könnte bei diesen Rahmendaten die Fokussierung auf einen Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit leiden.

Die Citigroup weist ausserdem auf einen auffälligen Zusammenhang zwischen Währung und Bewertungsniveau der Börse hin. Börsen von Ländern mit einer dauerhaft schwachen Währung weisen demnach im internationalen Vergleich oft einen Bewertungsabschlag auf, weil die Anleger als Gegenleistung für das höhere Währungsrisiko eine höhere Risikoprämie einfordern. Die Citigroup meint, Käufer japanischer und europäischer Aktien sollten sich daran ebenso erinnern wie die Verkäufer von Schweizer Aktien.

Abwertung – Währungsverluste: Oft grösser als Kursgewinne in lokaler Währung

Historisch betrachtet ist es jedenfalls sinnvoll, sich bei Anlageentscheidungen nicht zu sehr von Währungsschwankungen irritieren zu lassen. Zu diesem Schluss führt zumindest das von der Citigroup ermittelte Ergebnis. In den meisten Fällen haben Investoren auf Dollar-Basis über die Währungsschiene letztlich mehr verloren, als sie über Aktienkursgewinne hereingeholt haben. Im Median sind die Devisenkurse um 19 Prozent gesunken, während die Aktienkurse in lokaler Währung eine Outperformance von 3 Prozent gebracht haben. Auf Dollar-Basis ergibt sich daraus eine Underperformance von 16 Prozentpunkten.  

Bei den registrierten Aufwertungen von mindestens 10 Prozent sind die Devisenkurse im Median um 21 Prozent gestiegen. Auf lokaler Währungsbasis ist der Aktienmarkt zwar um 4 Prozent schlechter gelaufen, doch ein Dollar-Investor hat letztlich dank Währungseffekt um 17 Prozentpunkte besser abgeschnitten. Ähnlich läuft es am Schweizer Aktienmarkt. 2014 zählt Citigroup die Schweizer Börse auf Frankenbasis im Verhältnis zu anderen Börsen zu den Verliereren. Auf Dollar-Basis hingegen haben Schweizer Aktien am besten abgeschnitten. Die Citigroup-Analysten bezeichnen dieses Phänomen als klassische Währungsillusion. Das bestätigt auch die aktuelle Entwicklung. Die Aufwertung des Frankens beträgt mehr als 10 Prozent, der SMI verliert hingegen nur rund 5 Prozent an Wert. Für Euro-Investoren schon jetzt ein schönes Kursplus von rund 5 Prozent. Schweizer Anleger profitieren hingegen wahrscheinlich mittelfristig wie in früheren Aufwertungsphasen auch von mehr Effizienz und dadurch von noch höheren Gewinnen der heimischen Unternehmen.

Anzeige