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Ausblick
Warum ein Experte auf Schweizer Bankaktien setzt

Credit Suisse: Die Aktie ist günstig bewertet.  Keystone

Die Rally an den Schweizer Börsen hält an, sagt Philipp Grüebler. Vor allem für den Bankensektor ist der Vermögensverwalter optimistisch. Im Interview verrät er, was er von der Credit Suisse hält.

Von Julia Fritsche
am 17.02.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Philipp Grüebler*: Die Meldungen über die konjunkturelle Entwicklung vor allem in den USA aber auch in Europa sind positiv. Die Investoren erwarten daher steigende Unternehmensgewinne und treiben die Aktienmärkte in die Nähe der historischen Höchststände.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Ich erwarte, dass das Momentum kurzfristig anhält und die im November begonnene Rally weiterläuft. Positive Nachrichten aus der Unternehmenswelt sowie konjunkturelle Daten werden die Aktien weiter beflügeln.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Wirtschaftlich oder konjunkturell läuft es sehr gut. Die Anleger nehmen jedoch diese Entwicklungen vorweg, was sich in den hohen Bewertungen vieler Aktien ausdrückt. Die sich zusammenbrauenden geopolitischen Risiken und der drohende Protektionismus finden zu wenig Beachtung. Aber vorausgesetzt es ereignet sich keine politische Krise dürften wir in 12 Monaten leicht höher bei 8900 Punkten stehen.

Trump in den USA, Wahlen in Frankreich, Niederlanden und Deutschland – Welche konkreten Gefahren sehen Sie für Schweizer Anleger?
Trump kann mittels Zöllen, Handelsbeschränkungen und Steuern die Umsätze und Gewinne multinationaler Unternehmen belasten, an welchen Schweizer Anleger beteiligt sind. Zudem ist die Präsidentschaftskandidatin Le Pen in Frankreich eine Gefahr, da sie Frankreich aus dem Euro führen will, was kurzfristig zu erheblichen Verwerfungen führen würde. Langfristig kann es aber positiv sein, wenn südeuropäische Länder wieder mittels eigener Geldpolitik ihre Währung abwerten können, um damit kompetitiv zu bleiben.

Die Credit Suisse vermeldete erneut tiefrote Zahlen. Was bedeutet das Ergebnis aus Börsianersicht?
Die Börse hat auf die Zahlen positiv reagiert, weil der Verlust durch die Busse und nicht durch das operative Geschäft verursacht wurde. Die Credit Suisse ist überzeugt, dass sie nun auf dem richtigen Weg ist, das operative Geschäft profitabler zu gestalten. Auch der Ausblick betreffend weiterer Kostenreduktion und Umsatzausweitung stimmt positiv.

Wie beurteilen Sie die Attraktivität der Schweizer Banken momentan?
Die Schweizer Banken und speziell die Credit Suisse sind gemessen am Buchwert günstig bewertet. Die erwartete Deregulierung in den USA wie die Abschaffung des Dodd-Frank-Act wird ihr Investment Banking beflügeln. Zudem zeichnet sich ein Ende der Tiefzinsphase ab, welches das operative Geschäft belastet. Ein Engagement in Schweizer Banken ist daher attraktiv.

Viele Analysten setzen momentan auf Schwellenländer – welcher Markt hat für Sie das grösste Potenzial?
Stark gestiegene Metallpreise waren vor allem für lateinamerikanische Aktienmärkte 2016 sehr positiv. Ich denke aber, dass hier nicht mehr viel Potenzial vorhanden ist. Die grösste Chance sehe ich hingegen in russischen Aktien aufgrund der höheren Ölpreise und der äusserst tiefen Bewertung dieser Titel. Asien dürfte unter den populistischen Tendenzen im Westen leiden, da es der grösste Gewinner der Globalisierung war und durch Protektionismus entsprechend viel zu verlieren hat.

*Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).

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