In den vergangenen vier Wochen lief es für die Schweizer Pharma-Schwergewichte an der Börse nicht besonders rund. Die Novartis-Aktie verlor in diesem Zeitraum fast vier Prozent, der Valor von Roche beinahe doppelt so viel. Die Durststrecke scheint seit Wochenbeginn allerdings beendet: Am Dienstag ging es aufwärts mit dem Schweizer Leitindex SMI, und die beiden Basler Pharmakonzerne erwiesen sich als Stützen des Marktes. Beide gewannen dazu – Roche 0,4 Prozent und Novartis fast ein Prozent.

Ein Gerichtsurteil aus den USA sorgte bei Pharma-Investoren für gute Stimmung. Dort hatte am Montag der Oberste Gerichtshof ein Urteil einer niedrigeren Instanz aufgehoben, das Novartis vorübergehend den Verkauf des Biosimilars Zarxio untersagt hatte. Das Urteil gilt als wegweisend – in den USA könnten sogenannte Biosimilars, also Nachahmerprodukte biotechnologisch hergestellter Medikamente, künftig schneller auf den Markt kommen.

Roche und Novartis profitieren von Regeländerung

Bislang mussten Pharmaunternehmen nach der Zulassung eines Biosimilars durch die Arzneimittelbehörde FDA noch eine sechsmonatige Wartefrist einhalten, bevor sie das Produkt endgültig auf den Markt bringen durften. Davon dürften neben Novartis künftig auch andere Pharmakonzerne profitieren.

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Nicht nur die guten Nachrichten aus den USA geben den Valoren der Arzneimittelhersteller aus Basel Rückenwind. Vor allem bei Novartis gab es in den vergangenen Monaten immer wieder gute Nachrichten: So hat der Konzern nach eigenen Angaben ganze 18 potenzielle Blockbuster-Medikamente in der Pipeline. Als sogenannte Blockbuster gelten auf dem Pharmamarkt besonders erfolgreiche Medikamente, die ihren Herstellern einen jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar einbringen.

Roche-Geschäftszahlen überzeugen Analysten

Novartis-Chef Joseph Jimenez hat zudem erst kürzlich bekräftigt, dass der Konzern keine Grossübernahme anstrebe und weiter auf ergänzende Zukäufe setzen will. Mit dieser Strategie ist Novartis bislang gut gefahren. Keyur Parekh, Aktienanalyst von Goldman Sachs, hat den Valor mit «Neutral» eingestuft. Er habe «ermutigende Gespräche» mit der Unternehmensführung gehabt, sagt er. Stefan Schneider, Aktienanalyst von Vontobel, rät zum Halten des Titels.

Zum Kauf rät er dagegen bei Roche – so wie auch die Analysten von Barclays, JP Morgan und der Deutschen Bank.  Roche hat erst kürzlich vielversprechende Studiendaten zu zwei Krebsmedikamenten vorgelegt, seit wenigen Tagen ist in der Schweiz ein neues Lungenkrebsmedikament von Roche zugelassen. Auch die Geschäftszahlen überzeugen die Analysten: Roche könnte zwischen den Jahren 2017 und 2020 ein jährliches Umsatzplus von durchschnittlich fünf Prozent erreichen, erwartet Emmanuel Papadakis, Analyst bei Barclays. Grundsätzlich wachsen Pharmakonzerne weltweit seit dem vergangenen Jahr in gedrosseltem Tempo. In diesem Marktumfeld können aber sowohl Roche als auch Novartis sich gut behaupten, sagen Analysten.

Bewertungsabschlag von 15 Prozent

Das liegt vor allem daran, dass die beiden Basler Pharmagiganten viel Geld für Forschung und Entwicklung – also für Innovationen – ausgeben. Roche hat im vergangenen Jahr 7,7 Milliarden Euro für Forschungs- und Entwicklungszwecke ausgegeben, Novartis 6,4 Milliarden Euro investiert. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens EY. Beide Unternehmen konzentrieren sich dabei besonders auf ihren Hauptumsatzträger, die Krebsforschung.

Insgesamt sind die weltweit grössten Pharmakonzerne im vergangenen Jahr langsamer gewachsen als in den Jahren zuvor. Die beiden Schweizer Schwergewichte dürften sich im schwierigen Marktumfeld aber weiter gut behaupten, erwarten Analysten. Aus Anlegersicht bieten die Valoren der beiden Unternehmen noch einen weiteren Vorteil: Die Titel von Roche und Novartis würden gegenüber anderen Protagonisten der Big-Pharma-Branche mit einem Bewertungsabschlag von 15 Prozent gehandelt – seien also wesentlich günstiger bewertet, sagt Stephan Vollert, Analyst der Neuen Helvetischen Bank: «Das erscheint uns nicht gerechtfertigt».

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Die Pipeline wird unterschätzt

Vor allem angelsächsische Investoren halten sich bei den Schweizer Konzernen zurück. «Viele unterschätzen die gut gefüllten Produktpipelines der Unternehmen», sagt Vollert. Er hält die Aktien nicht nur wegen ihrer vergleichsweise günstigen Bewertung für interessant: Die Dividendenrenditen von rund 3,5 Prozent seien ebenfalls attraktiv.