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Warum sich ein Blick nach Japan lohnt

Shinzō Abes Wirtschaftspolitik scheint langsam aber sicher zu funktionieren. Unsplash

2016 war für japanische Aktien ein äusserst turbulentes Jahr. Doch ist Licht am Ende des Tunnels – steigende Unternehmensgewinne und höhere Bewertungen könnten den Aktienmarkt beflügeln.

Von Seung Kwak*
am 29.03.2017

Investoren sind 2016 vor der schwachen japanischen Wirtschaft zurückgeschreckt. Derweil scheint Abenomics das Land trotz aller Unkenrufe auf den richtigen Kurs zu lenken. Beginnen wir mit der ersten Säule von Abenomics, der Geldpolitik.

Die Inflation liegt zwar trotz intensiver Stimulierungsversuche der Bank of Japan (BoJ) noch deutlich unter dem erklärten 2 Prozent-Ziel, aber es gibt erste Besserungszeichen: Die Kerninflation ist schon seit mehreren Jahren positiv, und auch die Gesamtinflation scheint langsam anzuziehen. Wichtig ist hier vor allem das beharrliche Engagement der BoJ, Japan aus der Deflation zu holen.

Fiskalpolitik und Wachstumsstrategie

Auch die Fiskalpolitik als die zweite Waffe von Abenomics bleibt scharf. Die ursprünglich für 2016 geplante zweite Mehrwertsteuererhöhung wurde vorerst aufgeschoben. Zudem kündigte die Regierung ein Stimulierungspaket in Höhe von JPY 28 Bio. an, das Infrastrukturausgaben und regionale Wirtschaftsprogramme umfasst.

Besonders wichtig für die langfristigen Aussichten ist die Wachstumsstrategie, der dritte Pfeiler von Abenomics. Auch in diesem Bereich gibt es Fortschritte. So versucht man etwa mit Massnahmen zur Angebotsstärkung der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Am Arbeitsmarkt propagiert die Regierung das Motto «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit», um das Lohngefälle zwischen Festangestellten und Zeitarbeitskräften zu verringern.Zudem wurden Schritte zur Produktivitätssteigerung unternommen und das Thema Corporate Governance ins Rampenlicht gerückt, um Führungsqualität und Investitionsentscheidungen von Unternehmen zu verbessern. So soll die Investitionstätigkeit verstärkt angekurbelt werden.

Unternehmensgewinne ziehen stetig an

Die Unternehmensgewinne dürften bis über 2017 hinaus stark bleiben, da sich die Wirtschaftsbedingungen in Japan wie auch im Rest der Welt verbessern. Auch der Yen gibt nach früheren Gewinnen wieder nach. Dies alles sind günstige Voraussetzungen für Exporteure und inlandsorientierte Firmen. Höhere Umsätze und Margen könnten ihre Gewinne zweistellig ansteigen lassen.

Die Bewertung des japanischen Aktienmarktes ist in mehrerlei Hinsicht nach wie vor günstig. Die KGVs sind im Vergleich zu anderen grossen Volkswirtschaften niedrig, und die Gewinnrenditen haben zuletzt im Vergleich zu Renditen zehnjähriger Staatsanleihen angezogen. Mögliche Bewertungsanstiege in Kombination mit steigenden Gewinnen würden den Aktienmarkt in die Höhe treiben.

Für jeden etwas dabei

Ein Engagement in Japan empfiehlt sich über Aktientitel mit starken mittel- bis langfristigen Fundamentaldaten, solange man ihre Bewertungen genau im Auge behält. Interessant sind vereinzelte attraktiv bewertete Bankenwerte – der japanische Bankensektor dürfte mit der Erholung Japans aus der Deflationszone seine Gewinne allmählich steigern.

Andere Segmente profitieren vom Automationstrend in der Fertigung und vom Internet der Dinge, und wieder anderen Bereichen kommt die steigende Binnennachfrage besonders stark zu Gute. Nicht zuletzt bieten sich im aktuellen Umfeld auch bestimmte kleine und mittlere Unternehmen an, die globale Führungsstellungen in einem Nischensegment einnehmen. Aktientitel aus diesen Bereichen eignen sich für Anleger, die ihr Portfolio über mehrere Wachstumssegmente hinweg diversifizieren möchten.

 

*Seung Kwak, ist Portfolio Manager bei Capital Group 

 

 

 

 

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