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Warum sich jetzt ein Blick auf Japans Börse lohnt

Japanische Laternen: Japan beendet seine wirtschaftliche Durststrecke.  Pixabay

Die Zeichen mehren sich, dass Japans Wirtschaftswachstum nach vielen mageren Jahren wieder anzieht. Die Trendwende wäre dringend nötig, bevor der expansiven Abenomics-Politik die Puste ausgeht.

Von André Schmidt-Carré
am 17.08.2017

Nestlé hat angekündigt, erstmals seit mehr als zwanzig Jahren ein neues Werk in Japan zu bauen. Das Werk wird den Schokoriegel Kitkat produzieren, die der Nahrungsmittelkonzern in Japan regelmässig in exotischen Sondereditionen produziert. Der Riegel geniesst unter Einheimischen wie Touristen längst Kultstatus, ein Grund für den Ausbau der Fertigungskapazitäten ist der anhaltende Touristenboom in Japan. Die Expansion von Nestlé passt ins Bild: Japan rückt derzeit dank guter Wirtschaftsdaten nach langer Durststrecke wieder in den Fokus internationaler Investoren.

Vor vier Jahren hatten die Abenomics um Premierminister Shinzo Abe eine expansive Geld- und Fiskalpolitik begonnen mit dem Ziel, das schwache Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Zweifel an dem Erfolg des Programms waren mit zunehmender Dauer grösser geworden, doch nun scheinen Niedrigzins und Konjunkturprogramme zu fruchten.

Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal zum sechsten Mal infolge gestiegen, der Aufschwung ist damit für japanische Verhältnisse ungewöhnlich lang intakt: «Zu dieser Erfolgsmeldung kommt hinzu, dass das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes mit 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal überraschend stark ausfiel», sagt Rudolf Besch, Volkswirt bei der Dekabank.

Private konsumieren wieder mehr

Die aktuellen Daten belegen eine breite Basis für den Aufschwung: Die monatlichen Schätzungen der gewerblichen Investitionen hatten in den vergangenen Monaten schon ein starkes Wachstum signalisiert, das vergangene Quartal war nun aber noch besser als gedacht. «Der gemeldete Zuwachs von 2,4 Prozent übertrifft unsere Erwartungen», sagt Experte Besch. «Das ist der stärkste Zuwachs seit dem ersten Quartal 2014.» Aus Sicht der Analysten noch wichtiger: Der private Konsum ist gegenüber dem Vorquartal um 0,9 Prozent gestiegen, die Einkommen um 1,1 Prozent. «Somit haben die privaten Haushalte nicht entspart, um die gestiegenen Mehrausgaben zu bezahlen», sagt Besch.

Experten zufolge könnte der Trend zu steigenden Löhnen und Gehältern weiter anhalten. «Der Arbeitsmarkt ist sehr angespannt, das Verhältnis von Arbeitsstellen zu Stellenbewerbern befindet sich auf einem 43-Jahres-Hoch», sagt Joel Le Saux, Japan-Fondsmanager beim Vermögensverwalter SYZ Asset Management. «Eine Folge dieses angespannten Arbeitsmarktes ist ein deutlicher Anstieg der Löhne. Dies ist ein wichtiger Faktor für den privaten Verbrauch und für die Wirtschaft insgesamt.»

Zur Diversifizierung

Für ein Japan-Investment spricht aktuell neben den aufgehellten makroökonomischen Daten auch die vergleichsweise niedrige Bewertung der dortigen Aktien. «Japanische Unternehmen gehören zu den günstigsten in den Industrieländern», sagt Le Saux. So kosten japanische Aktien derzeit im Schnitt das 14-fache des erwarteten Gewinns und damit deutlich weniger als Aktien des S&P 500 mit einem durchschnittlichen KGV von 18, auch europäische Aktien des Stoxx Europe 600 notieren mit einem KGV von 15 höher.

Zudem können Anleger ihr globales Aktieninvestment breiter streuen, wenn sie auch in Japan investieren: «Der japanische Aktienmarkt eignet sich gut, um ein globales Portfolio zu diversifizieren», sagt Fondsmanager Le Saux. Demnach hätte die Beimischung von japanischen Aktien in einem modellhaften Welt-Portfolio über den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre die Gesamtrendite geringfügig erhöht und gleichzeitig die Volatilität gesenkt.

Was vorsichtig stimmt

Freilich sollten Anleger auch die Risiken eines Japan-Investments im Blick haben: Wie die meisten asiatischen Märkte litt auch der Kurs des japanischen Leitindex Nikkei zuletzt unter der schwelenden Nordkorea-Krise. Zudem ist der US-Protektionismus für exportierende Unternehmen ein Risiko, ebenso eine potentiell schwächeres Wachstum in China.

Das grösste Problem bleibt jedoch die hohe Staatsverschuldung Japans, die infolge der expansiven Abenomics-Politik weiter angestiegen ist. Das Ziel von Premier Abe, ab 2020 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, scheint selbst wohlgesonnen Beobachtern zu optimistisch. Fondsmanager Le Saux ist dennoch zuversichtlich, dass der frische Rückenwind im Land der aufgehenden Sonne anhält: «Japan ist wieder da.»

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