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Was Private Credit zur interessanten Anlage macht

Geldanlage: Private Credit wird zu einer interessanten Alternative, so Blackrock-Experte Widmer. Keystone

Private Credit ist eine wachsende, zunehmend interessante Anlageklasse, mit der Anleger ihre Renditen steigern und festverzinsliche Anlagen im aktuellen Niedrigzinsumfeld diversifizieren können.

Von Alex Widmer*
am 02.06.2017

Die Banken befinden sich seit der Finanzkrise weiter auf dem Rückzug. Deshalb haben viele Unternehmen Mühe, Finanzierungsmittel zu beschaffen oder sind mit zunehmend restriktiven und unflexiblen Kreditvergabekriterien konfrontiert. Diese Lücke wird jedoch durch institutionelle Anleger überbrückt: Die wachsende Anlageklasse «Private Credit» bietet institutionellen Investoren die Chance zur Kreditvergabe an etablierte Unternehmen in ganz Europa zu attraktiven Renditen.

Niedrige Zinsen und erhöhte Volatilität sind zur Realität geworden. Viele Anleger haben deshalb Mühe, ihre Renditeziele zu erreichen. Vor diesem Hintergrund wird der Anteil alternativer Anlagen wie Private Equity und Infrastruktur sowie Immobilien auf 25 Prozent gesteigert, um Leistungen aus Lebensversicherungen zu erfüllen. Vor 20 Jahren reichte ein einfaches Anleihen-Portfolio für dieselbe Rendite aus. So generierte das durchschnittliche Portfolio aus Immobilien und Obligationen 1995 Renditen von rund 6 Prozent, inzwischen sind hierfür komplexere Portfolios erforderlich.

Private Credit als Licht am Ende des Tunnels

Diese Entwicklungen haben weitreichende Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, die Investitionstätigkeit und die Beschäftigung in Europa, denn in der Vergangenheit stammten 80 Prozent der Unternehmensfinanzierungen von Banken. Die Finanzmärkte haben jedoch mit einer Lösung reagiert, die bereits begonnen hat, diese Belastung etwas zu lindern. So kam es zum Aufstieg von Private Credit als Anlageklasse. In der einfachsten Form füllt Private Credit die von den kapitalknappen Banken offen gelassene Lücke und bietet institutionellen Anlegern die Möglichkeit, kreditsuchenden Unternehmen Geld zu leihen.

Derzeit gibt es zwei Bereiche, die institutionellen Nicht-Bank-Investoren in Europa Möglichkeiten zur Mittelstands-Finanzierung bieten: 1) Private-Equity-Gesellschaften, die ganzheitliche Fremdfinanzierungslösungen für ihre Portfoliounternehmen benötigen, um Kapital effizient einsetzen zu können, und 2) die Basis der (häufig im Familienbesitz stehenden) mittelständischen Unternehmen, die Fremdmittel für Refinanzierungen, Investitionen, Fusionen und Übernahmen usw. suchen.

Kreditwürdigkeit, Illiquidität, Fähigkeit des Managements und Knappheit

Diese Anlageklasse nutzt eine Reihe von Risikoprämien – Kreditwürdigkeit, Illiquidität und die Fähigkeit des Managements. Zugleich bietet sie Vorteile wie Diversifikation, verbesserte strukturelle Absicherung und geringere realisierte Volatilität. Pensionsfonds und Versicherungen sind mit ihrem langfristigen Anlagehorizont gut positioniert, diese Chance zu nutzen. Für die Inkaufnahme von Illiquiditäts- und idiosynkratischen Risiken werden sie in der Regel durch höhere Renditen entschädigt, als am öffentlichen Markt verfügbar sind. Dank ihrer laufenden Zinszahlungen ist die Anlageklasse auch attraktiv für viele Anleger, die nach einer Barrendite streben.

Private Credit bietet somit die Möglichkeit zur Verbesserung der Rendite und ist eine interessante Alternative zur Kapitalverwendung gegenüber ähnlichen öffentlich zugänglichen Anlagen. Der europäische Mittelstandsmarkt ist hier keine Ausnahme, da die Unternehmen zunehmend nach Kreditlösungen aus Nichtbank-Quellen suchen, um ihr Wachstum zu finanzieren. Diese langfristige Veränderung schafft eine attraktive Chance für Anleger.

* Alex Widmer ist Leiter Alternatives Specialists EMEA für Private Equity und Infrastruktur bei Blackrock.

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