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Weiterhin lukrative Abenteuer in Mexiko

Mexiko: Trotz Trump weiter lohnend für Investoren. Keystone

Mexikos Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt und wird das auch weiter tun. Trumps Störfeuer ändert da nichts. Für Investoren bietet das Land immer noch mehr Chancen als Risiken.

Von Annika Janssen
am 09.03.2017

«Lo hizo!» - «Er hat es getan!» So titelten mehrere mexikanische Zeitungen an jenem Donnerstag Ende Januar, wenige Tage nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Tags zuvor hatte der Republikaner wahr gemacht, was er im Wahlkampf vielfach angekündigt hatte. Per Dekret ordnete er den Bau einer Mauer an der Grenze zwischen Mexiko und den USA an. Bis zuletzt hatten viele Trumps Mauerpläne für Wahlkampfgetöse gehalten. Doch Trump nutzte seine ersten Tage im Amt tatsächlich, um die mexikanisch-amerikanischen Beziehungen in eine nachhaltige Krise zu stürzen.

Er kündigte Strafzölle für Unternehmen und Blockaden mexikanischer Importe an. Zum Teil zeigt das bereits Wirkung: So durften fünf Lastwagen, beladen mit 120 Tonnen mexikanischen Avocados, nicht die Grenze zum US-Bundesstaat Texas passieren - und das ausgerechnet vor dem Super-Bowl-Finale: Beim Endspiel im American Football gönnen sich die Amerikaner vor dem Fernseher traditionell grosse Mengen des mexikanischen Avocado-Dips Guacamole.

Viel zu verlieren

Die Schlagzeilen und der Streit um die Avocado-Einfuhr geben einen düsteren Ausblick auf das, was Mexiko in den nächsten Jahren bevorstehen könnte. Beobachter fürchten einen Handelskrieg mit den USA und einen heftigen Dämpfer für die mexikanische Konjunktur, ausgelöst durch den Protektionismus des neuen US-Präsidenten. Der Autobauer Ford hat bereits auf ein neues Werk in Mexiko verzichtet, nachdem Präsident Trump Ford und andere Konzerne wiederholt aufgefordert hatte, Produkte in den USA statt im Ausland zu produzieren.

Dabei war das Nachbarland der Vereinigten Staaten seit Jahren auf einem guten Weg, zählt seit langem zu den Schwellenländern mit den besten Wachstumsaussichten. Diese Entwicklung könnte nun zum Stillstand kommen oder gar rückwärts verlaufen, befürchten manche. Die Unsicherheit um die Zukunft Mexikos, die mit Trumps Tiraden im US-Wahlkampf begann, wird sich in jedem Fall noch lange Zeit fortsetzen.

Mexiko hat viel zu verlieren. Das Land ist in den vergangenen Jahren wirtschaftlich erstarkt, eine Reihe politischer Reformen wurde angestossen. Im Jahr 2012 verabschiedete die damalige mexikanische Regierung ein umfangreiches Reformpaket, das darauf abzielte, den Wettbewerb zu stärken und den Markt zu öffnen. Dazu galt es, institutionelle Schwächen zu beseitigen, Monopole aufzulösen und in Infrastruktur zu investieren. Auch das Bildungssystem wurde reformiert, die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert.

80 Prozent der Exporte in die USA

Wirtschaftlich haben vor allem Freihandelsabkommen wie das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta zum Wachstum der mexikanischen Ökonomie beigetragen. «Nafta und Handelsabkommen mit anderen Ländern haben den Aussenhandel Mexikos explodieren lassen», sagt Matthias Jenzer, Chefanlagestratege der Investmentgesellschaft Quilvest in Zürich.

Vor allem der Handel mit dem Nachbarland im Norden floriert: Rund 80 Prozent aller mexikanischen Exporte gehen in die USA, und rund 50 Prozent der Importe kommen von dort. Im Jahr 2015 lag Mexiko mit einem Bruttoinlandprodukt von 1,3 Billionen US-Dollar auf Platz zwei in Lateinamerika, gleich hinter Brasilien. «Infolge der protektionistischen Massnahmen der Trump-Regierung und der anhaltenden Unsicherheit dürfte sich die Wirtschaftsentwicklung nun an allen Fronten stark abschwächen», erwartet Jenzer.

Junge Bevölkerung

Schon im Jahr 2016 ging das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft leicht zurück. «2017 ist das Rezessionsrisiko gross», sagt Jenzer. Wie es weitergehe, hänge vor allem vom weiteren Vorgehen der US-Regierung ab. «Mexikos aktuelle Situation ist von Unsicherheit geprägt, die vor allem durch die noch ungewisse Politik der USA verursacht wird», sagt Clemens Mayer-Schoene, Emerging-Markets-Spezialist bei HSBC Global Asset Management Deutschland.

Dennoch bewahrt er sich beim Blick auf das lateinamerikanische Land eine Portion Optimismus: Mexikos Wachstumspotenzial werde auf mittlere bis lange Sicht hoch sein, sagt Mayer-Schoene: «Zum einen bleibt der grosse Vorrat an natürlichen Ressourcen, der das Wachstum treiben wird. Zum anderen stützt eine junge und grosse Bevölkerung den Konsum.» Denn Mexiko ist ein junges Land: Das Durchschnittsalter der 122 Millionen Einwohner liegt bei 27 Jahren.

«Ein weiterer mildernder Umstand neben Ressourcen und Demografie könnte die wettbewerbsfähige Industrie Mexikos sein, die über die vergangenen Jahre im Land aufgebaut worden ist», sagt Mayer-Schoene. Er geht davon aus, dass grosse Konzerne weiter in Mexiko investieren - allen politischen Hürden zum Trotz.

Bedeutender Autohersteller

Vor allem im Automobilsektor hat Mexiko eine starke Stellung: Seit dem Zustandekommen des Nafta-Abkommens im Jahr 1994 ist das Land zum viertgrössten Auto-Exporteur der Welt aufgestiegen. In Lateinamerika ist das Land der grösste Automobilproduzent, weltweit der siebtgrösste. Dabei hat Mexiko gar keine eigene nationale Automarke. Jedoch fertigen viele ausländische Hersteller dort, darunter Volkswagen, Chrysler, Honda, Audi und Toyota. Selbst, wenn die US-Firmen ihre Investitionen künftig zurückfahren sollten, dürften andere internationale Automarken weiterhin in Mexiko produzieren.

Die Konsumgüterindustrie zählt inzwischen ebenfalls zu den stärksten Branchen in Mexiko. «In diesem Land sind etwa einige Softdrink-Produzenten angesiedelt, die in Mexiko und weltweit gute Geschäfte machen», sagt Claus Born, Portfoliomanager bei der Investmentgesellschaft Franklin Templeton.

Nicht alle Firmen seien jedoch mexikanisch: «Der Getränkekonzern Femsa etwa hat seinen Sitz im mexikanischen Monterrey, ist aber auch mit 20 Prozent an der weltweit tätigen Braugruppe Heineken mit Sitz in den Niederlanden beteiligt und Partner von Coca-Cola in weiten Teilen von Lateinamerika», sagt Born. Die Femsa-Aktie sei ein Titel, den sich Mexiko-Investoren näher anschauen sollten. Auch Elektronikproduzenten wie Semex seien aus Anlegersicht interessant - und ein Zementhersteller: «Mit Cemex könnte es sein, dass ausgerechnet ein mexikanischer Zementhersteller vom Mauerbau an der US-mexikanischen Grenze profitiert», sagt Born. Die USA gilt als grösster Markt von Cemex, macht rund einen Fünftel des gesamten Umsatzes aus. Nicht nur der Mauerbau, auch die von Trump geplanten Infrastrukturmassnahmen dürften dem Unternehmen neue Aufträge bescheren.

Ölindustrie verliert Bedeutung

Weniger interessant sind zurzeit mexikanische Öl- und Energieunternehmen. «Die Ölindustrie des Landes hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren», sagt Born. Der Ölpreisverfall hat Mexiko schwer getroffen: Zwischen den Jahren 2011 und 2013 kostete das Barrel mexikanischen Rohöls im Schnitt noch etwa 100 Dollar, zeitweise brach der Preis 2016 auf rund 30 Dollar je Fass ein. Zuletzt öffnete Mexiko seinen lange Zeit streng regulierten Energiemarkt für private Unternehmen. Dennoch dominiert weiterhin der Staatskonzern Pemex die Branche.

Und obwohl die Ölpreise allmählich wieder anziehen, ist ein Ende der Durststrecke nicht in Sicht. Grundsätzlich lohne es sich für Investoren, sich auf dem mexikanischen Markt nach Aktien umzusehen, sagen Marktbeobachter. Schliesslich habe das Land sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der aussichtsreichsten Schwellenländer gemausert. Allerdings warnen sie auch unisono: «Investoren müssen stets die Auswirkungen von Trumps Politik auf Mexiko im Auge behalten und sich des momentan sehr hohen Risikos bewusst sein», sagt Franklin-Templeton-Stratege Born.

«Do it like» Hasenstab

Nicht nur die unvorhersehbare Politik des Nachbarlandes ist ein Risiko für Mexiko-Investoren. Auch das Währungsrisiko ist nicht zu unterschätzen. «Die Entwicklung des Peso hat einen starken Einfluss auf die Entwicklung von Mexiko-Investments», warnt Born. So sei der mexikanische Leitindex IPC-35 in den vergangenen fünf Jahren in Peso um gut 50 Prozent gestiegen. In Dollar habe der Index allerdings 30 Prozent verloren. Zuletzt ging der Peso nach der Wahl Trumps auf Talfahrt.

Es müssen jedoch nicht immer Aktien sein: Antizyklisch vorgehende Anleiheinvestoren könnten Erfolg haben, wenn sie jetzt Obligationen aus Mexiko kaufen. Damit würden sie es einem der grössten professionellen Schwellenlandinvestoren gleichtun, der in der Vergangenheit oft richtig lag: Michael Hasenstab, Starfondsmanager bei Franklin Templeton, setzt seit einigen Monaten verstärkt auf mexikanische Anleihen.

Ende Dezember 2016 waren die Titel mit einem Anteil von 22 Prozent die grösste Position in seinem globalen Anleihefonds. Bei den Währungen macht der mexikanische Peso die zweitgrösste Position aus. Hasenstab wettet gerne gegen den Markt und kauft Obligationen, die sonst kaum jemand haben will. Der Fondsmanager hält Mexiko insgesamt für wirtschaftlich stabil und erwartet, dass sich die Währung des Landes im Jahresverlauf erholen wird.

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