Die Empfehlungen gingen voll auf! Nach dem Motto «bei Kanonendonner kaufen, bei Harfenklängen verkaufen» hatte die Redaktion von stocksDIGITAL Ende 2015 in der letzten Ausgabe vor Weihnachten ein paar heisse Favoriten vorgestellt. Rohöl, Rubel, die russischen Konzerne Gazprom, Mobile Telesystems und Sberbank sowie den Schweizer Spezialisten für schnurlose Kommunikation und Netzwerke, Ascom. Während die Aktie von Ascom nur leicht im Gewinn liegt, zwischenzeitlich immerhin aber schon um 20 Prozent gestiegen ist, liegen unsere anderen Top-Kanonendonner-Favoriten nach wie vor meilenweit im Plus. Die Rohöl-Sorte Brent notiert um 30 Prozent höher als Ende Dezember, der Rubel konnte gegenüber Euro und Dollar um 10 und rund 20 Prozent zulegen und die genannten russischen Aktien haben sich alle jeweils in etwa verdoppelt.

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Da bestätigt sich auch eine weitere Börsenweisheit: «Ist der Pessimismus enorm gross, dann ist die Wende oft auch nicht mehr weit entfernt.» Bei Öl beispielsweise hiess es Ende 2015 teilweise noch, der Ölpreis würde nie wieder auf 100 Dollar je Aktie steigen und könne gar auf 10 Dollar je Barrel fallen. Das Gegenteil war dann der Fall. Wie die genannten Kanonendonner-Titel zeigen, kann es sich also lohnen, den Pessimisten nicht zu folgen und genau die ausgebombten Titel ins Depot zu legen.

Ausgebombt Nummer eins: Møller-Mærsk

Aktuell scheint da jetzt beispielsweise die Aktie von Møller-Mærsk interessant zu sein. Der Kurs des Weltmarktführers der Containerschifffahrt hat sich im Vergleich zu den Hochs vom März 2015 halbiert, bildet aber seit Februar immerhin schon wieder einen Boden aus. Der Gewinn der Mærsk-Gruppe ist in den fortgeführten Aktivitäten im vergangenen Jahr auf 925 Millionen Dollar fast gedrittelt worden. Schlecht lief es dabei vor allem auch in der grössten Sparte der Schifffahrt. Die Container des Konzerns aus Kopenhagen werfen derzeit weniger Profite ab, weil die Frachtraten tief sind.

Die Prognose für 2016 lastete auf dem Kurs und drückte diesen nach Veröffentlichung Mitte Februar auf ein Vierjahrestief. So rechnet das Mærsk-Management auch für 2016 mit einem schwierigen Umfeld im Frachtgeschäft und mit einem nochmals tieferen Gewinn des Segments.

Mærsk – der Turnaround in der Ölsparte steht möglicherweise bevor 

Arg gebeutelt war auch die zweitgrösste Sparte des Konzerns, das Ölgeschäft. Dort gab es wie schon 2014 einen Verlust. Immerhin könnte es sein, dass es da in diesem Jahr deutlich besser laufen wird. Denn die Dänen nennen dort den Break-even für Ölpreise zwischen 45 und 55 Dollar je Barrel. In dieser Range lief die Ölnotierung aber schon im ganzen zweiten Quartal, und möglicherweise wird Møller-Mærsk in dieser Sparte nach einem Segmentverlust im 2015 von 2,1 Milliarden Dollar in diesem Jahr annähernd einen Turnaround schaffen.

Das würde natürlich das gesamte Gruppenergebnis nach oben hieven. Anleger warten deshalb schon sehr gespannt auf den 12. August. Dann legen die Dänen die Halbjahreszahlen vor – Überraschungen sind drin. Die Aktie hat die 100-Tagelinie von unten her erreicht, und auch die 200-Tage-Marke verläuft nicht mehr weit über dem aktuellen Kurs. Da könnte schon in wenigen Wochen ein Schub bevorstehen.

Ausgebombt Nummer zwei: Russlands Aktienmarkt

Auch, wenn sich der russische Aktienmarkt schon etwas vom tiefsten Stand seit März 2009, dieser wurde Mitte Januar erreicht, lösen konnte: In den letzten zwölf Monaten kletterte der Leitindex RTX um rund 2 Prozent und liefert damit gegenüber vielen anderen europäischen Börsen eine Outperformance von teilweise 15 Prozent und mehr. Dennoch ist die langfristige Performance der Börse Moskau nach wie vor ein Horror, denn die Blue Chips des Riesenreichs notieren derzeit nämlich noch um rund 40 Prozent unter dem Stand, den sie vor fünf Jahren hatten und um 20 Prozent unter dem Dreijahreswert.

Kursphantasie wird nun von zwei Seiten befeuert. Zum einen ist da der Ölpreis. Hält sich dieser auf dem wieder erhöhten Niveau oder kann er sogar weiter zulegen, wäre das für Russland wie ein Konjunkturprogramm. Und hinzu kommen politische Chancen. Der Kandidat der republikanischen Partei für die US-Präsidentenwahl im November, Donald Trump, hat schon vor Monaten versöhnliche Töne in Richtung Wladimir Putin ausgeschickt. Sollte Trump tatsächlich der nächste US-Präsident werden, könnte das ein Ende der Sanktionen gegen Russland zur Folge haben. Das wäre nicht nur gut für die russische Konjunktur, sondern würde auch das Vertrauen der Investoren wieder stärken. Man kann gespannt sein auf die ersten Trump-Umfragewerte zur US-Präsidentschaftswahl, die in einigen Wochen zu erwarten sind.

Ausgebombt Nummer drei: Credit Suisse, …

Zuletzt ein neuer Kanonendonner-Titel aus dem SMI: Credit Suisse. Die Aktie ist komplett abgestürzt und notiert auf dem tiefsten Niveau seit Jahrzehnten. Ähnlich niedrig war der Kurs zuletzt 1991. Grund für das tiefe Kursniveau sind teure Konzernumbauten mit Verlusten, Restrukturierungen und der Abbau des Risikos. Immerhin schafft das Finanzhaus in Asien schöne Zuwächse, und auch die Vermögensverwaltung verzeichnet einen Zufluss an Neukundengeldern.

Die für 2018 vorgegebenen Ziele lassen auch wieder deutlich bessere Ergebnisse erwarten. So sollen die Kosten in den nächsten zwei Jahren um weitere rund 2,6 Milliarden Franken gesenkt werden und dennoch ist geplant, den Ausbau des Beraterteams voranzutreiben. Allerdings: Vorerst ist noch mit hohen Restrukturierungskosten zu rechnen. Nach 400 Millionen Franken im vierten Quartal 2015 sollen das in diesem Jahr 1,0 Milliarden Franken sein und auch im nächsten Jahr noch 600 Millionen Franken werden.

… aber schon die Halbjahreszahlen könnten eine Wende bringen

Anleger achten deshalb besonders auf den operativen Verlauf in den nächsten Quartalen. Da sind beispielsweise auch die Zahlen zum Halbjahr, die am 28. Juli präsentiert werden sollen, interessant. Diese könnten schon die Wende bringen. Immerhin notiert Credit Suisse inzwischen um rund 60 Prozent unter dem Buchwert. Und der langfristige Chart zeigt: Die Aktie hatte schon mehrfach in den letzten Jahrzehnten Phasen mit katastrophalen Kurseinbrüchen, von dort ging es dann bisher jedenfalls aber auch jedes Mal um 100, 200 oder sogar um 400 Prozent nach oben. Credit Suisse: Ganz klar – eine ausgebombte Aktie für das Kaufen, wenn Kanonen donnern.