Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Donald Trump ist und bleibt für Anleger ein Buch mit sieben Siegeln. Die Finanzmärkte beschäftigt insbesondere das weitere Vorgehen der US-Regierung in Bezug auf die Steuerreform und ob diese mehrheitsfähig sein wird. Die globale Wirtschaft läuft gut. Gleichzeitig sind aufgrund der Bewertungen die Gewinnerwartungen hoch und es stellt sich die Frage, ob die vergangene Rally an den Aktienmärkten Bestand haben kann oder nicht.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Für die grosskapitalisierten Werte im SMI erwarten wir kurzfristig eine Seitwärtsbewegung. Wir sehen mehr Potenzial in kleinkapitalisierten Werten im SMIM Index. Das Gewinnwachstum ist höher bei gleichzeitig fairen Bewertungen. Hinzu kommt, dass diese Aktien zyklischer ausgerichtet sind und die Frankenabhängigkeit geringer ist.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Seit Jahresbeginn ist der SMI um rund 8 Prozent gestiegen und steht derzeit bei 8940 Punkten. Aus Sektorsicht haben Gesundheit und defensive Konsumgüter am meisten zu dieser Entwicklung beigetragen. Unser 12-Monats-Preisziel ist relativ bescheiden und liegt bei 9100 Punkten oder +2,3 Prozent. Addiert man die Dividendenrendite von rund 3,3 Prozent, ergibt sich doch eine ansehnliche Preissteigerung.

Mit Sika ist kurz nach Lonza bereits wieder ein Titel neu zum SMI gestossen. Was bedeutet das für die Entwicklung der Aktie?
Die Aufnahme von Sika in den Leitindex SMI hat sich im Vorfeld positiv auf den Aktienkurs ausgewirkt. Dieser Effekt war aber nur kurzfristig und hat keinen wesentlichen Einfluss auf die längerfristige Entwicklung der Aktie. Die Aufnahme in den SMI ist eine Bestätigung des Managements und der Geschäftsentwicklung. Ein Rückschluss auf die Zukunft lässt sich damit aber nicht ziehen.

Laut der Axa-Fondswissensstudie 2017 wollen Anleger eher auf den Heim- oder Banksafe vertrauen, als Negativzinsen auf dem Bankkonto zu akzeptieren. Erstaunt Sie dieses Resultat? Was wäre Ihr Alternativtipp für Sparer, die sich von Negativzinsen bedroht sehen?
Nein, das Resultat erstaunt nicht. Allerdings gibt es Alternativen. Man muss aber kompromissbereit sein bei Liquidität und/oder dem Risiko und in ein strukturiertes Produkt investieren. Ein mögliches Beispiel ist die Kombination zwischen Termineinlagen und 100 Prozent Kapitalschutz. Ein anderes Beispiel ist die Kombination von Cash mit einer Aktienanleihe. Je nach Ausgestaltung schwankt die Rendite dabei zwischen 0,1 Prozent und 1,1 Prozent. Nicht viel, aber zumindest nicht negativ.

Welches Land könnte der «Schwellenländermarkt 2017» werden?
Unsere zwei Favoriten sind Indien und Südkorea. Indiens Stärke liegt darin, dass die Regierung das Land zurück auf den Wachstumspfad gebracht hat. Kurzfristig schmerzhafte Reformen bringen langfristigen Gewinn. Die Investoren haben das verstanden. Südkorea hat zum einen eine Regierungskrise überstanden und zum anderen ist der MSCI Südkorea mit 44 Prozent stark im IT-Sektor exponiert. Das erste wirkt sich positiv auf die Investorenstimmung aus und das zweite auf die Gewinnentwicklung.

China treibt die Entwicklung einer neuen Seidenstrasse voran. Auch Bundespräsidentin Doris Leuthard zeigte mit der Teilnahme am Gipfel in Peking ihr Interesse am Projekt. Bietet das Mammut-Projekt auch Chancen für Anleger?
Absolut. Das Ziel der neuen Seidenstrasse ist der Ausbau von Infrastrukturen für ganz Asien in den Bereichen Stromerzeugung, Eisenbahnen, Strassen und Seewege, Öl- und Gas-Pipelines sowie Logistik allgemein. Chinesische Unternehmen, wie Baufirmen, Telekommunikationsausrüster, Hafenbetreiber oder Anbieter von Eisenbahntechnik, werden von dieser Entwicklung profitieren aber auch westliche Unternehmen. Auf dem Markt werden diesbezüglich bereits Produkte angeboten.

* Heinz Rüttimann ist Emerging Market Strategy Analyst bei der Bank Julius Bär.

 

 

 

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