1. Home
  2. Invest
  3. Wieso Investieren in Value gross in Mode ist

Strategie
Wieso Investieren in Value gross in Mode ist

Labor: Auf den Aktien von Pharma-Firmen lasten grosse Unsicherheiten. Keystone

Die Beliebtheit von Anlagestilen unterliegt Moden. Der Value-Stil erlebt gerade ein Comeback. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.

Von Carla Palm und Peter Manhart
am 02.02.2017

Die Beliebtheit von Anlagestilen wechselt häufiger in der Gunst der Anleger, seit es einfacher geworden ist in Momentum-, Tiefe-Volatilität-, Size- oder Value-Strategien (siehe Grafik unten) mit entsprechenden kotierten ­Indexfonds zu investieren. Im Jargon werden die Produkte Smart Beta ETF genannt. Christian Gast, Leiter von iShares Schweiz, erklärt: «In den USA finden bereits 25 Prozent aller Neuzuflüsse in Smart-Beta-Produkte statt. Der Wert liegt in Europa noch deutlich tiefer. Wir erwarten deshalb 2017 weiteres Wachstum.»

Vor allem professionelle Anleger würden in der taktischen Allokation ihrer Portfolios regelbasierte Indexanlagen auf Einzelfaktoren einsetzen. Doch welcher Stil ist derzeit en vogue? Ein Blick in die Statistik von iShares zeigt, dass im ersten Halbjahr 2016 vor allem «risk off»-Strategien wie «Tiefe Volatilität» gefragt waren.

Mit Blick auf die damaligen Verwerfungen an den Finanzmärkten erstaunt das nicht. Die zweite Jahreshälfte sei dann von zunehmendem Risiko­appetit und entsprechenden Zuflüssen in Faktoren wie Value und Size geprägt gewesen, so Gast. Dieses Momentum habe sich nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten weiter akzentuiert.

Hohe Zuflüsse in Value-ETF

Ähnlich klingt es bei der Deutschen Asset Management. Roger Bootz, Leiter öffentlicher Vertrieb passive Produkte, führt aus: «Wir haben im Herbst 2016 ein deutlich steigendes Interesse an Value-ETF gesehen. Im Oktober und November flossen rund 300 Millionen Euro in Eu­ropa in ETF mit diesem Fokus.» Aber nicht nur Anbieter passiver Anlagen spüren das wiedererwachte Interesse an Value-Anlagen. Auch der Schweizer Fondsanbieter Braun, von Wyss & Müller spürt vermehrt Anzeichen, dass der Zy­klus von einer typischen Growth- in eine Value-Phase dreht. «Das freut uns natürlich, da wir seit über zwanzig Jahren den Value-Stil konsequent umsetzen», erklärt Portfoliomanager Thomas Braun.

Gerade erst ist ein Value-Fonds der Schweizer mit dem renommierten Deutschen Fondspreis 2017 ausgezeichnet worden. Die Performance kann sich sehen lassen: Seit seiner Auflegung 1997 erzielte der Classic Global Equity Fund eine annualisierte Rendite von 9,6 Prozent.

Peter Frech, Fondsmanager bei der Schweizer Anlageboutique Quantex, bestätigt den Befund der Mitbewerber: «Durch die steigenden Zinsen müssen viele Anleger ihre Asset Allocation überdenken. Da Value-Aktien bisher davon profitierten, hat dies auch bei uns zu ­stärkeren Inflows in den Quantex Global Value geführt.» Er ergänzt: «Value war in letzter Zeit vor allem bei zyklischen Titeln – etwa aus dem Finanzsektor – zu finden. Diese Aktien haben outperformt und werden es vermutlich auch weiterhin tun.»

Auf den US-Gesundheitssektor setzen

Angesprochen auf jüngste Zukäufe sagt Frech: «Am meisten investieren wir derzeit im US-Gesundheitssektor: Die poli­tische Unsicherheit ist gross und die Stimmung nach einem miserablen 2016 schlecht – doch die Fundamentaldaten und Bewertungen sind aus unserer Sicht sehr attraktiv.» Dazu zählen etwa die Titel Amgen, Express Scripts und McKesson. Thomas Braun von Braun, von Wyss & Müller hat in seinem Fonds gerade erst die Aktien des Stromaggregateherstellers Aggreko aufgenommen.

«Unsere Strategie ist es, den inneren Wert eines Unternehmens zu bestimmen und die Aktien der Gesellschaften zu kaufen, die am stärksten unterbewertet sind», erklärt er. Die Erfahrung zeige jedoch, dass es eine Zeit dauern kann, bis der breite Markt die Unterbewertung der Titel erkennt und der Kurs aufholt.

Langen Atem wird Braun bei seinen Positionen im Schweizer Vermögensverwalter EFG International und der Einzelhandelskette Fossil benötigen. Beide Titel erlitten im vergangenen Jahr spürbare ­Verluste. Dessen ungeachtet wird an den Positionen festgehalten. Value-Anleger brauchen aber nicht nur Geduld, auch laufen sie Gefahr, in Value-Traps zu treten, sprich Ak­tien zu kaufen, die aus den richtigen und nicht den falschen Gründen tief bewertet sind.

Vorsicht Value-Fallen

Laut Frech lauern solche derzeit am ehesten im Einzelhandel und im Rohstoffsektor. Teuer seien nach wie vor auch Aktien aus stabilen und defensiven Branchen wie Lebensmittel und Getränke. «Das sind keine Value-Aktien mehr aus unserer Sicht, sondern vielfach Bond Proxies, die als Anleihenersatz gekauft wurden und nun unter steigenden Zinsen leiden», so Frech.

Dieser Befund trifft auf einen grossen Teil des Aktienmarkts zu. Als Folge der jahrelangen Hausse sind ­viele Titel im historischen Vergleich überbewertet. Gegenüber den in den vergangenen Jahren beliebteren Growth-Aktien wird Value zu einem deutlichen Abschlag gehandelt. Gemäss VP Bank zeigen empirische Studien, dass Value-Aktien immer dann profitieren, wenn die Gewinnrevisionen ins Positive drehen. Derzeit seien die Revisionen so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das Comeback von Value hängt auch damit zusammen und dürfte den Anlagestil noch populärer machen.

Abonnieren Sie unseren stocksDIGITAL-Newsletter und erhalten Sie jede Woche die besten Invest-Tipps per E-Mail. Der StocksDIGITAL-Newsletter ist ein kostenloser Informationsdienst der Handelszeitung und wird jeden Freitag versendet: Hier geht es zu Anmeldung.

Anzeige