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Worauf Anleger bei Schotten-Referendum setzen

Schottland: Fast sämtliche Rohöl- und Gasvorkommen Grossbritanniens liegen in Schottland. Bloomberg

Es wird eng für Grossbritannien. Laut aktuellen Umfragen könnten sich die Schotten schon in wenigen Tagen für ihre Unabhängigkeit entscheiden. Das dürfte dem britischen Pfund schaden.

Von Georg Pröbstl
am 11.09.2014

Die Spannung steigt. Nur noch wenige Tage und die Schotten stimmen über die Unabhängigkeit ab. Am 18. September findet das Referendum über den Austritt aus dem Vereinigten Königreich statt. Und die Stimmung gedreht: Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagen 51 Prozent «Ja» zur Unabhängigkeit Schottlands. Vor vier Wochen waren es nur 43 Prozent, Anfang August sogar nur 39 Prozent der Befragten. Eine andere Umfrage des Meinungsforschers TNS zeigt ebenfalls einen deutlichen Aufschwung der Befürworter der Unabhängigkeit.

Da derzeit knapp 20 Prozent der Stimmberechtigten unentschlossen sind, ist der Ausgang des Referendums noch nicht absehbar. Anleger fragen sich: Was passiert, wenn Schottland unabhängig wird? Wie kann man davon profitieren? Naheliegend sind Auswirkungen eines möglichen Austritts Schottlands auf das britische Pfund.

Schottland – das Land sitzt auf den Ölreserven

«Die Gefahr, dass das Pfund abwärts gehen wird, steigt umso mehr, je näher der 18. September rückt», vermutet Phyllis Papadavid, Devisenexpertin bei BNP Paribas. Aber es ist wohl eher damit zu rechnen, dass die Schotten auch bei einem Wahlerfolg der Separatisten weiterhin mit dem Pfund Sterling bezahlen wollen und dass sie eine Art Währungsunion mit dem Königreich bilden würden. Denn für den Fall, dass die Schotten ohne Pfund auskommen müssten, drohen die schottischen Nationalisten aus der SNP, dass kein Penny der britischen Staatsschulden übernommen würde.

Doch kurzfristig könnte bei einem Wahlerfolg der Separatisten ein Anstieg der Unsicherheit zu erwarten sein und ein Kursrückgang beim Pfund. Mittel- und langfristig ist ebenfalls mit Verwerfungen zur rechnen. Denn: Was geschieht mit dem Öl und Gas in der Nordsee, falls Schottland eigene Wege geht? Zwar entfällt nur rund ein Zehntel der Bevölkerung und der Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs auf Schottland, doch 90 Prozent der Öl- und Gasreserven schlummern im hohen Norden der Insel und damit auf schottischem Gebiet.

Ölmilliarden – ein eigener Staatsfonds wäre möglich

Da geht es um gewaltige Summen. Dazu zählen nicht nur Steuereinnahmen von etwa sieben Milliarden Pfund im Jahr aus dem Ölsektor, sondern auch ein Exportvolumen von jährlich rund acht Milliarden Pfund. Schätzungen des David Hume Instituts in Edinburgh gehen davon aus, dass Schottland auf Öl- und Gasreserven im Wert von bis zu vier Billionen – das sind 4000 Milliarden – Pfund sitzen soll. Das weckt Begehrlichkeiten.

Die schottische Regierung sagte bereits, man könne bei einer möglichen Unabhängigkeit des Landes einen Staatsfonds, ähnlich wie in Norwegen, zum Wohl der eigenen Bürger einrichten und mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft füttern. Öl und Gas nur für Schottland – das wäre ein Schlag und eine Schwächung der britischen Wirtschaft und hätte sicher Folgen auf den Wechselkurs des Pfunds.

Zinsschritt der Bank of England könnte sich verschieben

Anleger, die einen Wahlsieg der Separatisten erwarten, können auf einen Kursverfall des Pfunds gegenüber anderen Währungen setzen. Während die Spekulation Euro/GBP wegen der in der vergangenen Woche von der EZB angekündigten geldpolitischen Lockerung möglicherweise weniger erfolgversprechend ist, bietet sich das Verhältnis GBP/Dollar (Put, ISIN: CH0244504541, Laufzeit endlos, Knock-out und Basis jeweils 1,7435) oder GBP/CHF (Mini Future Short, ISIN: CH0114074187, Laufzeit endlos, Knock-out 1,6526, Basispreis 1,6692) an.  

Ein möglicher Kursrutsch des Pfunds bei erfolgreicher Unabhängigkeitsabstimmung in einer Woche könnte sogar durch einen weiteren Punkt beschleunigt werden: Eine Verschiebung der geplanten Zinshebung. Erst vor wenigen Tagen kündigte der Chef der Bank of England, Mark Carney, eine Normalisierung der Zinsen an – Experten erwarten den Zinsschritt im Frühling 2015. Doch ein mögliches Ausscheren Schottlands aus dem Königreich hätte eine Reihe Unsicherheiten und Unwägbarkeiten zur Folge, ein Zinsschritt der Bank of England könnte sich verzögern. Das würde das Pfund zusätzlich belasten.

Austritt Schottlands – Aufwind für Separatisten in Europa

Nun kommt aber noch ein anderes Szenario ins Spiel: Die Schwächung des Euro. Denn eine erfolgreiche Separation der Schotten könnte auch bei der möglichen und für 2017 erwarteten Volksabstimmung der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft das Ausscheren der Insel aus der EU bedeuten. Auch andere Separatisten in Europa – etwa in Katalonien, im Baskenland, auf Korsika, in Flandern oder im norditalienischen Padanien – könnten durch Unabhängigkeitserfolge der Schotten Rückenwind bekommen.

Das wäre schlecht für den Euro. Da die europäische Einheitswährung durch die vor einer Woche beschlossene Zinssenkung verbunden mit dem Ankauf von faulen Krediten durch die Europäische Zentralbank gegenüber dem US-Dollar ohnehin schon unter Druck steht und die US-Fed ihre Leitzinsen erhöhen will, könnte das den Euro noch weiter belasten. Diese Erwartung spielen Anleger am besten mit einem Put auf das Wechselkursverhältnis EUR/USD (Put, ISIN: CH0200973664, Laufzeit endlos, Knock-out und Basis jeweils 1,4287).

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Gerard Butler: Dem britischen «Guardian» sagte er, er könne keine Nachteile einer Unabhängigkeit erkennen. Der Schauspieler gehört also zum Kreis der Befürworter einer Abspaltung.