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Zalando und Rocket Internet: Finger weg für Anleger

Rubin Ritter, David Schneider und Robert Gentz: Sie feiern den Zalando-IPO. Bloomberg

Nach dem Mega-Börsengang von Alibaba geht es Schlag auf Schlag: Der Online-Händler Zalando ist an der Börse gestartet, am Tag darauf folgte Rocket Internet. Wie es um die Aktien steht.

Von Georg Pröbstl
am 02.10.2014

Kasse machen ist offenbar in Mode. Vor einer Woche brachte Alibaba-Chef Jack Ma sein Online-Handelsunternehmen an die Börse und kassierte beim Börsengang 25 Milliarden Dollar. Am Mittwoch  ging gleich der nächste Online-Händler aufs Parkett: die deutsche Zalando. Im Vergleich zum chinesischen Konkurrenten ist das Unternehmen aus Berlin mit einem Börsenwert von rund 5,0 Milliarden Euro zwar nur ein Zwerg, doch immerhin spülte auch dieser IPO den bisherigen Aktionären jede Menge Geld in die Kassen. Bei einem Emissionspreis von 21,50 Euro je Aktie waren das rund 600 Millionen Euro.

Und die Angestellten konnten sich via Mitarbeiterprogramm am Börsengang beteiligen. 4000 der insgesamt 7000 Mitarbeiter des Unternehmens nahmen das Angebot an und besitzen nun Zalando-Aktien im Wert von jeweils bis zu 180 Euro – fallweise sogar weitere Papiere, die sie mit einem Rabatt von 25 Prozent auf den Emissionspreis bis zur Obergrenze von 720 Euro zeichnen konnten.

Zalando – schleppende Kursentwicklung

Bei Erlösen von 1,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr wurde die Aktie an der Börse auf Emissionsniveau mit dem dreifachen Jahresumsatz bewertet und kostet damit in etwa so viel wie beispielsweise Deutsche Lufthansa, die zu den grössten Airlines der Welt zählt. Anders als bei Alibaba gab es bei der Zalando-Aktie jedoch keine hohen Kursgewinne auf den Emissionspreis. Nach zwischenzeitlichen Steigerungen von bis zu knapp 15 Prozent schloss Zalando am Ende des ersten Handelstages exakt auf Emissionsniveau. Am Tag danach gab es jedoch bereits Kursverluste von rund 10 Prozent.

So viel zu Teil eins des Kasse-Machens. Die Zalando-Altaktionäre, die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer, präsentierten schon einen Tag nach dem IPO von Zalando, am Donnerstag, den nächsten Deal: Den Börsengang ihrer Holding Rocket Internet. Diese Dachgesellschaft hat etwa 100 weltweit aktive Firmen im Portfolio und ist auf Start-ups fixiert. Innert 100 Tagen soll ein Samwer-Start-up von null auf 100 starten und marktreif sein: Zusammenbasteln einer Idee sowie von Produktionsfaktoren und dann geht’s los.

Rocket Internet – ein weiterer Emissionsflop

Auch der IPO vom Donnerstag verlief hinsichtlich Kursentwicklung nicht berauschend. Bezogen auf den Emissionspreis von 42,50 Euro je Aktie lag der Emissionserlös bei 1,6 Milliarden Euro und der Unternehmenswert bei rund 6,7 Milliarden Euro. Darin ist Zalando nicht mehr enthalten. Wie bei Zalando soll aber auch hier das IPO-Geld teilweise in die weitere Expansion fliessen. Die drei Samwer-Brüder wollen Rocket zur weltweit führenden Internet-Plattform, exklusive USA und China, ausbauen.

Trotz der ambitionierten Ziele rutschte Rocket Internet gleich am ersten Handelstag zwischenzeitlich bis zu rund 15 Prozent unter den Emissionspreis. Schluss war ausserbörslich bei 37,60 Euro, was einem Minus von 11,5 Prozent entspricht.

Hohes Wachstum, hoher Verlust

Offensichtlich sind die Anleger skeptisch. Die Frage ist berechtigt, wie es bei den beiden Samwer-Emissionen weitergehen wird. Denn anders als der grosse Bruder Alibaba war Zalando bisher nicht profitabel. Doch rechnen einige Experten mit einem Plus am Jahresende.  

Und wie bei Zalando ist auch bei Rocket Internet der Gewinn das Problem. Denn die elf grössten und etabliertesten Firmen des Portfolios konnten ihren Umsatz im 2013 zwar auf rund 700 Millionen Euro mehr als verdoppeln, sie lieferten aber dennoch einen Verlust von über 400 Millionen Euro. Mit Dividenden ist damit wohl weder bei Rocket noch bei Zalando auf absehbare Zeit zu rechnen.

Nur für risikofreudige Anleger

Kritische Stimmen fragen sich, wie es möglich sein kann, quasi aus dem Nichts innert weniger Jahre zwei börsenkotierte Unternehmen mit einem Marktwert bei Emission von fast 12 Milliarden Euro zu schaffen.

Dass es nicht selbstverständlich ist, dass Online-Firmen für Neu-Aktionäre nach einem Börsengang gut gehen, zeigt das Beispiel Groupon. Erst hochgepusht mit reichlich Werbung hat der Kurs der Internet-Plattform seit den Hochs zum Börsengang Ende 2011 rund 80 Prozent an Wert verloren. Anstatt hoher Gewinne stand beim Rabattkonzern aus Chicago ein dicker Verlust in den Büchern. Angesichts der schwachen Gewinnhistorie werfen also am besten nur risiko- und spekulationsfreudige Anleger einen Blick auf Zalando und auf Rocket Internet. Während Zalando als Einzelunternehmen vergleichsweise transparent ist, scheint Rocket Internet als Dach- und Holdinggesellschaft wenig durchsichtig zu sein und dadurch riskanter. Dass es zu einem Kursverlauf wie bei Groupon kommen wird, kann nicWaht ausgeschlossen werden.

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