Seit vielen Jahren wird das Ende von Zertifikaten vorausgesagt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Im Juni 2009, also inmitten der Finanzkrise, lag die Zahl der kotierten Produkte bei 20'500. Zwei Jahre später waren bereits wieder mehr als 30'000 «Strukis» an der SIX zu finden. Dieses Niveau konnte bis heute gehalten werden. Das dürfte auch weiterhin so bleiben, denn Banken und Finanzdienstleister emittieren fleissig. Schon im ersten Semester wurden 19'300 Produkte neu an der SIX gelistet.

Nicht alle Strukturen kommen aber gleich gut an. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen weiterhin Renditeoptimierungsprodukte und dabei vor allem die Barrier Reverse Convertibles (BRC). Mit mehr als 6000 kotierten Produkten sind BRCs die Lieblinge der Börsianer. Auch wenn es in dieser Struktur zu keinen grossen Innovationen mehr kommt, haben die Emittenten Stellschrauben gefunden, um an den Konditionen zu drehen. Eine davon ist die Callable-Funktion, also das Recht des Emittenten auf eine vorzeitige Rückzahlung. Dieses peppt die Renditechance, insbesondere im aktuellen Umfeld tiefer Volatilitäten, auf. Die allseits beliebten BRCs wurden im Laufe der Zeit zudem um eine Partizipationsrate erweitert. Damit lässt sich über den Coupon-Level hinaus an steigenden Kursen des Basiswertes partizipieren. Aber die Emittenten lancieren auch vermehrt Multi-BRCs mit Basiswerten derselben Branche. Anleger können damit gezielt an Seitwärtstrends in verschiedenen Sektoren partizipieren.

Hohe Renditechance im Big-Data-Sektor

Ein besonders fleissiger Emittent in diesem Bereich ist Leonteq. Neu in der Palette der Bank befindet sich ein BRC auf ein eher selten abgebildetes Trio aus QLink, Splunk und VM Ware. Die Tech-Unternehmen sind allesamt im aufstrebenden Big-Data-Sektor tätig. Das Dreigestirn bringt mit einem Coupon von 20,0 Prozent p.a. eine hohe prozentual zweistellige Renditechance mit.

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Auch der Risikopuffer von 41 Prozent kann sich sehen lassen. Darüber hinaus ist das in Franken aufgelegte Produkt aufgrund der Quanto-Funktion gegen Währungsschwankungen immun. Die Laufzeit beträgt 1,25 Jahre. Um eine hohe Gewinnchance bieten zu können, hat Leonteq das Callable-Feature ebenfalls in der Struktur verankert. Erstmals nach sechs Monaten kann die Emittentin das Produkt quartalsweise vorzeitig zurückzahlen.

Neues Produkt mit Hebel und Kapitalschutz

Dass sich Kapitalschutz und überproportionale Partizipation nicht gegenseitig ausschliessen, zeigt Julius Bär. Die Privatbank hat kürzlich ein entsprechendes Produkt auf die drei SMI-Mitglieder Swiss Re, Swisscom und Zurich Insurance emittiert. Bezogen auf den Nominalwert verfügt das Papier über einen Kapitalschutz von 95 Prozent zum Laufzeitende.

Auf der Oberseite nimmt das Zertifikat mit einem Hebel von 115 Prozent teil. Ein Cap ist dabei in der Struktur nicht zu finden. Während die Gewinnchance also unlimitiert ist, beschränkt sich das Verlustrisiko auf 5 Prozent.

Faktor-Zertifikate mit konstantem Hebel sind gefragt

Was in den Statistiken der SIX seit kurzem hervorsticht, ist das Wachstum bei den sogenannten «Constant Leverage»-Produkten. Dabei handelt es sich um derivative Finanzinstrumente, die über einen konstanten Hebel verfügen. In der Branche werden diese zumeist als Faktor-Zertifikate benannt. Vor einem Jahr waren erst 477 derartige Produkte an der Börse zu finden, aktuell sind es mehr als 1100.

Innovator der Faktor-Zertifikate war die Commerzbank, die auch heute noch über die grösste Emissionspower in diesem Bereich verfügt. Erst kürzlich hat die Bank ihre Palette weiter aufgefüllt und Papiere mit Hebel 6 auf ausgewählte Schweizer Blue Chips gebracht. Interessant erscheint derzeit das neue Produkt auf Roche. Der Pharma-Riese setzte mit seinen Halbjahreszahlen einen Glanzpunkt in der SMI-Berichtssaison.

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Der Multi-BRC von Leonteq widmet sich dem Thema «Big Data». Der Coupon beträgt 20 Prozent p.a., die Barriere ist bei 59 Prozent der Startwerte angesetzt. Wird diese nicht verletzt, erzielt das Produkt am Laufzeitende vom 28. Oktober 2015 die Maximalrendite. Eine vorzeitige Rückzahlung ist ab dem 26. Januar 2015 möglich.

Noch bis zum 8. August können Anleger den neuen BRC mit Partizipation von Julius Bär zeichnen. Er bezieht sich auf das Blue-Chip-Tech-Trio IBM, HP und Microsoft. Der Risikopuffer für den Nominalwert beläuft sich auf einen Viertel. Sollte die Durchschnittsperformance des US-Baskets am Ende über dem Coupon-Level von 7 Prozent liegen, nimmt der BRC eins zu eins daran teil.

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Das Papier von Julius Bär verfügt über einen 95-Prozent-Kapitalschutz sowie über einen Hebel nach oben von 115 Prozent. Entscheidend für die Performance ist der schwächste Basiswert. Gerechnet wird ab 95 Prozent des jeweiligen Strikes. Sollte beispielsweise der «Worst-Performer» um 15 Prozent zulegen, erzielen Inhaber des Zertifikats ausgehend vom Kapitalschutzniveau einen Zuwachs von 18 Prozent.

Der Pharma-Konzern konnte mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Finanzgemeinde erneut übertreffen. Mit dem frisch emittierten Faktor-Zertifikat von der Commerzbank können Anleger mit einem konstanten Hebel von 6 auf weitere Kursavancen des SMI-Schwergewichts wetten. Das Produkt verhält sich volatilitätsneutral, und es gibt keinen Knock-out in der Struktur.

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