Ein kleines Zinsschrittchen von 0,25 Prozent versetzt die Finanzwelt in Aufruhr. Mit gutem Grund: Auf all jene, die sich bisher günstig verschulden konnten, kommen nun härtere Zeiten zu. Doch, welche Schuldner geraten dabei am schnellsten in Bedrängnis?

Die Grafik unten zeigt Ihnen, welche Länder zu den Wackelkandidaten gehören. Auf der vertikalen Achse sehen Sie deren gesamte Schuldenlast in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP). Mitgezählt sind die Schulden des Staates, der Unternehmen sowie der privaten Haushalte. Die horizontale Achse ordnet die Länder nach ihrem Wohlstand (BIP pro Kopf). Denn ein reiches Land kann auch eine höhere Verschuldung tragen. In einem Schwellenland hingegen liegt der Wert der Güter, welche pro Kopf produziert werden, nur knapp über dem Existenzminimum. Entsprechend gering sind die Möglichkeiten, Sparkapital oder Reserven zu bilden. Dieser Zusammenhang wird in der Grafik durch die blaue Kurve dargestellt. Das bedeutet: Je höher ein Land über der Kurve liegt, desto gefährlicher wird ein Zinsanstieg.

Steigende Zinsen – Griechenland, Japan und China unter Druck

Wenig überraschend, sticht hier Griechenland hervor. Immerhin, nach der Krise vom Sommer ist der Streit mit den Gläubigern vorübergehend vom Tisch. Ebenfalls heikel ist die Lage in Japan: Um eine Kreditklemme zu verhindern, kauft die japanische Notenbank derzeit Anleihen des Staates für umgerechnet 700 Milliarden Franken pro Jahr. Dank dieser Massnahme kann Japan die Gefahr, die von höheren Zinsen ausgehen würde, vorerst dämpfen.

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Prekär ist die hohe Verschuldung – wohl für viele unerwartet – auch in China. Der Befund gilt insbesondere, wenn man den tieferen Wohlstand und damit die geringere Schuldenaufnahmefähigkeit berücksichtigt. Allein seit 2007 ist die Schuldenlast des Landes von 160 auf 240 Prozent des BIP nach oben geschossen. Verantwortlich dafür ist primär der Unternehmenssektor. Erschwerend kommt hinzu: Einen grossen Teil dieser Kredite haben die Firmen in Dollar aufgenommen und nicht in der eigenen Landeswährung Yuan. So konnten sie von tieferen Zinsen profitieren.

Fester oder weicher Yuan – entweder trifft es den Export oder die Schuldner

Solche Fremdwährungskredite können sich allerdings zu einer Zeitbombe entwickeln. Das wurde auch zahlreichen Hausbesitzern in Osteuropa zum Verhängnis, welche zur Finanzierung auf eine vermeintlich günstige Franken-Hypothek setzten. Kritisch wird es, wenn  die fremde Währung plötzlich aufgewertet ist. Genau das aber passiert mit dem Dollar, wenn die Leitzinsen in den USA ansteigen. Damit gerät China in eine Zwickmühle: Entweder man lässt eine Aufwertung des chinesischen Yuan parallel zum Dollar zu, was aber die Exportindustrie empfindlich treffen und die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft weiter bremsen würde, oder die Regierung schwächt den Yuan gegenüber dem Dollar, um dem Exportsektor zu helfen. Dann aber könnte es sein, dass viele chinesische Firmen ihre erhöhten Dollar-Schulden nicht mehr begleichen können.

Fazit: Auch, wenn die US-Notenbank nur in homöopathischer Dosis an der Zinsschraube dreht – manche Schuldner geraten bereits dadurch in ernste Schwierigkeiten.

Diese Länder haben ein Schuldenproblem

Quellen: BIZ, IWF, Deutsche AWM

Die Grafik zeigt die gesamten Schulden (Staat, Unternehmen, Private) verschiedener Länder sowie deren Wohlstand. Dabei gilt: Je reicher ein Land ist, desto höhere Schulden kann es tragen (dargestellt durch die blaue Kurve). Und je höher ein Land somit über dieser Kurve liegt, desto gefährlicher wird folglich ein Zinsanstieg.

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Albert Steck ist Verantwortlicher für die Markt- und Produktanalyse bei der Migros Bank