Mit dem Richtungswechsel in der US-Geldpolitik dürften Fundamentaldaten wie Produktivität oder Gewinnwachstum wieder an Bedeutung gewinnen. Einige der entsprechenden Indikatoren stehen auf Rot. Zu diesen Indikatoren zählt das BlackRock Investment Institute (BII) in seinem kürzlich veröffentlichten Halbjahresausblick die schleppende Produktivität, die sich auf die Wachstumsraten auswirkt, die Geldpolitik und schliesslich die Gewinnmargen der Unternehmen. Ambitionierte Bewertungen in einigen Märkten und die Unsicherheit über das Tempo, in dem die Fed ihre Geldpolitik straffen könnte, erfordern Vorsicht und genaue Auswahl im Hinblick auf Länder, Sektoren und Einzelwerte.

Zu den hoch bewerteten Vermögenswerten gehören dem BII zufolge Staatsanleihen, die nahe ihren Rekordkursen notieren. Die Bewertungen von Aktien aus Industriestaaten bewegen sich im Durchschnitt, mit Ausnahme des US-Marktes. Anleihen und Währungen sind bereits volatiler geworden, und die Aktienvolatilität wird wahrscheinlich bald folgen. Portfoliorisiken auf traditionelle Weise mit Anleihen und Aktien zu streuen, wird schwieriger.

Zinsanhebung in den USA – die Fundamentaldaten könnten wieder in den Fokus rücken

Zwar haben die Turbulenzen in Griechenland den europäischen Markt beunruhigt, es werden aber Themen verschleiert, welche im zweiten Halbjahr weitaus wichtiger werden dürften. Dazu zählen geringe Produktivität und Margendruck auf der einen sowie zunehmende M&A-Aktivitäten auf der anderen Seite.

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Das BII geht davon aus, dass die Fed die kurzfristigen Zinsen im Herbst anheben wird, die Bank of England dürfte im November oder Februar 2016 folgen. Gleichzeitig sollte die Geldpolitik in anderen Regionen locker bleiben. So dürfte die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe bis September 2016 fortsetzen, die Bank of Japan ihr QE-Programm weiterführen und die People’s Bank of China vermehrt Anreizprogramme auflegen. Es ist allerdings zu früh, um vom Ende des globalen QE zu sprechen. Märkte neigen aber dazu, Ereignisse vorwegzunehmen. Dies legt nahe, dass Investoren bald wieder stärker auf Fundamentaldaten achten werden als auf die Notenbankpolitik. Zusammengefasst hält das BlackRock Investment Institute fest, dass Aktien im Vergleich zu Anleihen angemessen bewertet sind und dass europäische und japanische Aktien bevorzugt werden. Auch sollten die Schwellenländer für die straffere Geldpolitik der Fed gerüstet sein.

André Bantli, Head Distribution BlackRock Schweiz