Mit Spannung wurden an den Märkten die Quartalszahlen der europäischen Versicherer erwartet. Das Interesse war deshalb so gross, weil die Branche vor beträchtlichen Herausforderungen steht. Dazu gehört zum Beispiel das anhaltende Niedrigzinsumfeld, das sich insbesondere im Lebensversicherungsbereich zunehmend als Problem herausstellt, denn das überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren angelegte Kapital der Versicherungskunden wirft nur wenig Ertrag ab und macht es schwierig, die versprochenen Renditen erzielen zu können. Ein anderer Punkt ist, dass sich einige Versicherer in einem Umbruchprozess befinden. Entsprechend gross ist die Neugier der Anleger zu sehen, wie die Konzerne bei der Neuausrichtung vorankommen.

Swiss Life: Geringere Prämieneinnahmen

Mittlerweile haben fast alle wichtigen Versicherer die Bücher offengelegt. Bei der überwiegenden Zahl der Assekuranzen fielen die Zahlen besser aus als erwartet. Die Quartalsberichte offenbarten dabei jedoch häufig die eine oder andere Schwachstelle. Auch bei den heimischen Branchenvertretern lief nicht alles reibungslos. Bei Swiss Life (ISIN CH0014852781) sanken zum Beispiel die Prämieneinnahmen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1 Prozent auf 6,9 Milliarden Franken. Für Ernüchterung sorgte auch die Entwicklung in den wichtigen Märkten Frankreich und Deutschland, wo die Prämieneinnahmen um 3 und 14 Prozent zurückgingen.

Immerhin: Im Schweizer Heimatmarkt stiegen die Einnahmen dank einer starken Nachfrage von kleinen und mittleren Unternehmen nach Vollversicherungslösungen (Pensionskassengeschäft) um 7 Prozent. Ausserdem hat die Gesellschaft eigenen Angaben zufolge bereits 80 Prozent der bis 2015 angepeilten Einsparungen aus dem nach dem AWD-Debakel eingeleiteten Kostensenkungsprogramm umgesetzt. Trotzdem überwog die Enttäuschung. Die Schwäche des Auslandsgeschäfts komme unerwartet, urteilt Georg Marti, Analyst bei der ZKB. Gewinnzahlen veröffentlicht Swiss Life übrigens nur auf Halbjahresbasis. Nach Bekanntgabe der Daten ging der Kurs tagelang zurück, prallt jetzt aber von der Unterstützung bei 200 Franken wieder nach oben ab.

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Zurich: Über den Erwartungen

Auf eine deutlich positivere Resonanz stiessen die Quartalszahlen von Zurich (ISIN CH0011075394). Zwar gingen auch hier die Prämieneinnahmen leicht um 0,3 Prozent auf 15,5 Milliarden US-Dollar zurück, dafür überzeugte der Anstieg des Quartalsgewinns um knapp einen Fünftel auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Konsensschätzung der Analysten lag mit knapp 1,1 Milliarden Dollar deutlich tiefer.

«Wir können bereits einige erste positive Anzeichen bei der Umsetzung unserer strategischen Ziele für den Zeitraum von 2014 bis 2016 erkennen, wenngleich noch viel zu tun ist», kommentierte Finanzchef George Quinn die Zahlen. Zurich hatte Ende 2013 ihre mittelfristigen Renditeziele wegen der niedrigen Zinsen zurückgeschraubt und im März Kostensenkungsmassnahmen angekündigt.

Analystenlob für Swiss Re

Die Erwartungen deutlich übertroffen, hat auch Swiss Re (ISIN CH012688156). Dennoch gibt es keinen Grund für Jubel, denn aufgrund eines schwachen Lebensrückversicherungsgeschäfts sank der Konzerngewinn des weltweit zweitgrössten Rückversicherers zum Jahresauftakt um 11 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Dank einer geringeren Schadensbelastung aus Naturkatastrophen wurde die Konsensschätzung der Analysten in der Höhe von 909 Millionen Dollar dennoch klar übertroffen.

Als Folge fielen die Kommentare der Analysten überwiegend positiv aus. So bescheinigt Stefan Schürmann von der Bank Vontobel der Swiss Re einen gelungenen Start ins neue Geschäftsjahr. Vielversprechend seien auch die Vertragserneuerungen im April gewesen, auch wenn das Preisniveau unter Druck bleibe. Schürmann rät zum Kauf der Aktie und sieht das Kursziel bei 92 Franken.

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Die Favoriten der Analysten

Wie eine Auswertung vom Nachrichtendienstleister Thomson Reuters zeigt, wird Zurich von den Analysten unter allen Schweizer Versicherungsaktien im Schnitt am besten bewertet. Die Konsensschätzung für das 2014er-Ergebnis je Aktie (EPS) liegt bei 28.22 Franken, was einem Plus von knapp 12 Prozent gegenüber 2013 entsprechen würde.

Auch bei Swiss Re überwiegen die positiven Einschätzungen. Neben Stefan Schürmann von Vontobel sieht unter anderem auch Maciej Wasilewicz, Analyst bei Morgan Stanley, weiteres Kurspotenzial und stufte die Aktie von «Equal-weight» auf «Overweight» hoch.