Die börsengehandelten Indexfonds spriessen wie Pilze aus dem Boden. Mittlerweile können an der Schweizer Börse SIX schon 164 der sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) gehandelt werden. Als einzige Anlageklasse stiegen die im Mai gehandelten Volumen im Vorjahresvergleich: Um satte 36%.

ETF gelten als kostengünstig, transparent und einfach verständlich. Dennoch sollten sich Anleger nicht von Euphorie mitreissen lassen. So können die passiv gemanagten Fonds naturgemäss keine Überrendite erzielen, sondern lediglich den Basiswert idealerweise möglichst exakt abbilden. «Passive Investments bleiben attraktiv, aber gerade im jetzigen Umfeld bieten sich auch wieder Opportunitäten, die nur im aktiv gemanagten Fonds genutzt werden können», sagt Matthäus Den Otter, Geschäftsführer der Swiss Fund Association (SFA).

Auch können die Vehikel nicht so schnell aufgelegt werden wie etwa strukturierte Produkte. «Je komplexer der zugrunde liegende Index und je mehr Aktien aus verschiedenen Ländern enthalten sind, um so länger dauert der Lancierungsprozess», so Den Otter. Auch die Replikationsmethode beeinflusst die Lancierungsdauer.

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Es sind auch nicht alle ETF günstig. Zwar fällt die Managementgebühr von ETF selten höher als 0,85% aus - das ist deutlich weniger als die durchschnittlichen 1,5%, die aktive Fonds veranschlagen. Aber auch passive Anlagen sind unter Umständen teuer. So hat Jakob Baur, Geschäftsführer des Internet-Vergleichsdienstes fundexplorer.ch in einer Studie festgestellt, dass vor allem bei Aktien- ETF die Kostenunterschiede je nach Anbieter durchaus signifikant sind. «Im Durchschnitt schneidet die Deutsche Bank am besten ab», so Baur. Eher teuer ist die Produktepalette von iShares. An der Gebührenhöhe habe sich auch durch die zusätzliche Anbieterkonkurrenz nichts geändert. Dass Anbieter ihre Gebühren senken, so wie Invesco es jüngst bei vier ihrer ETF getan hat, scheint eher eine Ausnahme zu sein.

Neben dem Vergleich der Total Expense Ratio (TER) darf auch Bid-Ask-Spread (der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis) nicht vernachlässigt werden. Generell gelte die Faustregel: «Langfristig orientierte Anleger entscheiden sich eher für ETF mit tiefen TER, während kurzfristig agierende Investoren einen tiefen Bid-Ask-Spread bevorzugen», so Baur.

Alain Picard, ETF-Spezialist bei der SIX, stellt fest: «Teure ETF sind vor allem bei Nischenprodukten oder Schwellenländermärkten zu finden.» Gerade diese Vehikel haben seit Jahresbeginn jedoch häufig die höchsten Renditen abgeworfen (vergleiche Tabelle). Picard warnt: «Ein Engagement in einen einzelnen Schwellenmarkt (z.B. Vietnam) ist nicht für jeden Anleger geeignet.» Ein gesundes Mass an Vorsicht ist auch bei ETF mit Hebel oder solchen mit alternativen Assetklassen als Unterlyings geboten. Dennoch: «Die Schweizer Börse wird noch dieses Jahr Hebelstrategieindizes lancieren», weiss der Experte. Für gut informierte Anleger, die mit der Funktionsweise und den Eigenheiten vertraut seien, böten diese «innovativen» ETF interessante Investitionsmöglichkeiten - «jedoch oft auf Kosten von Transparenz und Einfachheit», sagt Baur.

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Übernahmen keine Bedrohung

Der Markt mit den Indexfonds ist ein Volumengeschäft mit geringen Margen. «Langfristig werden wenige grosse Player überleben, die alle grossen Standardindizes zu vernünftigen Gebühren und einer angemessenen Liquidität abbilden», prognostiziert Baur. Jedoch ist der Markt mittlerweile genug breit, sodass in spezialisierten Märkten und Assetklassen auch noch kleinere Anbieter überleben können.

Was bedeutet das für den Anleger? Picard entwarnt: «Da es sich bei ETF um Fondskonstrukte handelt, welche Sondervermögen sind, hat der Investor auch bei einer Übernahme nichts zu befürchten.» Was jedoch passieren könne, seien Fondsschliessungen. In diesem Fall werden die Fondsanteile nach einer Vorankündigungszeit zum Net Asset Value (NAV) zurückbezahlt.