Der Wirtschaftssturm tobt mit voller Kraft und pfeift den Anlegern von allen Seiten um die Ohren: Miserable Wirtschaftsdaten aus dem 4. Quartal 2008 paaren sich mit enttäuschenden Jahresergebnissen der Unternehmen, Meldungen über die Einführung von Kurzarbeit oder gar eines drastischen Personalabbaus schrecken auf und zeichnen ein düsteres Bild am Firmament. Glaubt man Crash-Prophet Roland Leuschel, ist zudem der Tiefstpunkt an den Märkten noch lange nicht erreicht. Dem deutschen Börsenindex Dax beispielsweise sagt er noch eine Halbierung des aktuellen Niveaus voraus (siehe «Geldfrage» nebenan). Kein Wunder, sehen die Anleger derzeit schwarz und lassen, wenn irgendwie möglich, die Finger von Aktien.

Aufschwung nicht verpassen

Mit diesem Verhalten laufen die Investoren jedoch Gefahr, dass ihnen die Morgenröte am Horizont in Form eines Aufschwungs entgeht. Und diese scheint sich derzeit bereits abzuzeichnen. «Drei Hauptfaktoren müssen sich positiv entwickeln, damit wir von einer Wende an den Aktienmärkten ausgehen», sagt Philipp Bärtschi, Aktienstratege der Bank Sarasin. So brauche es für eine nachhaltige Rally eine Wende im Konjunkturzyklus, eine tiefere Volatilität sowie sinkende Kreditrisikoprämien.

Anzeichen einer Wende im Konjunkturzyklus geben derzeit der Baltic Dry Index sowie der ISM-Index als Konjunkturindikator für die amerikanische Wirtschaft (siehe Box). Anfang 2009 scheinen die beiden Frühindikatoren ihren Tiefstpunkt gefunden zu haben und tendieren seither wieder aufwärts. Gleichzeitig hat sich die Volatilität abgeschwächt, und auch die Kreditrisikoprämien sind, wenn auch auf hohem Niveau, seit Anfang Jahr gefallen. «Obwohl das Datenbild derzeit noch unsicher ist, haben verschiedene wichtige Indikatoren bereits Kaufsignale gesendet», so Bärtschi.

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Optimismus kehrt zurück

Mit dieser insgesamt zuversichtlichen Prognose ist der Sarasin-Mann nicht alleine. Auch unter anderen professionellen Anlegern scheint sich vorsichtiger Optimismus zu verbreiten, ganz nach der Devise, dass man dann in Aktien investieren soll, wenn die Stimmung den Nullpunkt erreicht hat. Laut einer Erhebung von HSBC und Dervative Partners unter 160 Schweizer Anlegern erwarten diese 2009 im SMI mehrheitlich einen Aufwärtstrend, wobei Aktien favorisiert werden.

Schliesslich sehen auch Aktienstratege Bernd Hartmann und Chefökonom Jörg Zeuner, beide von der VP Bank, erste positive Entwicklungen. «Der Risikoappetit der Investoren hat sich stabilisiert. So ist etwa der Markt für Emissionen von Unternehmensanleihen wieder in Schwung gekommen», schreiben sie in ihrem Marktkommentar. Selbst Milliarden-Emissionen würden vom Markt wieder problemlos absorbiert.

Dennoch bleiben sowohl die VP Bank als auch die Bank Sarasin zurückhaltend, was den Aufbau von Aktienpositionen betrifft. «Derzeit warten wir noch ab, der Zeitpunkt für einen Einstieg scheint aber nicht mehr weit», sagt Bärtschi. Und ergänzt: «Nach einem Bärenmarkt muss man nicht der Erste sein, der in Aktien investiert.» Er rät daher zur Vorsicht, zur genauen Überprüfung seines Risikoprofils und gibt zu bedenken, dass man trotz der positiven Signale auf Rückschläge gefasst sein muss. Schliesslich sei der Tiefstpunkt einer Baisse nicht voraussehbar.

 

 


Zwei Strategien für zwei unterschiedliche Szenarien

Die derzeitige Lage an den Aktienmärkten sei vergleichbar mit jener im Jahr 2001 - allerdings vor den Anschlägen vom 11. September. «Ein solcher exogener Schock kann die Konstellation augenblicklich über den Haufen werfen», so Sarasin-Aktienstratege Philipp Bärtschi. Einen vergleichbaren Schock für die Aktienmärkte hat der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 ausgelöst. Ähnliche Erschütterungen der Märkte sind angesichts der Schärfe der aktuellen Krise nicht ausgeschlossen.

Für die Anleger stellt sich daher die Frage, wie sie sich angesichts der positiven Anzeichen einer Trendwende im Aktienmarkt positionieren wollen.

Defensive Strategie Wer weiter mit Verlusten an der Börse rechnet, sollte auf defensive Werte setzen. Zu denken ist dabei an solide finanzierte Unternehmen, die den konjunkturellen Einflüssen weniger ausgesetzt sind. In diesem Falle gehören Aktien von SMI-BlueChips wie Nestlé, Roche oder Synthes zu den Favoriten.

Risikoreiche Strategie Wer aber eine Morgenröte erkennt, mehr Risiken eingehen will und (möglicherweise deutliche) Rückschläge verkraften kann, der sollte sich auf finanziell gesunde, zyklische Firmen konzentrieren. Empfohlen werden Baustofftitel wie Holcim, Industriewerte wie Schindler oder Kaba sowie der Versicherer Zurich Financial Services.(rs)