Seit Mitte Juli berechnet die von der SIX Group und der Deutschen Börse betriebene Derivatebörse Scoach drei Strategie-Indizes für Anlageprodukte. Diese Indizes repräsentieren Partizipations-, Kapitalschutz- und Renditeoptimierungsprodukte.

Damit wurde laut Angaben von Scoach ein «repräsentativer Benchmark» für die insgesamt 8000 in der Schweiz erhältlichen Anlageprodukte lanciert, mit dem sich die einzelnen Kategorien repräsentieren liessen und die auch einen Vergleich mit ähnlichen Produkten zulassen. «Die Indizes veranschaulichen die Funktionsweise der einzelnen Strukturen», lässt sich Christian Reuss, CEO von Scoach in der Schweiz, in der Mitteilung zitieren. «Anleger und Marktteilnehmer können mit diesem Instrument leicht überprüfen, ob das Produkteversprechen eingehalten wird», so Reuss weiter.

SMI als Basiswert

Der Scoach Participation Index SCOP bildet die Indexprodukte ab, die den Basiswert eins zu eins nachbilden. Der Scoach Yield Enhancement Index SCOY repräsentiert Renditeoptimierungsprodukte wie Discount- oder Reverse-Convertible-Produkte, und der Scoach Capital Protection Index SCOC soll die Performance von Kapitalschutzprodukten nachbilden, bei denen Anleger am Ende der Laufzeit zwischen 90 und 100% ihres Betrages ausbezahlt bekommen, auch wenn der Basiswert deutlich gefallen war. Erkauft wird dieser Schutz mit einer geringen Partizipation bei steigenden Kursen des Basiswertes.

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Der Basiswert der drei Indizes ist dabei der SMI, die Zusammensetzung der jeweils fünf bis zehn Produkte wird durch die Experten von Derivative Partners vorgenommen.

Vergleiche noch schwierig

Unterstützt wird die Initiative auch vom Schweizerischen Verband für Strukturierte Produkte (SVSP). Diese Indizes würden laut Verbandspräsident Roger Studer «zusätzliche Informationen für den Einsatz strukturierter Produkte in der Vermögensverwaltung» liefern. Anleger, die gleich «den Markt kaufen» möchten, finden bereits je einen Tracker auf die drei neuen Tracker.

Für den Zeitraum seit Anfang Juli lässt sich die Performance des SCOP mit dem SMI vergleichen. Dabei zeigt sich, dass der Index den Anstieg des SMI in der ersten Monatshälfte um knapp 2% unterzeichnet und den Rückgang leicht überzeichnet.

Die liquiden Indextracker selber, wie beispielsweise der sehr liquide SMIIT, weisen für den Zeitraum seit 2001 eine Abweichung von 0,5% gegenüber dem SMI auf. Individuelle Vergleiche sind (noch) nicht möglich - die drei neuen Indizes sind längst noch nicht bei allen populären Börsen-Internetseiten aufgeschaltet. Experten können immerhin auf der Scoach-Plattform die historischen Daten herunterladen.

Kritik an neuen Indizes

Die neuen Indizes stossen nicht überall auf Begeisterung. Aus Branchenkreisen ist zu vernehmen, dass solche Indizes vor allem Marketingfunktionen haben: Bei der Auswahl der Produkte in diese Indizes werden vor allem solche von bonitätsschwächeren Emittenten berücksichtigt, (auch) weil hier die Konditionen infolge der schlechteren Bonität attraktiver sind.

Zudem stellen sich Grundsatzfragen zu den Grenzen der Aussagekraft von Derivateindizes. Indizes werden im Asset Management oft als Benchmarks verwendet, aber sie seien im Bereich von Anlageprodukten, bei denen Anleger eine ganz spezifische Meinung zu einem Markt bzw. Basiswert haben und diese dann mit einem bestimmten Produkt umsetzen, nicht sinnvoll.