Die Sorgen um die Staatshaushalte haben den Aktienmärkten zugesetzt. Bei den SMI-Titeln zeigte sich dabei ein klassisches Muster: Besonders gross fiel der Einbruch bei den Finanzwerten und Grossbanken aus; die Pharma-Schwergewichte hielten sich stabil, und die zyklischen Werte, die in aufstrebenden Ländern nennenswerte Umsätze erwirtschaften, durchlebten eine Achterbahnfahrt.

Auf dem Hintergrund der staatlichen Schuldenabbauvorhaben werden sich die Anleger nun möglicherweise an neue Muster gewöhnen müssen. Was gestern noch besonders sicher erschien, könnte morgen unter Druck geraten. Und Dividenden könnten zu einem wichtigen Faktor für die Gesamtperformance werden.

Denn laut den Analysten des Brokers Exane dürften die bisher bekannt gewordenen Einsparvorhaben in den kommenden vier Jahren ein knappes Prozent des Wirtschaftswachstums kosten - falls sich ein solches überhaupt einstellt. Hinzu kommen der demografische Wandel und die chronischen Unwägbarkeiten der Finanzbranche.

Stagnation als Best-Case

«Damit wird eine stagnierende oder allenfalls ganz schwache Wirtschaft zum Best-Case-Szenario», kommentieren die Analysten. Denn ausgerechnet die am höchsten verschuldeten Länder werden den grössten Geldbedarf haben, und ihre Wirtschaft dürfte am meisten leiden. Dabei zeigt sich ein augenfälliges Muster: Länder mit einem Verschuldungsgrad von weniger als 30% des Bruttosozialproduktes weisen ein intaktes Wachstumspotenzial auf. Länder mit einem Verschuldungsanteil von mehr als 90% stagnieren. Und zwischen diesen Eckwerten dürfte das Wachstum laut den Exane-Analysten immer etwa gleich schwach ausfallen egal ob die Verschuldung bei 40%, 60% oder 90% liegt. Diese 90%-Schwelle dürften die meisten europäischen Länder 2011 oder 2012 erreicht haben.

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Aus dem Dilemma führen nur drei Wege: Entschuldung bei gleichzeitig schwächerem Wachstum beziehungsweise einer brüsken Krise, eine Weginflationierung der Schulden oder die Hoffnung auf ein Wunder bei der Steigerung der Produktivität.

Dividende erhält mehr Gewicht

Dennoch gibt es auch bei solchen ungemütlichen Perspektiven interessante Möglichkeiten, mit Aktienanlagen über die Runden zu kommen. Zentral ist dabei laut den Exane-Analysten eine Neubewertung der Dividenden. Wenn diese reinvestiert wurden, ergab sich eine langfristige Rendite von 6%, verglichen mit 1,7% ohne Dividenden-Reinvestierungen. Deshalb konzentrieren sich die ersten beiden Empfehlungen auf Aktien, die bereits hohe Dividenden entrichten und es voraussichtlich weiter tun werden, sowie auf Werte, bei denen dies noch bevorstehen könnte.

Auch im schwierigsten Umfeld wachsen einige Aktien aufgrund ihrer besonderen Marktstellung (z.B. Luxusgüter) oder weil es einzelnen Firmen gelingt, regelmässig «Revolutionen» im Konsumentenverhalten auszulösen. Und es gibt auch klare Verkaufskandidaten, weil bestimmte Branchen und Firmen besonders zyklisch funktionieren bzw. hohe Umsatzanteile mit den Kassen der öffentlichen Hand machen.