Der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre ist ein Stück weit an der europäischen und schweizerischen Papierindustrie vorbeigegangen – insofern befindet sich die Branche nicht erst seit den aktuellen Finanzmarkt-Turbulenzen, sondern schon seit geraumer Zeit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Für diese Entwicklung zeichnen weltweite Überkapazitäten, exorbitante Rohstoffkosten, explodierende Energiepreise und ein sinkender Dollarkurs verantwortlich. Nicht überall gelang es in der Vergangenheit, die enormen Kostensteigerungen schnell genug und im notwendigen Umfange auf die Kunden zu überwälzen. Die Umsätze der im Verband der schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie (ZPK) organisierten Betriebe lagen im vergangenen Jahr bei rund 2 Mrd Fr.; die gesamten Auslieferungen an Papier und Karton betrugen 1705 Mio t Papier und Karton.

Die Schweiz ist konkurrenzfähig

Wie üblich präsentiert sich die aktuelle konjunkturelle Situation der Heterogenität der Branche entsprechend uneinheitlich. Die Auslastungsgrade der in unterschiedlichen Segmenten tätigen Betriebe (grafisches Papier, Zeitungsdruckpapier, Verpackungspapier, Haushalt-, Hygiene- und Spezialpapier) sind auch heute sehr verschieden. Einzelne Betriebe melden volle Auftragsbücher, einzelne tun sich mit neuen Aufträgen schwerer, und in einem prominenten Falle musste kürzlich sogar eine Betriebsschliessung angekündigt werden: Das zum norwegischen Orkla-Konzern gehörende Zellulosewerk Borregaard im solothurnischen Luterbach wird per Ende Jahr leider die Produktion einstellen müssen. Neben der Kostenexplosion ist hier der Markt für Spezialzellulose zugunsten textiler Anwendungen förmlich zusammengebrochen.

Viele der Schweizer Betriebsstätten sind Produktionsstandorte internationaler Papierkonzerne und legen Zeugnis davon ab, dass der Standort Schweiz nach wie vor konkurrenzfähig ist. Der eben angekündigte Verkauf des grössten Werks auf Schweizer Territorium, Biberist, von der finnischen M-Real an die südafrikanische Sappi-Gruppe wird gemeinhin als Ausdruck von Vitalität und Attraktivität des verkauften Unternehmens gewertet.

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Bund und Parlament gefordert

Der exportorientierten, kapital- und energieintensiven Papierindustrie bereiten die energie- und umweltpolitischen Entwicklungen in Europa und der Schweiz grosse Sorgen: Das EU-Parlament behandelt derzeit im Bereich des Zertifikatehandels (ETS) und der Energieeffizienz Richtlinienentwürfe, die dazu angetan sein könnten, die Papierindustrie vom alten Kontinent zu vertreiben.

In der Schweiz bringt das auf den 1. Januar 2009 in Kraft tretende Stromversorgungsgesetz (Strom VG) vorerst nicht den erhofften Wettbewerb unter den Stromlieferanten, sondern den Papierfabriken inakzeptable und existenzgefährdende Strompreissteigerungen von 20 bis 30%.