Die Credit Suisse stellt den Emittenten am Schweizer-Frankenkapitalmarkt ein gutes Zeugnis aus: Während die Unternehmen mit wenigen Ausnahmen ihre Ergebnisse trotz des schwierigen Wirtschaftsumfelds halten oder gar erhöhen konnten, bleibe der öffentliche Sektor der Schweiz ein sicherer Hafen. Die Emittenten seien für die Zukunft gut aufgestellt, das grösste Risiko wird in einer rückläufigen Entwicklung der Weltwirtschaft gesehen.

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Die Ergebnisse der Schweizer Unternehmen seien im Geschäftsjahr 2011 generell solide ausgefallen, stellen die Analysten der CS in ihrer veröffentlichten Studie «Kredithandbuch Schweiz 2012» fest. Da die Firmen sich auf Kapazitätsanpassungen, Effizienzverbesserungen und eine strikte Kostenkontrolle konzentrierten, hätten sie dem widrigen Marktumfeld standgehalten.

Die gute Rentabilität habe sich auch vorteilhaft auf den Cashflow der Unternehmen ausgewirkt, so die Mitteilung zur Studie weiter. Die Entwicklung bei der Nettoverschuldung war hingegen uneinheitlich: Eine höhere Verschuldung (insbesondere bei Investitionsgüterfirmen und Versorgern) sei hauptsächlich auf die weiterhin hohen Mittelabflüsse im Zusammenhang mit Übernahmen und Fusionen zurückzuführen sowie von ungünstigen Währungseffekten und der anhaltenden Fokussierung auf die Aktionäre geprägt.

Gute Bonitätszahlen

Die meisten Unternehmen hätten jedoch mit ihren Bonitätskennzahlen ihre Position in der bestehenden Ratingkategorie gehalten, was sich auch in den zumeist stabilen Rating-Ausblicken und der geringen Zahl von Herabstufungen von Unternehmen widerspiegle, so die CS weiter. In den vergangenen Monaten zeichneten sich aber auch Probleme ab: So hatte vor allem die europäische Schuldenkrise einen Rückgang der Aktivitäten in mehreren Regionen zur Folge und der starke Franken belaste weiterhin.

Die Ausnahme von der insgesamt ermutigenden Entwicklung sei der Schweizer Versorgungssektor. Bei den Stromversorgern gab es in den letzten zwölf Monaten mit Blick auf das schwierige Marktumfeld zwei Herabstufungen, die zu acht Herabstufungen von Partnerwerken führten.

Öffentlicher Sektor bleibt sicherer Hafen

Im öffentlich-rechtlichen Sektor der Schweiz blieb die Kreditqualität der Körperschaften im vergangenen Jahr solide. Dies widerspiegle die Robustheit des Sektors auch wenn die positive Dynamik nachgelassen habe, so die CS-Analysten. Die meisten Kantone hätten im Jahr 2011 ihre Haushaltspläne übertroffen, wobei dies in einem geringeren Ausmass gelang als in den Jahren zuvor.

Die meisten Kantone verfügten nach wie vor über starke Bilanzen und erhebliche finanzielle Flexibilität. Neun Kantone hätten per Ende 2011 sogar über Nettoliquidität verfügt. Ein Belastungsfaktor sei aber für einige Kantone die Unterdeckung von Vorsorgeeinrichtungen, die in Zukunft eine Rekapitalisierungen nach sich ziehen könnten. Im Augenblick belaufe sich die Unterdeckung von Vorsorgeeinrichtungen auf 28 Milliarden Franken.

Dank des anhaltend stabilen Umfelds habe es bei den Schweizer Kantonen in den vergangenen zwölf Monaten nur zwei Herabstufungen und eine Hochstufung gegeben. Die Analysten der CS sehen weiterhin ein gewisses Potenzial für Hochstufungen der Ratings von vier Kantonen mit positivem Ausblick. Im Augenblick weist kein Kanton einen negativen Ausblick auf.

Wachstum in Schwellenländern ausschlaggebend

Für die weitere Entwicklung der Kreditwürdigkeit der Schweizer Emittenten sei der Rückgang des globalen Wachstums das grösste Risiko, heisst es. Darum behalten die CS-Analysten das Wachstum in den Schwellenländer besonders im Auge, da für viele Unternehmen diese Märkte für deren Wachstum ausschlaggebend sind. Darüber hinaus gebe es potenzielle Risiken im Zusammenhang mit Übernahmen und Fusionen.

Die Kreditwürdigkeit der meisten Schweizer Emittenten werde aber durch die generell gute Marktposition, den guten finanziellen Spielraum im gegenwärtigen Rating, Verbesserungen der Rentabilität und die weiterhin solide Liquidität unterstützt. Die CS geht davon aus, dass die von ihr beobachteten Kreditratings in den nächsten zwölf Monaten vorwiegend stabil bleiben werden, und schätzen die Aussichten für alle Sektoren mit Ausnahme der Versorger als grundsätzlich stabil ein.

Im Schweizer Kredithandbuch lautet der Rating-Ausblick für 71 der 91 untersuchten Emittenten per Ende August auf «stabil», bei vier ist er «positiv» und das Risiko von Herabstufungen wird mit «negativ» bei 15 Emittenten - vorwiegend Versorger - gesehen.

Begrenztes Aufwärtspotenzial

Insgesamt habe die anhaltend hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen bereits zu relativ tiefen Bonitätsspreads geführt, insbesondere bei Emittenten mit höheren Ratings. Dies begrenze das Aufwärtspotenzial. Darüber hinaus dürfte die Unsicherheit bezüglich der hohen Staatsschulden in Europa und die gesamtwirtschaftlichen Aussichten eine anhaltende Volatilität am Markt zur Folge haben, so der Bericht.

Die CS-Analysten rechnen nach der Verengung der Bonitätsspreads von Unternehmens- und Finanzanleihen in Schweizer Franken seit Anfang 2012 nun mit einem weiteren Seitwärtstrend. Sie raten den Anlegern, die Übergewichtung in ausgewählten Investment-Grade-Emittenten aus zyklischen Sektoren und Schweizer Finanzwerten beizubehalten. In Emittenten, die als spekulativ eingestuft sind, sollte aufgrund der anhaltend höheren Volatilität selektiv investiert werden.

Die Credit Suisse publiziert das Kredithandbuch seit elf Jahren. Erfasst sind 47 Unternehmen, 16 Partnerwerke im Stromsektor, 26 Kantone und 2 Städte. Darunter sind Emittenten, die nicht durch internationale Rating-Agenturen wie Standard&Poor's abgedeckt werden.

(aho/chb/awp)