Dieses Jahr wurden die Schweizer Versicherer gleich von mehreren Stürmen heimgesucht: Nicht nur von den Hurrikanen Gustav und Ike, sondern vor allem von den mächtigen Turbulenzen rund um die Finanzkrise.

Dennoch ist die hiesige Assekuranz ungleich besser als die Investmentbanken aufgestellt: Ihr Fremdkapitalanteil ist kleiner, und sie halten das Geld ihrer Kunden, bevor sie es wieder auszahlen müssen. Zudem ist ihre Flexibilität bei Finanzanlagen höher, und sie haben, abgesehen von einigen Ausnahmen wie AIG oder Swiss Re, keine Probleme mit Kreditderivaten oder Absicherungsgeschäften. Infolgedessen hat in den letzten Tagen auch bei ihren Aktien eine Erholung stattgefunden die nun angesichts des Debakels bei der deutschen Allianz ebenfalls wieder zurückgestutzt wurde.

Zurich in den roten Zahlen?

Umso gespannter warten die Investoren darauf, dass die Unternehmen ihr Blatt aufdecken: Am 13. November wird Zurich Financial Services (ZFS) über das 3. Quartal berichten. «Die jüngste Outperformance der Aktie schafft etwas Raum für Enttäuschungen», kommentiert Spencer Horgan, Analyst bei der Deutschen Bank, «wir würden deshalb vorsichtig sein.»

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Eine Summe kleinerer Ereignisse könnte ZFS in die roten Zahlen gedrückt haben. Dazu zählen laut Horgan Wertberichtigungen bei den Aktienbeständen, die bereits angekündigten 600 Mio Dollar nach zwei Hurrikanen in den USA sowie die Pleiten von Lehman, Washington Mutual und Sigma, die ebenfalls mit 600 Mio belasten werden. Unter dem Strich droht damit ein Reinverlust von 300 Mio Dollar. Auch Andreas Schaefer, Analyst WestLB, rechnet bei ZFS mit einem Verlust.

Besonders aufmerksam werden Analysten und Investoren die Angaben zu den Wertberichtigungen bei den Wertschriftenbeständen verfolgen. Zudem erwartet man Eckwerte zur Solvabilität, obwohl es dazu bisher nur einmal jährlich ein Update gab. «Wir erwarten, dass ZFS hier den Puffer, der 10 bis 20% über dem internen minimalen Ziel liegt, halten wird», so Horgan von der Deutschen Bank.

Auch dürfen Neuigkeiten um das laufende Aktienrückkaufprogramm erwartet werden. Etwa die Hälfte des Programms ist abgeschlossen. Aber seit Juli war nichts mehr hinzugekommen. Laut Chevreux-Analyst Michael Klien ist die ZFS-Aktie mit dem 5,9-Fachen der Gewinne für 2009 bewertet und aufgrund des solide laufenden Kerngeschäfts attraktiv.

Viel hängt an der Absicherung

Bei Swiss Life, die am 12. November mit Zahlen aufwarten wird, könnte laut JP Morgan-Analyst Duncan Russell der stärkere Schweizer Franken einen Strich durch die Rechnung machen. «Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen eine Short-Position beim Franken hat», sagt Russell.

Wenn eine perfekte Absicherung gelingt, könne der Schaden auf 400 Mio Fr. Verlust begrenzt werden. Hinzu kommen strategische Risiken: Der deutsche Vermögensverwalter MLP, an dem Swiss Life einen Anteil von 25% hält, hat kürzlich eine Gewinnwarnung herausgegeben dies ist auch ein schlechtes Zeichen für die Swiss-Life-Tochter AWD, die in einem ähnlichen Umfeld arbeitet. Jene Risiken etwas abzufedern, hilft da die grosszügige Ausschüttungspolitik: Die Dividendenrendite bei Swiss Life beträgt derzeit 13%.

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Am 18. November berichtet schliesslich mit Bâloise der dritte der grossen Schweizer Erstversicherer über sein Ergebnis. Laut Michael Huttner, Analyst bei JP Morgan, hatte das Absicherungsprogramm bis Anfang September einen Nettobuchgewinn von 113 Mio Fr. eingebracht. Bâloise hat mit 7% einen vergleichsweise hohen Aktienanteil. Laut Credit Suisse liegt die Solvabilität mit 222% immer noch im komfortablen Bereich. Die Aktie ist auch darum noch ein Kauf.