Fast 1 Billion Dollar schwer ist das Konjunkturpaket, das der US-Kongress nun nach zähem Ringen bewilligt hat. Und: 150 Mrd Dollar davon sollen in Infrastrukturanlagen wie Autobahnen, Stromübertragung, Brücken, Schienenwege und Flughäfen fliessen. Zudem werden alternative Energien sowie Energieeffizienz in Gebäuden gefördert.

Eine Nachricht, auf die Anleger in Infrastruktur lange gewartet haben. «Unternehmen, die von entsprechenden Programmen profitieren, sind etwa ITC Holding, Northeast Utilities, Nstar und Duet», so Roland Pfeuti, Produktespezialist bei Julius Bär. Auch für europäische Firmen im Bereich erneuerbare Energien ergeben sich laut Pfeuti Chancen: Darunter etwa Iberdrola Renovables und EDP Renovaveis, welche ihre Marktanteile in den USA vergrössern. Vor einer Woche hat auch der Schweizer Bundesrat Konjunkturmassnahmen in der Höhe von 700 Mio Fr. beschlossen. Davon dürften zahlreiche Schweizer Firmen profitieren (siehe Kasten). Noch wichtiger für den Wirtschaftsstandort seien jedoch die Hilfsprogramme der Banken, sagt Patrick König, Senior Product Spezialist Equities bei DWS.

Langfristige Rendite

Noch offen ist, wann die verschiedenen Konjunkturpakete zu eigentlichen Aufträgen für die Firmen führen. Infrastrukturanlagen sind wegen öffentlicher Ausschreibungen und Genehmigungsverfahren oft mit langen Planungshorizonten verbunden. Länder mit sehr rasch agierenden Regierungen sind da im Vorteil.

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Die schnellste Umsetzung verspricht sich Jakob Schöchli, Analyst bei Clariden Leu, denn auch vom Konjunkturpaket in China. Die chinesische Regierung will die Wirtschaft in den nächsten Jahren mit 600 Mrd Dollar schweren Investitionen stützen. «Allerdings werden davon hauptsächlich einige wenige chinesische Unternehmungen wie die China Railway Construction Corporation profitieren», so Pfeuti von Julius Bär.

Wunder dürfen im übrigen auch von den Konjunkturpaketen nicht erwartet werden. «Sie können die schwache private Nachfrage nur teilweise kompensieren», so Schöchli von Clariden Leu.

Eine Stütze sind sie trotzdem und auf längere Sicht dürfte sich ein Engagement in den Infrastruktursektor allemal auszahlen. Denn der Nachholbedarf ist immens: «Infrastrukturanlagen wurden lange Zeit sträflich vernachlässigt», sagt König von DWS. Allein in Indien sollen in den nächsten Jahren rund 500 Mrd Dollar in die gesamte Infrastruktur fliessen. Aber auch die industrialisierten Nationen werden enorme Summen in die Modernisierung und Erneuerung bestehender Anlagen investieren. «Jeder Dollar, der in Infrastruktur investiert wird, zahlt sich aus», so König.

Verschiedene Anlagefonds investieren inzwischen in Infrastruktur. Der Julius-Bär-Infrastruktur-Fonds (Valor: 3130189) setzt schwergewichtig auf Pipelines, Transport, Strom- und Gasversorgung. Mit über 75% stark auf den Schweizer Markt ausgerichtet ist der BZ Infra Aktienfonds (Valor: 2331118). Im Mittelpunkt stehen bei diesem Vehikel inländische Stromversorger. Ein relativ grosses US-Exposure weist mit 42% der Clariden Leu (Lux) Infrastructure Fund (Valor: 2459821) auf. Dieses Produkt investiert zu einem überwiegenden Anteil in Large Caps. Das DWS-Vehikel (Valor: 3730863) DWS Invest Global Infrastructure schliesslich investiert zu knapp 50% in Versorger. Am stärksten vertreten sind Firmen aus den USA und Europa.

 

 


Auch Schweizer Titel werden vom Infrastrukturtrend erfasst

Das Konjunkturpaket der Schweiz ist vergleichsweise klein», so Patrick König von DWS. Profitieren dürften deshalb weniger grössere börsenkotierte und exportorientierte Schweizer Firmen, sondern nicht gelistete KMU.

Der Energie- und Automationskonzern ABB düfte jedoch die positiven Effekte der Pakete aus China und den USA spüren, vorab im Bereich Stromübertragung. Auch der Zementriese Holcim wird als grösster Aktionär des führenden chinesischen Zementproduzenten gewinnen. In Indien ist Holcim ebenfalls stark positioniert. Maximilian Münch, Leiter Aktien Schweiz bei der UBS, erwartet, dass Bauzulieferer Sika von Konjunkturpaketen profitiert.

Unabhängig von staatlichen Konjunkturstützen ist Eric Bonvin von der BZ Bank vom Potenzial der Schweizer Stromversorger überzeugt. So wiesen etwa die Centralschweize-rischen Kraftwerke (CKW) eine solide Bilanz auf. Und: «Die Profitabilität der Firma wird steigen», ist Bonvin überzeugt. Denn die Strompreise und die Nachfrage nach Strom zeigten weiterhin aufwärts.

Auch Unique sei interessant, so Bonvin: «Die Einnahmen aus kommerziellen Aktivitäten (Einkaufszentrum, Parkplätze, Immobilien) können fallende Aviationseinnahmen teilweise kompensieren.» Münch von der UBS hat den Titel Alpiq auf der Kaufliste: «Aus der Fusion von Atel und Eos könnten sich noch Synergien ergeben.» Ausserdem sei der neue Grosskonzern gut positioniert im Strommarkt.

Chancen ortet Bonvin auch für Huber+Suhner: «Es werden mehr und mehr Daten über Glasfaser transportiert.» Die Firma ersetzt Kupferkabel durch Glasfasersysteme. (maj)