Nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs aufzugeben, hat der US-Dollar für die reichsten UBS-Kunden offenbar an Strahlkraft gewonnen.

Simon Smiles, Leiter Anlagestrategie für die höchstvermögenden Privatkunden der grössten Schweizer Bank in Zürich, deutete im Interview mit Bloomberg News an, die Kunden seien in Sorge, eine Aufwertung des Franken könne zu Belastungen für die Schweizer Wirtschaft führen. Auch Firmen im Besitz der Kunden könnten betroffen sein.

Unsicherheit treibt Anleger in US-Werte

«Wir hatten sechs Telefonkonferenzen mit Kunden in Folge, nachdem am Donnerstag die Nachricht hereinkam», sagte Smiles in einem Interview in Singapur am Freitag. Insgesamt hätten sich die Ausrichtung hin zum Dollar und US-Anlagen in den vergangenen zwei bis drei Quartalen verstärkt. Die Unsicherheiten, die mit dem Schritt der Schweizerischen Notenbank einhergingen, dürften die Präferenz für US-Anlagen schrittweise verstärken, ergänzte Smiles.

Die SNB hatte am Donnerstagvormittag überraschend ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben. Zugleich senkte sie den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. Das Zielband für den Dreimonats-Libor verschob sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 Prozent bis minus 0,25 Prozent von bisher minus 0,75 Prozent bis 0,25 Prozent. Damit verstärkt sie ihre abweichende geldpolitische Ausrichtung gegenüber der US-Notenbank Fed, die eine Zinsanhebung erwägt.

Prognosen gesenkt

UBShat die Prognose für das Schweizer BIP-Wachstum 2015 von 1,8 Prozent auf 0,5 Prozent zurückgenommen. Mark Haefele, Chief Investment Officer weltweit bei der UBS, schrieb in einer Kundennotiz vom 15. Januar von «erheblichen» Auswirkungen eines Franken-Wechselkursanstiegs für die Wirtschaft.

Für 2016 senkte die UBS die Schweizer BIP-Prognose von 1,7 Prozent auf 1,1 Prozent. Die Schätzungen seien mit erheblicher Unsicherheit behaftet - abhängig davon, wie der Franken zum Euro notiere, schrieb Haefele.

(bloomberg/ise)