Die Aktie von Lebensversicherer Swiss Life befindet sich weiterhin im Jammertal. Seit Mitte des Jah-res hat der Valor 76% eingebüsst und ist unterdessen auf 68 Fr. abgesackt.

Jüngst haben nun auch die Experten der Bank Sarasin berichtet, dass sie nicht an eine schnelle Besserung beim Lebensversicherer glauben: Sie bewerten den Titel neu mit «Reduzieren». Und statt der Swiss-Life-Prognose, Gewinn von 1,8 Mrd Fr. für 2008, gehen Marktbeobachter nun von einem Unternehmensverlust aus.

Angeheizte Spekulationen

Trotzdem konnte Swiss Life aufgrund von Übernahmefantasien zuletzt zulegen. Carsten Maschmeyer, der Chef des deutschen Finanzdienstleisters AWD, hat unterdessen seine Beteiligung an Swiss Life erhöht. Zusammen mit seinen Söhnen hält er neu 5,24% am Lebensversicherer. Zusätzlich heizt die niedrige Marktkapitalisierung von etwa 2,4 Mrd Fr. Übernahmespekulationen an. «Es ist bekannt, dass chinesische Versicherer ausserhalb ihres Heimmarktes nach Übernahmeobjekten suchen.

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Momentan scheint sich das Interesse auf das Asien-Geschäft der AIG zu konzentrieren», sagt Analyst René Locher von Sal. Oppenheim. Ob sie auch in der Schweiz Marktanteile kaufen wollen, ist eher unwahrscheinlich. Hinzu kommt: Das aktuelle Umfeld ist für grössere Übernahmen nicht geeignet. Eine Finanzierung über Kredite ist eher schwierig zu bewerkstelligen und sehr teuer.

Operatives Geschäft vergessen

«Swiss Life hat einen Teil des Kapitals nicht optimal investiert. Statt sich in monatelange Diskussion mit MLP zu verstricken, sollte sich der Schweizer Lebensversicherer wieder vermehrt auf das operative Geschäft konzentrieren», kritisiert Sal.-Oppenheim-Analyst Locher. Das Problem sei, völlig losgelöst von der Finanzkrise, die strategische Ausrichtung von Swiss Life seit Dezember 2007. «Jede Ankündigung zur Akquisition oder Beteiligung an den in Deutschland domizilierten unabhängigen Finanzberatern AWD und MLP hat den Aktienkurs von Swiss Life ins Rutschen gebracht», bestätigt auch Rainer Skierka, Analyst bei der Bank Sarasin.

Die Analysten von Vontobel reduzieren das Swiss-Life-Kursziel von 235 auf 90 Fr. Das Rating wird jedoch auf «Halten» belassen. Vontobel erkennt einen Silberstreifen am Horizont. Im derzeitigen Aktienkurs sollen die schlechten Nachrichten bereits enthalten sein. Das bietet im allerbesten Fall Raum zu einer raschen Erholung.