Die Aktionäre des grössten Schweizer Lebensversicherers dürfen sich wieder einmal freuen. Die Wertpapiere von Swiss Life haben vor einem Monat einen Tiefpunkt durchschritten und seither über 50% an Wert zugelegt, von 42.40 auf rund 63 Fr. Für den durch die Finanzkrise und strategisch schwer nachvollziehbare Entscheide an der Börse massiv abgestraften Konzern (minus 73% in einem Jahr) zeichnet sich ein Silberstreifen ab, der die Stimmung im Hinblick auf die Präsentation der detaillierten Jahreszahlen 2008 am 24. März aufhellt.

Swiss Life spricht mit Talanx

Gründe für die Kurssteigerungen gibt es zwei. Erstens scheint Swiss Life eine Lösung mit ihrer 24%-Beteiligung am deutschen Finanzvertrieb MLP anzustreben. Dieses Paket, das AWD-Gründer und Swiss-Life-Grossaktionär Carsten Maschmeyer dem Lebensversicherer unterjubelte, brachte nichts als Ärger ein: Unverständnis bei den Aktionären, Boykott von Swiss-Life-Produkten und massiver Protest seitens MLP sowie eine Abschreibung von rund 160 Mio Fr. an der Beteiligung.

Der drittgrösste deutsche Versicherer Talanx erwägt nun einen Einstieg bei MLP und bei Swiss Life mit je rund 10%. Ein Talanx-Sprecher sagte gegenüber der «Handelszeitung»: «Diese Gespräche befinden sich in einem sehr frühen Stadium. Es wurde noch keinerlei Entscheidung getroffen. Aus diesem Grund kommentieren wir Inhalte der Gespräche derzeit überhaupt nicht.»

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MLP will sich nicht brüsten

MLP äussert sich offiziell ebenso wenig zu den Gesprächen, da man die Basis der Verhandlungen nicht kenne. Hinter vorgehaltener Hand ist man jedoch sehr zufrieden, denn Swiss Life scheine sich in die von MLP vorgegebene Richtung zu bewegen, das heisst die Beteiligung auf rund 10% zu reduzieren, so wie dies die Deutschen von Anfang an gefordert hatten. Allerdings ist es MLP ein Anliegen, nicht als Sieger zu brillieren.

Der zweite Grund für die Kurssteigerung sind die Eckdaten für das Geschäftsjahr 2008, die Swiss Life bereits im Februar vorlegte, als sich die Aktie im freien Fall befand und eine Kapitalerhöhung befürchtet wurde. Swiss Life gab Entwarnung und präsentierte eine solide Kapitalbasis. Der Lebensversicherer hatte im Oktober die Anleger erschreckt, als die Solvabilität der Gruppe auf bedrohliche 135% abgesackt war und der Konzern Massnahmen zur Stärkung der Bilanz ergreifen musste. Per Ende Dezember konnte die Quote auf 160% erhöht werden.

Die Analysten sind vorsichtig bezüglich Swiss Life und stufen die Aktie mit «Halten» ein. Zum einen warten sie die neuen Gewinnziele ab, die CEO Bruno Pfister auf den 24. März in Aussicht gestellt hat. Zum anderen ist die Bereinigung der MLP-Beteiligung noch nicht über die Bühne. Drittens ist die Situation an den Finanzmärkten nach wie vor schwierig. Zwar ist das Thema Kapitalerhöhung für die Swiss Life vorerst vom Tisch, doch die Ungewissheit bleibt bestehen. Viertens sind die Synergien von Swiss Life und AWD noch nicht richtig greifbar. Maschmeyer gedenkt, AWD zu verlassen und Swiss-Life-VR zu werden. Der Entscheid soll dem Vernehmen nach am 23. März fallen.

Expansionsgelüste der Bâloise

Der Versicherer Bâloise, der die Anleger in den letzten 52 Wochen trotz eines Verlusts von 26% im Branchenschnitt am wenigsten enttäuscht hat, dürfte operativ weiter zulegen. Gegenüber der «Handelszeitung» sagte der neue CEO Martin Strobel Anfang Februar, der Wachstumstrend sei intakt - namentlich im Schweizer Kollektivgeschäft. Überdies will der Basler Versicherungskonzern im Ausland weiter wachsen. Deshalb wurde das internationale Geschäft unter eine separate Leitung gestellt.

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Die Bank Vontobel empfiehlt, die Aktie zu kaufen, und setzt das Kursziel auf 80 Fr. Die Bâloise gehöre, so die Bank, zu den solidesten Versicherern. Das Nichtleben-Geschäft sei stark und sehr profitabel, die Dividende mit 4.50 Fr. pro Aktie (und einer Dividendenrendite von 7,8%) sehr attraktiv, was den Aktienpreis stützen dürfte. Zudem sei die Solvabilität von über 200% sehr solid.

Auch der Broker Helvea geht von einem starken operativen Geschäft und einem schwachen Anlageergebnis aus. Herausgestrichen wird ebenso die starke Kapitalisierung. Helvea empfiehlt, die Aktien zu halten (Kursziel: 77 Fr.).