Die Swiss-Re-Aktie hat im letzten Jahr den seelischen Zustand von Stefan Lippe wohl ziemlich gut gespiegelt. Der sportliche Deutsche löste im Februar 2009 Jacques Aigrain an der Spitze des Rückversicherers ab, als sich die Wertpapiere des Weltkonzerns im freien Fall befanden. Lippes Nomination und seine Rhetorik «Zurück zu den Wurzeln» vermochten den Sturz der Aktie jedoch nur kurz zu bremsen - im folgenden Monat halbierte sich der Wert nochmals und erreichte im März den Tiefstand von weniger als 12 Fr. Seither hat sich Swiss Re wieder erholt; die Aktie schloss das Jahr bei 50 Fr.

Selbstbewussteres Auftreten

Stefan Lippe ist zweierlei gelungen, und das muss er in diesem Jahr bestätigen. Zum einen hat er das angeschlagene Investorenvertrauen, ausgelöst durch die hasardösen und letztlich desaströsen Ausflüge Aigrains ins Investmentbanking, zurückgewonnen. Zum anderen hat er der Finanzgemeinde mit Zahlen, Fakten und neuen Produkten gezeigt, dass Swiss Re im Kerngeschäft, in der klassischen Rückversicherung, nach wie vor stark und innovativ ist. Das geht gar so weit, dass Lippe beim Treffen der Rückversicherer in Monte Carlo wieder selbstbewusste Töne von sich gab: Qualität stehe vor Quantität, doch der Risikoappetit von Swiss Re sei ungebrochen.

Die Zahlen fürs 3. Quartal 2009 haben den Aufwärtstrend von Swiss Re bestätigt - zur Erinnerung: 2008 hatte der Rückversicherer 1 Mrd Fr. Verlust geschrieben. Das Eigenkapital wuchs per Ende September 2009 um 2,4 Mrd Fr. auf 26,2 Mrd Fr. Das rechnerische Überschusskapital, welches Grundlage für die Wiedererlangung eines AA-Ratings nach Standard&Poor's ist, betrug 6 Mrd Fr. Dieses AA-Rating ist für Lippe denn auch das vordringliche Ziel.

Anzeige

Ausserdem kommt Swiss Re dank des starken Zuwachses an Eigenkapital einem zweiten Ziel näher: Der vorzeitigen Rückzahlung der von Berkshire Hathaway gezeichneten Pflichtwandelanleihe für 3 Mrd Fr. Frühestmöglicher Zeitpunkt ist der März 2011. Als Swiss Re nämlich auf Grund ihrer Credit-Default-Swaps (CDS) in Kapitalnot geriet und als Folge davon das AA-Rating und das Vertrauen der Finanzgemeinde verlor, schloss Warren Buffett die 3 Mrd als Wandelanleihe ein. Darüber hinaus senkt Swiss Re die Kosten. Bis Ende Mai 2010 wird rund jede zehnte Stelle gestrichen, was Einsparungen bis zu 200 Mio Fr. bringen soll.

Die operativen Herausforderungen für Lippe sind, im Leben- und Nichtleben-Geschäft Ertragswachstum zu erzielen und zweitens mit den Anlagen den unsiche-ren Finanzmärkten möglichst lange und erfolgreich zu trotzen.