Die Schweizer Versicherungstitel werden in diesen schwierigen Börsentagen regelrecht durchgeschüttelt. Ihre Abhängigkeit von den Finanzmärkten spiegelt sich klar in den Aktienkursen: Zurich Financial Services (ZFS) hat seit Jahresbeginn 9% verloren, Swiss Life etwas über 8% und Bâloise notiert 15% tiefer.

Einzig die Aktie von Swiss Re konnte das Kursniveau innert Jahresfrist halten, vor allem dank der «Vertrauensoffensive». Der erfolgreiche Value-Investor Warren Buffett ist mit einer Beteiligung von 3% beim weltgrössten Rückversicherer eingestiegen. Zudem hat er sich für die nächsten fünf Jahre einen 20%-igen Anteil am gesamten Sach- und Unfallversicherungsgeschäft gesichert.

Auf einen solchen Vertrauensbeweis haben die Investoren seit November letzten Jahres gewartet, als Swiss Re auf verbrieften US-Hypotheken knapp 1,2 Mrd Fr. abschreiben musste. Auch Analysten schätzen den Deal mit Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway mehrheitlich positiv ein. Anders sieht dies aber Vontobel-Analyst Heinrich Wiemer, der die Swiss-Re-Aktie wegen der Vereinbarung auf «Halten» zurückgestuft hat. Der Vertrag sei für Warren Buffett vorteilhaft, nicht aber für die Aktionäre, die damit bis ins Jahr 2013 nur noch 80% des Sach- und Unfallversicherungsgeschäfts besitzen.

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Swiss Re am meisten exponiert

Das Vertrauen der Anleger hat Swiss Re in der stark geförderten Sparte «Financial Services» verspielt. Neben weiteren Abschreibern befürchten Anleger von den in Schwierigkeit geratenen Anleihenversicherern in den USA negative Auswirkungen auf die Versicherungsgesellschaften.

«Swiss Re ist am ehesten gefährdet von der Kreditkrise», erklärt Georg Marti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Swiss Life, Bâloise und ZFS hätten sich dagegen kaum im US-Subprime-Markt engagiert. «Auch die Probleme der US-Kreditversicherer sind für diese Firmen von untergeordneter Bedeutung», sagt Marti.Von den Turbulenzen an den Finanzmärkten sind aber alle Versicherungen betroffen, da die erwirtschafteten Kapitalgewinne nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Gewinns sind. «Doch die Schweizer Versicherer haben sehr konservative Anlagen», sagt Fabrizio Croce, Analyst bei Landsbanki Kepler. Ein Grossteil des Vermögens ist in Anleihen erstklassiger Qualität angelegt, deren Wert in diesen unsicheren Zeiten und auch dank «Solvency II» steigt.

Tiefere Gewinnerwartungen

«Wenn es an den Börsen weiter abwärts geht, müssen die Gewinnschätzungen dennoch gesenkt werden», erwartet Croce. Besonders betroffen wäre Bâloise; der Basler Versicherer habe mit 15% die höchste Aktienquote unter den Schweizer Versicherungsgesellschaften.

Mit tieferen Gewinnschätzungen würden aber auch die derzeit sehr tiefen Bewertungen der Versicherungstitel relativiert. Swiss Re ist aktuell mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2008 von 6,3 bewertet, Bâloise und ZFS mit je 7,2 und Swiss Life mit 8,6. Denn auf dem Sektor lasten nach wie vor die Bedenken der Marktteilnehmer über drohende Verluste durch die Subprime-Krise, ein langsameres Wirtschaftswachstum und vor allem die Aussicht auf weitere Berg-und-Tal-Fahrten an den Börsen.

Doch sobald die Jahresergebnisse der Versicherer veröffentlicht werden, erwartet Croce, dass die Anleger innerhalb des Finanzsektors von Banken- in Versicherungstitel umschichten werden. Denn die Versicherungen dürften im Gegensatz zu den Banken mit den Jahreszahlen positiv überraschen. Auf der anderen Seite könnten die Assekuranztitel aber auch wieder von neuen Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit der Kreditkrise in Sippenhaft genommen werden. «Auf jeden Fall werden die Titel in den nächsten Wochen grossen Kursschwankungen unterworfen sein», versichert ZKB-Analyst Georg Marti.

Wie Warren Buffett investieren

Wer sich wenig um kurzfristige Kursgewinne schert, sondern einen sehr langen Anlagehorizont hat, kann es Warren Buffett gleichtun. In den letzten 30 Jahren ist diese Strategie jedenfalls aufgegangen: Wer die gleichen Aktien wie die «Investmentlegende» Buffett gekauft hat, erzielte eine doppelt so hohe Rendite wie der Standard & Poors 500 Index.

Dass für Anleger, die einen langen Atem haben, im Schweizer Versicherungssektor nicht nur Swiss Re für eine Investition in Frage kommt, zeigt auch die «Value-Stock»-Liste der Bank Vontobel. Vertreten sind dort gleich drei Versicherer – Swiss Life, Swiss Re und ZFS.