Der weltgrösste Rückversicherer Swiss Re, der im letzten November von der Subprime-Krise auf dem falschen Fuss erwischt wurde und einen Milliardenabschreiber bekanntgeben musste, steht nach schweren Monaten mittlerweile besser da als andere Finanzdienstleister, allen voran die UBS. Die Swiss-Re-Aktie dürfte die Talsohle erreicht haben: Die Wertpapiere, die innert zweier Monate von über 110 Fr. auf fast 70 Fr. abstürzten, haben Boden gefunden und bewegen sich wieder über der 80-Fr.-Grenze.

Zur Beruhigung beigetragen haben Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain und Finanzchef George Quinn, die das «zweitbeste Jahresergebnis» (4,16 Mrd Fr., –9% gegenüber dem Vorjahr) in der Geschichte des Rückversicherers präsentieren. Diese Wortwahl ist mit Bedacht gewählt und gehört zu den vertrauensbildenden Massnahmen: Swiss Re ist im 4. Quartal 2007 zwar zerzaust worden, doch die Marschrichtung stimmt. So resultierte im Schlussquartal unter dem Strich ein Gewinn von 170 Mio Fr. Und dies trotz der im November 2007 geplatzten Credit Default Swaps (CDS), die eine Wertberichtigung von 1,2 Mrd Fr. verursachten.

Aigrain: «Ein isolierter Fehler»

Der Swiss-Re-Chef, nach den Ursachen des Fehltritts befragt, erklärt: «Der Grund für den Milliardenabschreiber ist ein isolierter Fehler gewesen und kein systemisches Fehlverhalten.» Zu dieser Überzeugung kommt der Firmenlenker, indem er sämtliche Anlagepositionen einer Due Diligence unterziehen liess. Aigrain weiss: Einen weiteren Fehltritt kann er sich nicht leisten.

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Bis zum 20. Februar 2008 ist laut Quinn auf strukturierten Finanzprodukten zwar ein Wertberichtigungsbedarf von 240 Mio Fr. aufgelaufen; doch das Management gibt Entwarnung: Zur Absicherung des Bond-Portefeuilles hat Swiss Re eine Reserve von über 500 Mio Fr. aufgebaut. Zudem ist die Aktienquote 2007 auf unter 2% gesenkt worden.

Diese Neuigkeiten quittierten Anleger und Investoren mit einem Aufatmen. Die Aktie stieg am Tag der Bekanntgabe der Jahresergebnisse 2007 um 5,2% auf 84.10 Fr. Ohnehin hat die Swiss-Re-Aktie dieses Jahr den Swiss Market Index (SMI) outperformt.

Die Finanzanalysten finden für den Zahlenkranz des Rückversicherers positive Worte. «Insgesamt gibt es keine hässlichen Überraschungen im Ergebnis. Das dürfte bei vielen Investoren für Erleichterung sorgen und das Risiko weiterer Kursverluste begrenzen», sagt Tim Dawson vom Broker Helvea. Heinrich Wiemer von der Bank Vontobel bezeichnet die Entwicklung insbesondere im Nicht-Lebengeschäft als aussergewöhnlich gut. Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank stellt denn auch fest: «Die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 ist moderat. Die erhöhten Risiken bleiben.»

Genau diese Risiken haben Citigroup dazu bewogen, die Swiss-Re-Aktie auf «hold» von «buy» runterzustufen und das Kursziel von 110 Fr. auf 94 Fr. zu reduzieren. 2007 glänzte das Nicht-Lebengeschäft noch durch eine sehr gute Profitabilität: Die Combined Ratio, die Schaden-Kosten-Quote, lag bei 90,2%. Doch für dieses Jahr erwartet Aigrain einen Wert von über 96%. Swiss Re hat bei den Vertragserneuerungen im Januar 2008 mindestens 12% des traditionellen Geschäfts verloren.

Auch Konkurrenz ist vorsichtig

Zu einem ähnlichen Schluss kommt Nikolaus von Bomhard, Chef des zweitgrössten Rückversicherers Münchener Rück: Der Rekordüberschuss von 3,9 Mrd Euro aus dem vergangenen Jahr werde wohl nicht mehr erreicht. Schwierige Versicherungsmärkte und die Finanzmarktturbulenzen, die noch nicht ausgestanden sind, lassen die Rückversicherer, aber auch die Anleger vorsichtig auf 2008 blicken.

Aigrain und sein Team verströmen derweil vor der Finanzgemeinde weitere Zuversicht: Zum einen haben sie eine Eigenkapitalrendite von 14% in Aussicht gestellt (bisher: 13%), und bis 2010 soll der Gewinn pro Aktie 18 Fr. betragen; 2007 sank der Wert auf 11.95 Fr. von 13.49 Fr. Zum anderen wird die Dividende um 18% auf 4 Fr. erhöht. Darüber hinaus ist ein zweites Aktienrückkaufprogramm angelaufen.