Die Swisscom-Aktionäre können für das laufende Jahr weiterhin mit einer Dividende von 22 Franken pro Aktie rechnen. Daran änderten die am Vortag verhängte Kartellbusse von 186 Millionen Franken sowie die dafür nun notwendigen Rückstellungen nichts, sagte Finanzchef Mario Rossi im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP.

Laut dem CFO müssen zudem die weiteren hängigen Verfahren intern nicht neu beurteilt werden. «Das Urteil hat keine Präzedenzwirkung auf andere laufende Verfahren, zumal es noch nicht rechtskräftig ist», so Rossi.

Enttäuschter CFO

Er zeigte sich ausserdem «sehr enttäuscht», dass das Bundesverwaltungsgericht die Argumentation der Wettbewerbskommission (Weko) stützt. «Wir sind überzeugt, dass wir uns rechtlich korrekt verhalten haben und können weder den Vorwurf der Marktbeherrschung nachvollziehen, noch dass wir uns missbräuchlich verhalten haben sollen.»

Ausserdem hätten gesetzliche Vorgaben gefehlt, nach denen sich Swisscom bei den ADSL-Vorleistungspreisen hätten richten können, meinte Rossi: «Darum und natürlich auch wegen der aus unserer Sicht überrissenen Busse ziehen wir den Fall vors Bundesgericht.»

Keine wesentlich neue Dynamik

Auch abgesehen von diesem Gerichtsurteil ist die Nummer eins auf dem Schweizer Telekommarkt stärker unter Druck als in der Vergangenheit. Insbesondere die neuen Mobilfunktarife von Salt gelten als Herausforderung. «Das sind kompetitive Produkte», räumte Rossi im Interview ein. Zu einem Flurschaden habe dies jedoch bis jetzt nicht geführt: «Wir erfassen die Kundenzugänge und -abgänge wöchentlich, und da sehen wir bislang keine wesentlich neue Dynamik.»

Er vermute zudem, dass Salt mit den neuen Angeboten in erster Linie in Richtung des Anbieters Sunrise ziele, der «eine preissensitivere Kundschaft hat». Es werde ohnehin immer wichtiger, die richtigen Kunden zu haben. «Wir konzentrieren uns auf hochwertige Abokunden und wollen nicht bloss möglichst viele SIM-Karten absetzen.»

Keine Dividendenerhöhung

Dem Wunsch von Investoren nach längerfristigeren Zielen erteilte Rossi eine Absage. Dafür sei die Telekomwelt zu schnelllebig. Er stellte aber in Aussicht, dass «in den nächsten beiden Jahren» weiterhin hohe Investitionen in der Schweiz getätigt würden.

Dies führe unter anderem dazu, dass die Aktionäre nicht mit einer Dividendenerhöhung rechnen dürften. «Aus finanzieller Sicht wäre es nicht sinnvoll, wenn Swisscom die Schulden erhöhen würde, um höhere Dividenden zu bezahlen», so Rossi. Wenn es aber die finanzielle Lage zulässt, sollte gemäss dem CFO die bisherige Dividendenpraxis beibehalten werden können. Swisscom schüttet seit 2011 eine Dividende von 22 Franken pro Titel aus.

(awp/ise/ama)

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