Wie beurteilen Sie derzeit die Stimmung an den Märkten?
Peter Rosenstreich: In letzter Zeit waren die Märkte sehr volatil. Das wird in den Sommermonaten etwas abnehmen. Die Märkte reagierten zuletzt etwas ruhiger auf Ereignisse wie etwa die Ansprache von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke vor einigen Tagen.

Weshalb?
Es ist allen klar, dass die Zentralbanken ihre Massnahmen zurückfahren werden. Die Märkte wurden in den letzten Jahren so stark von den Zentralbanken beeinflusst, dass die Unsicherheit deshalb zunehmen wird. Es wird weniger darum gehen, wie sich die Unternehmensgewinne entwickeln, sondern was das Fed tut und wie es getan wird.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Wie wird die US-Notenbank vorgehen?
Bernanke lässt sich viele Möglichkeiten offen und hat kaum konkrete Anhaltspunkte gegeben, wann er etwas unternehmen wird. So sagte er unter anderem: «Wenn die Daten schlechter werden, werden wir das Programm fortführen – werden die Daten besser, schliessen die Schleusen.» Das ist logisch. Wenn Bernanke gesagt hätte, die Fed zieht sich auf jeden Fall im September zurück, sich aber die Arbeitslosenquote erhöht hätte, wäre das unglaubwürdig gewesen.

Wann wird sich die Fed nun von ihrer expansiven Geldpolitik verabschieden?
Die Fed bereitet sich darauf vor, sich ab September aus den Märkten zurückzuziehen. Das dürfte den Wirtschaftsindikatoren einen kleinen Schlag versetzen. Die US-Daten werden sich trotzdem stetig verbessern. Das wird der Fed erlauben, die Massnahmen ab September herunterzufahren und das Anleihenkaufprogramm im ersten Quartal 2014 zu beenden.

Was heisst das für den Dollar?
Es ist sicher, dass die USA die Geldpolitik straffen werden. Das wird den Dollar stärken. Je näher der September kommt, desto stärker wird der Dollar werden.

Was passiert in Europa?
Die Euro-Krise kommt immer wieder heftig zurück, kurz vor dem Kollaps reissen sich Politiker und Zentralbanker zusammen und alles beruhigt sich wieder. Nach ein paar Monaten geht das Ganze wieder von vorne los. Das ist die Natur dieser Krise. Sie wird nicht von in einer einzigen Massnahme gelöst, vielmehr ist es ein langsamer und stetiger Prozess. Spätestens nach den Wahlen in Deutschland müssen sich die Entscheidungsträger die Frage stellen, wie es weitergehen wird. Klar ist zumindest, dass die Krise den Euro nicht zerbrechen lässt.

Was bedeutet das?
Deutschland hat vor kurzem ein Abkommen mit China über Yuan-Swaps abgeschlossen. Das zeigt, dass sich Deutschland nicht mehr nur auf die Euro-Zone verlässt. In Deutschland weiss man, dass das zukünftige Wachstum aus Asien kommen wird. Europa ist zukünftig nicht mehr ganz so wichtig.

Wie geht es mit dem Franken weiter?
Der Schweizer Franken ist der Liebling der Währungsmärkte. Er wird auch dann nicht abgestossen, wenn die Schweizer Wirtschaftsdaten nicht besonders gut sind. Der Franken wird sicher kurzfristig etwas ausschlagen, langfristig hat er sich aber als einer der sicheren Häfen für Profi-Investoren etabliert. Er wird noch lange eine gute Anlage bleiben.

Was ist derzeit der beste Trade?
Der australische Dollar und der japanische Yen sind sehr interessant. Der australische Dollar hat darunter gelitten, dass die Wirtschaft in China und die Rohstoffmärkte litten. Sobald in China Massnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft ergriffen werden, wird sich das ändern. Zudem glauben wir, dass die Politik der japanischen Regierung fruchten und die Währung sich abschwächen wird. Das heisst: Australien ist für eine Rally bereit, Japan wird den Yen abwerten – eine interessante Gelegenheit.