Die Aktie des Agrochemiekonzerns Syngenta hat sich seit Beginn des Jahres erfreulich entwickelt und über 17% zugelegt. Vor wenigen Tagen kam der Kurs jedoch ins Rutschen. Der Valor sackte innert kurzer Zeit von 237 auf 221 Fr. ab. Gewinnmitnahmen und die vor kurzem veröffentlichten 1.-Quartals-Zahlen des Syngenta-Konkurrenten Monsanto waren die Ursachen für den Dämpfer.

Monsanto legt Zahlen vor

Das US-Unternehmen verfehlte beim Umsatz die Erwartungen leicht. Nach deutlichen Zugewinnen seit Jahresbeginn gab deshalb die Aktie in den letzten Tagen leicht nach. Dies, obwohl der Gewinn pro Aktie bei stattlichen 2,16 Dollar und damit über den Analysten-Erwartungen von 2,07 Dollar pro Wertpapier lag.

Monsanto-CEO Hugh Grant setzt für das Gesamtjahr ein Gewinnwachstum von 20% als Ziel. Vor allem das Geschäft mit Getreidesamen, Sojabohnenkeimen und spezifischen Pflanzeneigenschaften, sogenannten Traits, sei derzeit erfolgreich. Der Absatz mit Herbiziden habe hingegen die Erwartungen nicht ganz erfüllt.

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Insgesamt war der Ausblick vielen Anlegern zu wenig zuversichtlich. «Monsanto musste bei den Bestellungen bedeutende Verschiebungen in das nächste Quartal hinnehmen», so Martin Schreiber von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Ein ähnliches Schicksal könnte auch Syngenta blühen.

Trend zur Agrochemie hält an

Am Mittwoch, 15. April, präsentiert Syngenta das Ergebnis der ersten drei Monate des aktuellen Geschäftsjahres. Die Analysten erwarten ein solides Resultat des Agrochemiekonzerns.

68% der Experten bewerten deshalb die Aktie derzeit mit «Kaufen». Vontobel setzt das Kursziel auf 285 Fr., die Analysten von Helvea gar auf 300 Fr.

Die immer stärkere Nachfrage nach Fleisch macht grössere Mengen an Futtermitteln notwendig. Syngenta könne es zudem den Landwirten immer besser vermitteln, dass sie ihre Erträge mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu steigern und zu verbessern vermögen.

Nur geringe Risiken trüben das Bild ein. Die Aufwertung des Brasilianischen Real gegenüber dem Dollar dürfte einen deutlich negativen Einfluss auf das Ergebnis von Syngenta haben. Zudem könnten in den von der Krise stärker betroffenen Schwellenländern Zahlungsausfälle zunehmen.

Syngenta hat sich jedoch gegen diese Risiken durch Fremdfinanzierungen und Bargeschäfte abgesichert. Der Konzern setzt auf den Tauschhandel. Als Gegenleistung für die eigenen Produkte beteiligt sich Syngenta am Ernteertrag der Bauern.

Wer kauft Dow AgroSciences?

Die angespannte Situation bei DowChemical hat zuletzt zu Spekulationen um einen Verkauf der äusserst profitablen Konzerntochter Dow AgroSciences geführt. Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von 4,5 Mrd Dollar und gegen 40% des Konzerngewinns.

Doch nicht nur Syngenta könnte eine Übernahme ins Auge fassen. Auch andere Branchen-Schwergewichte wie BASF, DuPont, Bayer und Monsanto kommen als Käufer in Frage.

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Syngenta und Dow AgroSciences haben vor kurzem eine Vereinbarung über die gegenseitige Lizenzierung von Mais-Traits abgeschlossen. Die Partnerschaft wurde von den Anlegern begrüsst und die Syngenta-Aktie konnte in der Folge leicht zulegen. Spezifische Kooperationen sind jedoch in gewissen Produktbereichen in der Branche im Trend. Mit der Vereinbarung könnte ein allfälliger Kauf sogar vom Tisch sein. «Die Zusammenarbeit mit Dow AgroSciences spricht eher gegen eine Übernahme durch Syngenta», so Schreiber von der ZKB.

Syngenta zeige sich zwar offen für Zukäufe, die Aktienrückkäufe wurden deshalb dieses Jahr auf Eis gelegt, Dow Agro Sciences könnte aber zu schwer sein.

Die Analysten von Vontobel halten daher ein anders Szenario für wahrscheinlicher: Monsanto könnte die Sparte Pflanzenschutz kaufen, Syngenta für 1 Mrd Fr. das Saatgutgeschäft von DowChemical übernehmen und den Bereich Herbizide Bayer überlassen. Der attraktive Produktbereich würde gut zu Syngenta passen und die Finanzierung dürfte machbar sein.

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