An den Märkten versuchen institutionelle Anleger täglich, ihre Portefeuilles zu optimieren. Das verwässert die Kurse und sorgt unter Profihändlern für Misstöne.

In der täglichen Schlussauktion um 17.30 Uhr würden laut Börsenexperten seltsame Dinge geschehen. Sie hat daher von Investoren den wenig schmeichelhaften Namen «Abzockerrunde» erhalten.

«Gerade bei Small Caps lässt sich mit relativ kleinen Stückzahlen viel bewegen», sagt Plinio Zanetti, Fondsmanager bei Clariden Leu.

«Das ist unangenehm, denn um 17.20 Uhr steht das eigene Portefeuille noch im Plus, und dann wird die Rendite heruntergezogen», so Zanetti. Kleinere Werte sind für dieses Spiel besonders geeignet. Mit geringen Volumen hat man bei Small Caps einen vergleichsweise grossen Einfluss auf den Schlusskurs.

Kleine Volumen, grosser Ärger

Ein Beispiel aus den letzten Handelstagen ist Vetropack. Beim Glasverpackungshersteller kam im Verlauf der Schlussauktion plötzlich wieder Leben in den Kurs: Statt eines kleinen Kursplus lag der Schlusskurs plötzlich in der Verlustzone. Die Aktie verzeichnete nach der Schlussauktion Abgaben von rund 1%. Das ist nicht viel, aber in Zeiten eher kleiner Renditen ärgerlich.

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«Wer in Small Caps geht, versucht häufig selbst, auf die relative Rendite zu setzen, und geht damit ein gewisses Risiko ein», sagt Philipp Bärtschi, Aktienstratege bei der Bank Sarasin. Bei kleinen Werten ist das Risiko für Verwerfungen höher als bei Titeln, die in grossen Volumen gehandelt werden. Daher sei nicht auszuschliessen, dass andere mit einer ähnlich riskanten Strategie vorgehen und man dann selbst den Kürzeren zieht.

Hedge-Fonds im Verdacht

Unter den zahlreichen Verdächtigen werden immer wieder angelsächsische Hedge-Fonds genannt. Beobachten Marktexperten bei den Hedge-Fonds Verkaufsdruck, würden die Titel schnell auf den Markt geworfen. Mit den entsprechenden Konsequenzen für deren Aktienkurse.

«Es ist möglich, dass Hedge-Fonds, die quantitative Modelle benutzen, die Kurse in der Schlussauktion bewegen», sagt Bärtschi. Das gelte aber nur für einzelne Werte, denn: «Die Schweizer Börse entwickelt sich am späten Nachmittag nach den Vorgaben aus den USA», erklärt Bärtschi.

Gegen Ende des Jahres tritt noch ein anderes unbeliebtes Börsenphänomen auf: Das Window Dressing. Damit versuchen institutionelle Anleger, durch das Zukaufen von erfolgreichen und Abstossen von schwachen Titeln die Performance ihrer Produkte gegenüber der Benchmark zu schönen. Gut performende Werte erhalten so Auftrieb, während bereits schwache Werte unter zusätzlichen Verkaufsdruck geraten.

«Window Dressing gibt es immer, jedoch stellen gute Investoren ihr Portefeuille nach fundamentalen Überlegungen zusammen», sagt Plinio Zanetti, Fonds-Manager bei Clariden Leu.

Jedoch gehen die Experten von Julius Bär davon aus, dass das Window Dressing in diesem Jahr bereits im November und nicht wie sonst üblich erst im Dezember stattgefunden hat.

Grund dafür ist die geringe Liquidität an den Märkten. In Jahren mit einem negativen Return würden institutionelle Anleger versuchen, sich möglichst früh für das kommende Jahr auszurichten. Viele Investoren passen ihre Positionen nicht erst im Dezember an. Experten erwarten daher keine grösseren Bewegungen an den Märkten mehr.

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«Wir haben bereits zu den Quartalsenden ein wenig Window Dressing gesehen», sagt Philipp Bärtschi, Aktienstratege der Bank Sarasin. Um Steuern zu optimieren, könnte sich jedoch in den USA noch etwas aufgrund von Window Dressing bewegen.

Auf starke Werte setzen

Vor allem schlecht laufende Finanzwerte wurden bereits im Verlauf des Jahres abgebaut. «Die schlechten Werte sind gar nicht mehr in den Depots», sagt Bärtschi. Das Portefeuille jetzt anzupassen, ist dennoch interessant.

Die Analysten von Julius Bär zeigen, dass beinahe zwei Drittel der US-Aktien, die während des Jahres outperformen, in den ersten Monaten des kommenden Jahres die Vergleichswerte schlagen würden. In Europa gilt dasselbe sogar für über 70% der Top-Titel.

Unter den europäischen Spitzenwerten befinden sich auch zwei Schweizer Aktien, der Nahrungsmittelkonzern Nestlé und das Medizinaltechnikunternehmen Synthes.

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Die nordamerikanischen Top-Werte sind Rohstoffaktien wie Goldcorp, Energiewerte wie Chevron und mit JP Morgan Chase auch ein Finanztitel.