ÜBERNAHME-POKER . Nach dem überraschenden Abbruch der Gespräche zwischen United Internet (UI) und Freenet läuft der Preispoker um den Verkauf der DSL-Sparte von Freenet weiter. Der Plan, Freenet zwischen DSL-Anbieter UI und Mobilfunkdienstleister Drillisch aufzuteilen, bleibt aktuell. Offenbar führt Freenet weder mit dem Hansenet-Eigentümer Telecom Italia noch mit dem Arcor-Mutterkonzern Vodafone Gespräche. Die beiden Unternehmen gelten als potenzielle Käufer von Freenets DSL-Sparte. «Der Abbruch der Gespräche war einkalkuliert», sagt ein Branchenkenner über die Taktik von UI-Chef Ralph Dommermuth.

Kurz vor den abschliessenden Gesprächen hatte Freenet-Chef Eckard Spoerr in der Öffentlichkeit bereits durchblicken lassen, dass der Verkauf des DSL-Geschäfts so gut wie beschlossen sei. Dann präsentierte Freenet enttäuschende Quartalszahlen. Dommermuth soll das zum Anlass genommen haben, den Preis zu drücken. Der UI-Gründer ist in der Branche für Knausrigkeit bekannt, Freenet-Chef Spoerr für sein Verhandlungsgeschick in eigener Sache. Drillisch-Chef Paschalis Choulidis konnte den Streit nicht schlichten, weil er auf Werbetour für eine Kapitalerhöhung war.Bei institutionellen Investoren vor allem aus London sei die Nachfrage für die neuen Drillisch-Aktien stark, heisst es aus Branchenkreisen. Sie werden jetzt deutlich günstiger angeboten. Das Geld aus der Kapitalerhöhung braucht Drillisch, um den Freenet-Anteil von 18% des Ex-Freenet-Aktionärs Vatas bis Ende November zu bezahlen.

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Dommermuth hat mit dem Abbruch der Gespräche erreicht, was er wollte. Freenet ist billiger. Bei Freenet heisst es, dass der Verkauf der Mobilfunksparte nur stattfinde, wenn eine akzeptable Lösung für die DSL-Sparte gefunden werde. Über den Verkauf des Mobilfunkgeschäfts verhandelt Freenet exklusiv mit Drillisch. Als Plan B für diese Lösung wird der Verkauf des Freenet-DSL-Geschäfts an Telefónica gehandelt. So weit dürfte es Dommermuth aber wohl nicht kommen lassen.

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