Sie soll der Börsenstar 2011 werden, die Aktie von The Brandgeneration. Die Schweizer Firma, die sich auf die Vermarktung von Künstlern und auf neue Medienformate konzentriert, soll im laufenden Jahr mit ihrem Sänger Fabian Buch in Amerika Fuss fassen, ein neues Klatschportal aufbauen und mit einem für die zweite Jahreshälfte geplanten Nachrichtenheft gar die etablierten Magazine «Focus» und «Spiegel» herausfordern.

So zumindest prophezeit es der selbsternannte «intelligente» Börsenbrief «iq.BB», der beinahe täglich ein Update zum Unternehmen veröffentlicht. Entsprechend dem «alle Vorstellungen sprengenden Geschäftsplan des noch jungen Unternehmens» erhöhte der Börsenbrief sein Kursziel für die Aktie bis Ende Jahr auf 14.50 Euro. Aktuell ist sie 3.10 Euro wert. Das prognostizierte Plus beträgt also 460 Prozent. Da konnten auch die Mitarbeiter des Börsenbriefes nicht widerstehen und haben eine entsprechende Position aufgebaut, wie dem kleingedruckten Haftungsausschluss zu entnehmen ist.

Doch worum handelt es sich bei Brandgeneration wirklich? Laut Firmenangaben wurden das Musiklabel Unique Army, über welches der Internet-Casting-Gewinner Fabian Buch vermarktet wird, und der Musikverlag Unique Army Publishing in das Unternehmen eingebracht. Und in wenigen Tagen soll das erwähnte Klatsch- und Web-TV-Portal unter dem Namen LLC1 gestartet werden.

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Keine Geschäftszahlen erhältlich

So weit die PR-Angaben. Entstanden ist die Firma mit Sitz in einem unscheinbaren Bürogebäude in Basel erst vergangenen April - durch Umwandlung der auf Lacke spezialisierten Margani AG. Schon vier Monate später, am 20. August 2010, liess die Gesellschaft rund 11 Millionen Aktien mit einem Nennwert von 5 Rappen im Freiverkehr der Frankfurter Börse listen.

Wer allerdings nach Geschäftszahlen und Angaben zu Vermögenswerten sucht, welche die aktuelle Börsenbewertung von umgerechnet 42 Millionen Franken rechtfertigen könnte, sucht vergebens. Bilanz und Erfolgsrechnung oder nur schon ein Kotierungsprospekt, wie er für die Zulassung an einer offiziellen Börse benötigt wird, sind nirgends abrufbar.

Selbst die mehrfache Nachfrage beim Unternehmen bringt keinen Erfolg. «Die Zahlen der neu ausgerichteten Start-up-Gesellschaft, die in Kürze von unserer Revisionsstelle zu erwarten sind, werden wohl noch nicht sehr aussagekräftig sein», begründet Rechtsanwalt Stephan Eschmann, alleiniger Verwaltungsrat. Dass am Firmensitz in Basel keine operative Tätigkeit ausgeübt wird und das Unternehmen dort gänzlich unbekannt ist, begründet er mit der gewählten Holdingstruktur. «Der Eindruck einer ‹Mantelgesellschaft› mag unter den gegebenen Umständen zwar entstehen, trifft jedoch nicht zu», beteuert Eschmann. Brandgeneration-Direktor Pascal Geraths ergänzt: «In der Branche, wo The Brandgeneration über ihre Tochtergesellschaften aktiv ist, ist das Unternehmen gut bekannt.»

Weitergehende Informationen zur Gesellschaft sind jedoch weder bei Sony Music Deutschland noch bei Merchandising Media erhältlich, mit denen das Musik-Label Unique Army, eine Tochter von «the brandgeneration» eine Vertriebskooperation eingegangen ist. Nicht gänzlich unbekannt ist dagegen Brandgeneration-Direktor Geraths. Seine PR-Agentur aus der österreichischen Landeshauptstadt Salzburg, wo auch das neue Start-up-Unternehmen seinen operativen Sitz hat, war laut «Financial Times Deutschland» 2006 in eine Anlegerabzocke verwickelt. Damals wurden am Freiverkehr in Frankfurt wertlose Aktien über Börsenbriefe hochgejubelt - zum Schaden der Anleger.

Zum Börsenbrief «iq.BB», der jetzt die Aktienkauf-Trommel für Brandgeneration rührt, bestehe keinerlei Verbindung. «Ich habe keine Position bei iq.BB», erklärt Geraths gegenüber der «Handelszeitung». Einer gegenteiligen Aussage in einem Artikel des «Aktionärs» von Ende Februar konterte er mit einer Medienmitteilung. «Der Journalist schrieb, er habe über Pascal Geraths auch eine Purple Capital erreicht. Dies ist schlichtweg nicht nachvollziehbar.» Purple Capital zeichnet für den Inhalt des «iq.BB»-Börsenbriefs verantwortlich.

Zustelladresse in Zürich

Auch von einer Kaufempfehlung durch diesen Börsenbrief will man bei Brandgeneration nichts wissen. «Mir ist der erwähnte Börsenbrief nicht bekannt. Ich möchte mich deshalb dazu nicht weiter äussern», sagt Verwaltungsrat Eschmann. Es sei allerdings üblich, dass an der Börse gehandelte Firmen von Finanzmedien und Analysten unter die Lupe genommen und zum Kauf oder auch Verkauf empfohlen werden.

Doch wie kommt der Börsenbrief zu seiner Einschätzung und den dazu nötigen Informationen? Ein Augenschein bei Purple Capital an der Löwenstrasse in Zürich bringt keine Antworten. «Hier ist nur die Zustelladresse, wir sammeln die Post für das Unternehmen und leiten sie dann weiter», erklärt ein älterer Herr von der Interconsult Management Services, die sich an der Adresse befindet. Die gesammelten Unterlagen gingen an einen Anwalt, fügt er hinzu. Um wen es sich dabei handelt: Das lässt sich der Herr nicht mehr entlocken. Eine schriftliche Anfrage an «iq.BB» bleibt unbeantwortet. Anscheinend agieren die «Analysten» von Purple Capital lieber aus der Anonymität heraus, als sich über ihre Quellen auszulassen.

Suter weiss von nichts

Die Anonymität geht gar so weit, dass der alleinige Verwaltungsrat von Purple Capital, Felix Suter, nicht über deren Tätigkeit informiert sein will. Auch wer hinter der Firma steht, kann Suter nicht sagen. Der Rechtsanwalt und Sohn von Crossair-Gründer und «Basler-Zeitung»-Eigentümer Moritz Suter sagt: «Da ich vorliegend als mandatierter Verwaltungsrat der Purple Capital AG Einsitz genommen habe, unterstehe ich der anwaltlichen Schweigepflicht.» Über die verlegerische Tätigkeit der Gesellschaft gibt er sich jedoch überrascht, schliesslich entspreche dies nicht dem im Mandatsvertrag festgehaltenen Zweck der Gesellschaft.

Der Firmenzweck beinhaltet laut Handelsregister den Erwerb, die dauernde Verwaltung und die Veräusserung von Beteiligungen an in- und ausländischen Unternehmen. «Sollte sich der Sachverhalt so erhärten, wie er sich präsentiert, werde ich die entsprechenden Konsequenzen ziehen und mein Mandatsverhältnis beenden», verspricht Suter.