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Tech-Aktien: Digitales Wachstum

Neugelder: Zuflüsse erlebten vor allem Rohstofffonds, Dach-Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds.

Der Sektor erlebt einen Megatrend. Durch die Einführung neuer Technologien hat sich die Gesellschaft grundlegend verändert.

Von Bolko Hohaus
am 01.02.2012

Bei manchem, was der geneigte Anleger derzeit über Technologieaktien liest, werden sich die Nackenhaare aufstellen. Da ist die Rede von sogenannten Freemium-Geschäftsmodellen, also dem kostenlosen («free») Angebot von Basisdiensten kombiniert mit Zuschlägen («premium») lediglich für Zusatzleistungen. Gleichzeitig werden Firmen, die kaum oder noch gar nicht ­profitabel sind, zu einem zweistelligen Umsatzvielfachen an der Börse eingeführt, nur weil sie im neuen, sozialen Internet ­tätig sind. Hatten wir eine solche Entwicklung nicht schon einmal, vor etwas mehr als einer Dekade? Nichtprofitable Unternehmen, die Wachstum vor Gewinn versprechen, und Bewertungen, die nur Sinn machen, wenn diese Firmen gewaltige Erfolge über das nächste Jahrzehnt erzielen. Was um die Jahrtausendwende galt, ist ­immer noch gültig: Vorsicht gegenüber neuen Geschäftsmodellen, bei denen nicht klar ist, ob die versprochenen Erträge auch erwirtschaftet werden und die Börse zu viel vorwegnimmt.

Der Megatrend unserer Generation

Solche Entwicklungen sind derzeit jedoch die Ausnahme in einem im Wesentlichen kerngesunden Sektor. Wer eine etwas längere Perspektive einnimmt, erkennt ­zudem, welcher massive gesellschaftliche Wandel durch die Einführung neuer Technologien in den letzten Jahrzehnten ein­getreten ist. Grundlegend hierfür sind die Veränderungen im Verhalten von Konsumenten. Wer vor gut zehn Jahren sein Haus verliess und sein Portemonnaie vergass, wird zurückgekehrt sein, um Geld verfügbar zu haben. Heutzutage kehren wir auch nach Hause zurück, wenn wir unser Mobiltelefon vergessen haben – ein absurder ­Gedanke nicht wenig mehr als zehn Jahre zuvor. Überlegt der Leser, wie viele tech­nische Geräte er an einem einzigen Tag ­benutzt und wie wenige und wie viel ein­fachere es nur zehn, 15 Jahre zuvor waren, wird der Trend ebenfalls deutlich. So überrascht es nicht, dass der Teil der Wirtschaftsleistung, der global für Technologie ausgegeben wird, sich über die letzten zehn Jahre verdoppelt hat.

Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass dieser Trend sich über die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte fortsetzen wird. Da ist zunächst die jüngste Altersklasse der Technologienutzer, auch die «digitale ­Generation» genannt. Es reicht aus, den ungezwungenen Umgang von kleinen Kindern mit Tabletcomputern zu beobachten, um zu verstehen, um wie viel ­natürlicher die Nutzung von Technologie für diese Kinder sein wird. Daneben entstehen grosse neue Nachfragegruppen in den aufstrebenden Ökonomien aus Ost und West. Für diese Konsumenten wird es zum ersten Mal möglich sein, Techno­logieprodukte wie Mobiltelefone oder Computer zu erwerben – ein gewaltiger Nachfrageschub für die gesamte Branche. Der letzte, aber immens wichtige Grund liegt in der stetigen Innovation des Sektors. Ein Beispiel hierzu sind eben die erwähnten Tabletcomputer. In weniger als zwei Jahren nach ihrer Einführung erzielt diese Produktkategorie mehr Umsatz als die zwei bekanntesten Schweizer Uhrenhersteller zusammen…

Die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen, erfährt zudem derzeit eine grundlegende Veränderung. Durch die Verfügbarkeit des Internets an jedem beliebigen Ort und durch das Aufkommen einfach bedienbarer Terminals mit grös­seren Bildschirmen kann Information ­jederzeit abgerufen und verarbeitet werden. In der Zukunft werden beispielsweise Maschinen verstärkt untereinander auf dieser Grundlage kommunizieren. Diese Veränderung ist durchaus vergleichbar mit derjenigen, die durch die Einführung der Buchpresse vor mehreren Jahrhunderten geschah. Mit Fug und Recht kann man daher von Technologie als dem Mega­trend unserer Generation sprechen.

2011 den Gesamtmarkt übertroffen

Wie sieht es an der Börse aus? Hat der Markt die positiven Zukunftserwartungen bereits eingepreist? Der Technologiesektor hat auch 2011 wieder den Gesamtmarkt übertroffen. Selbst nach dieser Outperformance erarbeiten die meisten Techno­logieunternehmen nach wie vor freie Mittel, welche hohen einstelligen oder gar zweistelligen Renditen entsprechen. Die im Schnitt exzellente Bilanzsituation erlaubt den Firmen ausserdem, Investitionen ohne Kreditaufnahme zu tätigen und neue Produkte ohne Verzögerung zu ­entwickeln.

Im Vergleich zu den Renditen von Staatsanleihen, die für die solideren Länder bei 2 Prozent oder niedriger liegen, sehen solche Erträge äusserst attraktiv aus, sodass es sich für den Anleger anbietet, Schwächephasen zum Beispiel aufgrund einer zyklischen Wirtschaftsschwäche zu Zukäufen im Sektor zu nutzen. In einem Umfeld, das aller Voraussicht nach von langfristig niedrigem Wachstum geprägt sein wird, erwarten wir auch, dass Investoren dort, wo Wachstum vorhanden ist, ­zugreifen werden und die Bewertungen anziehen. Daher gehört aus unserer Sicht der Sektor als langfristige Beimischung in ein Investorenportfolio.

Bolko Hohaus, Head of Technology Team, Lombard Odier Darier Hentsch & Cie, Genf.

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