Entgegen der guten Vorlage der grossen Technologietitel aus Übersee wie IBM ist die Schweizer Branche an der Börse unter Druck gekommen. Wenig geholfen haben dann auch die Zahlen von Intel und Apple (siehe unten), die die erlahmende Konjunktur nun deutlich wiedergeben.

AMS mit wichtigen Kunden

Allerdings: Die derzeit niedrigen Kurse versprechen einiges Erholungspotenzial. So gilt etwa die Aktie des Microchip-Herstellers Austriamicrosystems (AMS) als unterbewertet. Das Wertpapier sackte zu Jahresbeginn bis auf 25 Fr. ab (–37%), seither konnte es sich leicht bis auf 31 Fr. erholen. Im 2. Quartal wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Zusätzlich konnte AMS im Bereich Beleuchtungssysteme von Mobiltelefonen wichtige Kunden für längerfristige Projekte an das Unternehmen binden. Der Bereich Medizinaltechnik entwickelte sich zudem über den Erwartungen. Durch die breite Diversifikation ist AMS gegen Krisen in einzelnen Absatzmärkten gefeit. So würde etwa das Einbrechen der Verkäufe im Automobilmarkt dem Unternehmen keine grösseren Probleme bereiten.

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Die Experten von Vontobel gehen davon aus, dass negative Wechselkurseinflüsse bestehen, jedoch ist AMS mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8 für das Jahr 2008 sehr attraktiv bewertet.

Pokern mit Chips

Der Valor des Halbleiterherstellers Micronas hat seit Anfang des Jahres 43,1% seines Wertes verloren. Die Fussball-Europameisterschaft konnte keine zusätzlichen Impulse für den Hersteller von TV-Chips liefern. Nun dümpelt die Aktie bei 6 Fr. vor sich hin. Die UBS hat nach erfolgter Gewinnwarnung von Micronas das Kursziel auf 5 Fr. gesenkt. Der Absatz nach Fernsehern von Flachbildschirmen hatte zwar im 1. Quartal des Jahres angezogen, setzte zum Grossereignis Fussball-EM aber nicht zum erhofften Höhenflug an. Neue Produkte wie TV-Geräte mit Klangsensoren sollen diese Lücke schliessen. Das neue Produkt würde in Fernsehgeräten der nächsten Generation echten Surround-Sound bieten. Das ist jedoch Zukunftsmusik. «Sollte sich der Abwärtstrend in der Automobilindustrie fortsetzen, wäre Micronas mit seinem Exposure zur Branche stark davon betroffen», so Tomas Hilfing, Analyst bei Helvea. Auf die Autobranche setzt auch der GPS-Chiphersteller U-Blox. Nach einem Zwischenhoch im September, das den Kurs auf 48 Fr. führte, musste die Aktie wieder Abschläge hinnehmen und ist unterdessen auf das Jahrestief von 28.10 Fr. gesunken. Das enttäuschende 1.-Halbjahres-Ergebnis war der Grund dafür.

Die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sehen jedoch bei U-Blox Luft nach oben. Die neue Chipgeneration fände auf dem Markt guten Absatz und durch die Verlagerung der Produktion in die USA könne sich U-Blox gegenüber Währungsrisiken besser absichern. Jedoch wird der Konkurrenzkampf im GPS-Markt mit harten Bandagen geführt. Das drückt auf die Margen von U-Blox.

Weihnachtsgeschäft zentral

Der Computerzubehör-Hersteller Logitech hat in den letzten Wochen unter der schlechten Stimmung in den USA gelitten und über 20% verloren. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Kurs noch weiter einbrechen könnte, da das Wachstumspotenzial in Asien ungewiss sei. «Logitech erzielt über 30% des Umsatzes und über 40% des operativen Gewinns an Weihnachten», so Hilfing. Sollte dieses Jahr bei den Geschenken gespart werden, würde das Logitech treffen.

Krisenfestes Fernsehen

Der Hersteller von Settop-Boxen für den digitalen Fernsehempfang, Advanced Digital Broadcast (ADB), könnte jedoch einer der Gewinner der schlechten Marktstimmung sein. «Die Leute schauen wegen der Finanzkrise nicht weniger fern», so der Helvea-Analyst Tomas Hilfing. Der Kurs hat sich in den letzten zwei Monaten positiv entwickelt und 14,1% zugelegt.

80% der Analysten raten, die ADB-Aktie zu kaufen, der Konsens zum Zielpreis liegt mit 44.90 Fr. deutlich über dem aktuellen Kurs von 34.40 Fr.