Nein, wir spüren keinen Abschwung bei den Kunden aus dem Bankensektor, auch nicht in Europa», sagt Sergio Giacoletto, Europachef beim US-Softwarekonzern Oracle, auf Anfrage. «Die Investmentbanken sind nur relativ kleine Kunden für uns, und viele Banken in anderen Regionen der Welt investieren weiter.» Auch die Bankkunden, die Oracle beliefert, halten an ihren IT-Investitionen fest. Noch 70 weitere Projektabschlüsse sind offenbar in der Pipeline. Das Datenbankengeschäft legt mit Raten von 23% zu.

Qualitäten, die auch an der Börse geschätzt sind. «Good News in beängstigenden Zeiten», sagt JP- Morgan-Analyst John DiFucci über die Oracle Titel. «Ein sicherer Hafen», ergänzte Peter Goldmeister, Analyst bei Cowen.

Defensiv dank Wachstum

Das Gleiche gilt für SAP. Die Analysten von Natixis erwarten, dass SAP den Lizenzumsatz im laufenden Quartal um 27% (20% ohne den Business-Objects-Anteil) steigern kann. An einer Analystenpräsentation im September sprach das SAP-Management von «boomenden» Märkten in Europa, die Erwartungen für das Gesamtjahr wurden bestätigt.

«Kann ein Wachstumssektor überhaupt defensiv sein?», fragt Jonathan Crozier, Analyst bei der WestLB. Die Befragungen der Research-Firmen wie Forrester oder Datamonitor weisen darauf hin, dass über 60% der Firmen ihre IT-Budgets für 2009 allenfalls stabil halten werden. Wenn das nicht hilft, dann kommen Aktienrückkaufprogramme wie bei anderen grossen IT-Konzernen zum Zug. Für Todd Raker, Analyst bei der Deutschen Bank, ist das 40-Mrd-Dollar-Programm bei Microsoft «ein guter Hinweis auf eine unterbewertete Aktie» und «ein Signal, dass keine grossen Akquisitionen unterwegs sind». Und HP, die eben den Aktienrückkauf für 8 Mrd Dollar verkündet hat, ist aufgrund «der Grösse, der Diversifikation und der Kostensparmassnahmen» für Cowen-Analyst Louis Misclosla weiterhin ein Kauf.

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Die Ankündigungen von Microsoft und HP kamen in Zeiten der grössten Banken-Liquiditäts-Turbulenzen – und sorgen für einen der wenigen Lichtblicke an trüben Börsentagen.

Spiel auf den Nasdaq-Index

Anleger, die diese guten Nachrichten mit Derivaten ausnutzen möchten, können das am einfachsten über die unzähligen Discounter-Zertifikate tun, die auf den Nasdaq-100-Index angeboten werden. Preistracker wie NASDB, NAWIN, NASDQ oder LKNAS auf diesen Index bieten keinen Schutz gegenüber Abschwüngen. Gefragte Warrants waren in den letzten Tagen NASVT (ein Call) und die beiden Puts NDXAU und NDXEI.

Auf Oracle gibt es neben Warrants, die sich nur für risikofähige Anleger eigenen, auch vier Discounter und den «Defender» VON8PW für defensive Investoren. Für SAP allein hat ein vorsichtiger Anleger die Wahl zwischen 12 Barrier-Reverse-Convertibles, 70 Discountern und 52 Bonus-Zertifikaten. Für Microsoft gibt es die beiden Barrier-Discounter OFMIS und OFMIC und ebenfalls ein knappes Dutzend weiterer Barrier-Reverse-Convertibles.

Und für HP, momentan der von den Analysten am besten eingestufte grosse Hardware-IT-Konzern, stehen vier Discounter und der Capped-Bonus MLHEW zur Auswahl. Weil dieser von Merrill Lynch ist, sollten Anleger den Anschluss der Übernahme durch die Bank of America abwarten.